Hundsmäßige Komödie im Schloss

  • Verhaltensoriginell: Oliver Baier als Schlitzohr.
    foto: jagoutz

    Verhaltensoriginell: Oliver Baier als Schlitzohr.

Überhitzte Gspassettl: "Das Testament des Hundes" in Schloss Porcia in Kärnten

Zur Ehrenrettung der Schauspieler muss man sagen, dass Das Testament des Hundes ein eher hundsmiserables und zu Recht in der Versenkung verschwundenes Stück ist. Zur Ehrenrettung des Stückes muss man anmerken, dass die Porcia-Komödienspieler mit ihrer Outrage das sinnlose Geplänkel in eine Tschauner-Stegreifbühne verwandeln. Wobei: alleweil Tschauner!

Das Testament des Hundes schrieb Ariano Suassuna 1955, kaum dreißigjährig. Und er tat es, ist man zu vermuten verleitet, unter dem Einfluss sehr lustig machender Substanzen. Aussage null. Warum man das Stück über ein christliches Hundebegräbnis und daraus resultierenden Verwicklungen im Dies- und Jenseits heute aufführen muss, ist auch in zwei Stunden nicht ersichtlich.

Dieses überhitzte Gspassettl voller traurig verendender Witze hat uns nämlich nichts zu sagen - weshalb denn auch der Erzähler (Marcus Thill) am Ende mitteilt, dass jetzt Applaus angesagt wäre. Blöderweise hat er uns aber nicht den Sinn der Outfits erklärt: etwa warum der verhaltensoriginell herumhampelnde Oliver Baier als Schlitzohr João Grilo eine dämliche Rüschenjeansbluse zu abgeschnittenen Jeans trägt.

Figuren ohne Konturen treten auf und ab: der blasse Bäcker (Alexander Linse) und die sexy Bäckerin (Ildiko Babos), die bei einer Vertragsunterzeichnung das Rockerl übers Popscherl schieben muss. Oder der Kurzauftritt des Majors Antônio Morais (Detlef Trippel): Warum? Ein Pater (Alexander Mitterer) versucht sich in Shorts, dann in einer halboffenen Soutane in der Kunst des Einschleimens. Später wird Manuel (Stefan Moser) alias Jesus auftauchen, ein Kampel mit Strohhut. So originell aber auch! Und seine Mama, Unsere Liebe Frau, (Susanne Altschul) hat Strickzeug mit dabei. Das ist nicht etwa religionskritisch. Eher wie Kasperltheater.

Zumindest dreimal in diesen ratlos machenden Stunden keimt die Hoffnung auf, das Ende sei nah. Doch: nein! Es geht weiter. Es bleibt Zeit, daran zu denken, dass viele der Schauspieler in anderen Porcia-Stücken diffiziler spielen: in Goldonis Die Herren im Haus, oder in Yasmina Rezas Der Gott des Gemetzels. Peter Gruber (Regie) und Jan Hax Halama (Bühne und Kostüme) bauen dieses Verwirrspiel übrigens ganz im wörtlichen Sinn auf Sand.

Eine Insandsetzung, quasi, die vom Premierenpublikum aber mit viel Jubel quittiert wird. (asch, DER STANDARD, 27.7.2012)

Bis 30. 8.

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