Der Streit um die Austrian Bowl XXVIII

  • Wide Receiver Talib Wise (l.) von den Raiders Tirol war bei der Austrian
 Bowl im Vorjahr von Vikings-Linebacker Simon Blach nicht zu halten. Am 
Samstag sinnen die Vikings auf Revanche.
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    Wide Receiver Talib Wise (l.) von den Raiders Tirol war bei der Austrian Bowl im Vorjahr von Vikings-Linebacker Simon Blach nicht zu halten. Am Samstag sinnen die Vikings auf Revanche.

Die Vienna Vikings können in der Austrian Football League (AFL) mit ihrem elften Titel zum Rekordchampion aufsteigen

Wien - Die Innsbrucker sind, gelinde gesagt, brennheiß. Zum einen natürlich auf das Spiel, die Austrian Bowl XXVIII am Samstag (20.30, ORF Sport Plus) ist für die Footballer der Tirol Raiders die letzte Chance auf einen Titel in dieser Saison. Zum anderen - und diese Energie ist nicht unbedingt aus positiven Motiven heraus gesteuert - ist der American Football Bund Österreich (AFBÖ) das Feindbild. "Die Tiroler sind super angefressen", gibt AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck zu.

Das 28. Finale der AFL hätte ursprünglich im Innsbrucker Tivoli-Stadion stattfinden sollen. "Aus wirtschaftlichen Gründen" wurde das Spiel vom Verband aber kurzerhand nach Wien auf die Hohe Warte verlegt - die Heimstätte der Vikings. "Die Raiders fühlen sich ihres Heimfinales beraubt", sagt Eschlböck. "Ich hoffe aber nicht, dass sie nachtragend sind."

Für das Finale wurden bis Donnerstag gut 2500 Tickets abgesetzt, Eschlböck rechnet mit knapp mehr als 5000 Fans. Im Vorjahr nützten die Footballer vor der Heim-WM noch die große Bühne Happel-Stadion. 10.000 kamen in den Prater und sahen bei strömendem Regen den 23:13-Erfolg der Raiders über die Vikings. Als einen Rückschritt in der Entwicklung des Sports sieht Eschlböck die Rückkehr zur viel kleineren Hohe Warte nicht. " Im Grunddurchgang der AFL hat es mit mehr als 70.000 Zuschauern einen neuen Rekord gegeben", sagt Eschlböck. Mit ein Grund war freilich auch die Anhebung der Spiele auf zehn pro Verein. "Andererseits konnten wir Madonna nicht überreden, ihr Konzert woanders zu spielen." Die Künstlerin tritt am Sonntag im Prater auf.

Aufregung um Hauptsponsor der Rangers

Sportlich ist ein enges Finale zu erwarten. Die Saisonduelle der Finalisten gingen äußerst knapp (17:15, 14:12) an die Vikings. "Ich rechne mit einem Spiel, das bis zur letzten Minute spannend bleibt", sagte Raiders-Coach Shuan Fatah. Der Titelverteidiger bestreitet am Samstag das 200. Spiel der Vereinsgeschichte.

Die Vikings mussten sich am vergangenen Wochenende in Vaduz dem Schweizer Meister Calanda Broncos in der Eurobowl mit 14:27 geschlagen geben. Der Titel in der Austrian Bowl wäre mehr als nur ein Trostpflaster. Mit ihrem elften Triumph wären die Wiener alleiniger Rekordmeister vor den Graz Giants (10).

Für Aufregung im heimischen Football sorgten am Donnerstag die Rangers aus Wiener Neudorf. Der AFL-Klub gab bekannt, dass Hauptsponsor Kornmesser alle Zahlungen Ende Juni eingestellt hat. Gegen den abgängigen Ernst Klimitsch, Chefdesigner des Juweliers und Expräsident des Klubs, soll wegen mutmaßlichen Steuerbetrugs und Geldwäsche ermittelt werden. "Ich habe keine Ahnung, wie es mit dem Klub weitergeht" , sagt Eschlböck. Eine AFL-Saison kostet einen Verein rund 250.000 Euro. (David Krutzler, DER STANDARD, 26.7.2012)

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