Kompromiss im Budgetstreit erzielt

26. Juli 2012, 15:19
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Intendant Pereira darf 2013 das Projekt "El Sistema" ausgliedern

Salzburg - Der Kompromiss ist gefunden, den friedfertigen Eröffnungsfeierlichkeiten der Salzburger Festspiele 2012 scheint nichts im Weg zu stehen. Das Kuratorium der Festspiele hat in seiner Sitzung am Donnerstagmittag das Budget von Intendant Alexander Pereira in der Höhe von 60 Mio. Euro für 2013 einstimmig genehmigt.

Im Gegenzug darf Pereira, der für 2013 ursprünglich ein Budget in der Höhe von 64 Mio. Euro vorgelegt hatte, ein 2,6 Mio. Euro teures, gänzlich durch Sponsoren finanziertes Sonderprojekt mit dem musikalisch-sozialen Netzwerk "El Sistema" aus Venezuela aus dem Budget ausgliedern.

Festival soll nicht weiter wachsen

Alle sind erleichtert: Wilfried Haslauer, zur Zeit Vorsitzender des Salzburger Festspielkuratoriums, Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und auch der streitbare Salzburger Neo-Intendant Alexander Pereira. Durch den Trick, "El Sistema" auszugliedern, sowie den Ball der Salzburger Festspiele 2013 beim Verein der Freunde der Salzburger Festspiele anzusiedeln, kann die vom Kuratorium gesetzte 60-Mio.-Euro-Budgetobergrenze von Pereira gehalten werden.

"Diese Idee habe ich aus Zürich mitgebracht, auch dort hat der Freundesverein den Ball veranstaltet und den Reingewinn an die Oper überwiesen. Hauptsache, der Salzburger Verein der Freunde macht das auch. Alles andere kann mir wurscht sein", sagte Pereira bei der Pressekonferenz nach der Kuratoriumssitzung.

Geeinigt haben sich das Kuratorium (politisch besetztes Aufsichtsgremium mit Vertretern der öffentlichen Geldgeber Bund, Land, Stadt und Fremdenverkehr, Anm.) und das Direktorium (Präsidentin und Intendant, Anm.) auch darauf, dass die Salzburger Festspiele keinesfalls - so wie von 2011 auf 2012 - weiter wachsen sollen. Im Gegenteil: Die Zahl der Veranstaltungen soll von 248 auf 200 und die Zahl der aufgelegten Karten von 265.000 auf 256.000 heruntergefahren werden. Und zwar inklusive der Veranstaltungen des Sonderprojektes "El Sistema", dessen Kosten zu Gänze durch Sponsoren wie der Liechtensteiner Hilti-Stiftung finanziert werden.

"Wir haben dieses Modell, dass Sponsoren ohne den Umweg durch das Budget der Festspiele direkt Projekte der Festspiele finanzieren, genehmigt. Weil es ein einmaliges Sonderprojekt ist", erklärte der Kuratoriumsvorsitzender Haslauer. "Aber als generelles Finanzierungsmodell für die Zukunft der Festspiele wollen wir das nicht. Das kommt gar nicht infrage."

Dieses Sonderprojekt "El Sistema" werde weltweit Aufsehen erregen, argumentierte Pereira und wies darauf hin, das es die Salzburger Festspiele mit der "Ouverture spirituelle" ganz aktuell auf die Titelseite der New York Times geschafft hätten. "Welche Kulturinstitution kann das schon von sich behaupten?"

Subventionen bleiben gleich

Die öffentlichen Subventionen für die Salzburger Festspiele 2013 werden nicht erhöht. Der Stand für den Betrieb sei auf dem Niveau von 12,6 Mio. Euro eingefroren, so Haslauer, der betonte, dass durch Sonderfinanzierungen für Umbauten und Sanierungsarbeiten an den Festspielhäusern ohnehin deutlich Geld mehr bereitgestellt worden sei, und zwar etwa eine Mio. Euro zusätzlich. Der Anteil an Sponsorengeld liegt mit etwas weniger als zwölf Mio. Euro nur noch knapp unter dem Anteil der öffentlichen Hand. Eine Festlegung auf bestimmte Finanzierungsanteile sei vom Kuratorium nicht getroffen worden, so Haslauer. "Aber die interne Revision wird diese Entwicklung beobachten."

Subventionserhöhungen für die Festspiele nach 2013 schloss Haslauer aber explizit nicht aus. "Als Kuratorium können wir Budgeterhöhungen nicht beschließen, das ist Sache der Gebietskörperschaften. Und die werden in dieser Angelegenheit wohl konzertiert vorgehen. Wenn der Bund seine Zuschüsse erhöht, rechne ich in Salzburg mit wenig Schwierigkeiten."

Die medialen Turbulenzen und verbalen Auseinandersetzungen rund ums Budget seit der Sitzung Ende Mai dieses Jahres hält Pereira nicht für überflüssig. "Die Gefahr, dass die Festspiele an die Wand gefahren werden, ist durch den aktuellen Budgetkompromiss nur mittelfristig gebannt. Wenn sich beim Subventionsgeber nichts bewegt, geht in ein paar Jahren alles von vorne los. Aber ich glaube, die Auseinandersetzungen hatten den Vorteil, dass jetzt anderes diskutiert wird. Ich stelle jetzt fest, dass die Hand des Bundes nicht eiskalt geblieben ist. Vor allem auch deswegen, weil es mir gelungen ist, selbst erhebliche Summen aufzutreiben. Wenn man nur als Bittsteller dasteht, dann hat man 'no chance'", betonte der Intendant.

Im Budget des Jahres 2013 sind rund 1,1 Mio. Euro Überschuss als Absicherung gegenüber Mehrkosten eingerechnet. Sollten diese Mehrkosten nicht anfallen, wird das Geld nicht an die Subventionsgeber zurückgezahlt, sondern ins Festspielbudget des darauffolgendes Jahres überschrieben. "Ich traue mich sagen, dass wir auch heuer etwa eine Mio. Euro mehr erwirtschaften werden, als budgetiert", so Präsidentin Helga Rabl-Stadler. "In der Oper 2012 sind wir mit dem heutigen Tag auf null, jede Opernkarte die ab jetzt verkauft wird, steht am Ende auf der Habenseite. Auch mit der von Anfang an riskanten 'Ouverture spirituelle' läuft es sehr gut, wir liegen absolut im Plan."

Ausnahme Pfingsfestspiele

 

Deutlich erweitert werden soll jedenfalls  das Kartenangebot bei den Pfingstfestspielen 2013. Wegen Cecilia Bartolis enormen Erfolges 2012 wird es 2013 statt 9.700 exakt 13.150 Karten geben. "Das liegt vor allem am Ballett, das nur im Großen Festspielehaus sinnvoll gemacht werden kann. Zeitlich aber bleibt der Zeitrahmen von Freitag bis Pfingstmontag unangetastet", so Pereira. (APA, 26.7.2012)

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