OS X 10.8 Mountain Lion im Test: Viele kleine Änderungen

Test5. August 2012, 12:17
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Mitteilungszentrale eine der wichtigsten Neuerungungen - iCloud-Integration in aktueller Form keine Dropbox-Alternative

Seit 25. Juli steht mit OS X 10.8 das neueste Betriebssystem für Apples-Desktop-Rechner zur Verfügung. Mountain Lion bringt keine tiefgehenden Umwälzungen für die Plattform, sondern setzt vor allem Apples Strategie fort, mobile und Desktop-Welt enger aneinanderzubinden. So finden sich mehrere von iOS bekannte Funktionen und Apps auch unter OS X. Wie gut das gelungen ist, zeigt der WebStandard-Test.

Installation

Wie zuvor unter Mac OS X 10.7 Lion kommt auch Mountain Lion (bei dem das "Mac" aus dem Namen gestrichen wurde) nur mehr als Download auf den Rechner. Die etwa 4 GB große Datei wird über den Mac App Store heruntergeladen. Selbstredend: Bei langsamen Internetverbindungen ergibt sich das Problem, dass der Download sehr lange dauern kann. Die Installation selbst erfolgt jedoch rasch. Insgesamt kann das System mit derselben Apple-ID auf fünf Rechner aufgespielt werden.

Probleme gab es im Test nur mit der Anforderung des Up-to-date-Codes für neu gekaufte Rechner ab dem 11. Juli. Macs, die noch mit Lion ausgeliefert wurden, können kostenlos aktualisiert werden. Allerdings funktionierte das weder bei der Autorin noch bei einem anderen Redakteur am ersten Tag nach der Verfügbarkeit des Systems.

Kompatibilität

Nutzer eines alten Apple-Rechners, die auf ein Upgrade hoffen, werden mitunter enttäuscht. Denn Mountain Lion kann nicht auf Geräten installiert werden, die vor 2007 auf den Markt gekommen sind. Voraussetzung ist ein Computer mit Snow Leopard oder Lion. Genauere Informationen, welche Macs unterstützt werden, gibt Apple auf der Upgrade-Seite.

All Things Apple

Gleich nach dem Aufspielen des Updates werden User aufgefordert, ihre Apple-ID anzugeben. Diese verbindet die Hardware mit den Diensten des Unternehmens. So können von Beginn an Mail, Kontakte, Kalender, Nachrichten, FaceTime, Notizen, Erinnerungen, Game Center, Mac App Store, Dokumente, Safari und iTunes für die Nutzung in der iCloud eingerichtet werden.

Zwar kann ein Mac prinzipiell auch ohne Apple-ID genutzt werden, doch die iCloud schlägt eine nützliche Brücke zwischen iPhone, iPad, iPod Touch und dem Mac. Apple zählt darauf, dass Nutzer, die ein Notebook des Unternehmens wählen, auch eher bei Smartphones und Tablets zu Apple greifen. Auch ist eine Apple-ID für den Download von Programmen aus dem Mac App Store erforderlich. Neu ist hier, dass auch das Betriebssystem und Komponenten über den Download-Shop aktualisiert werden und nicht nur mehr einzelne Programme.

iCloud

Die unter Lion am Mac eingeführte iCloud wird mit Mountain Lion weiter ausgebaut. Bei der ersten Nutzung werden User gleich aufgeforderte, ihre iCloud-Einstellungen festzulegen. Hier kann man auswählen, ob Mails, Kontakte, Kalender und Erinnerungen, Notizen, Safari, Fotostream, Dokumente und Daten synchronisiert werden sollen. Auch den Zugang zum Mac und die Funktion "Meinen Mac suchen" lassen sich hier aktivieren.

Dokumente synchronisieren

Zentrales neues Feature ist die Synchronisierung von Dokumenten am Mac. Damit können beispielsweise Textdokumente über mehrere Macs, iPhones und iPads synchron gehalten werden - die Anmeldung mit der gleichen Apple-ID vorausgesetzt. Zwei vorinstallierte Apps, die das unterstützten, sind TextEdit und die Vorschau. Auch Apples Anwendungen Pages, Keynote und Numbers sind schon für die Dokumenten-Synchronisation vorbereitet. Über ein API bietet Apple die Integration von Drittanbieter-Apps. Derzeit finden sich im Mac App Store allerdings erst wenige kompatible Anwendungen.

Beim Starten einer iCloud-kompatiblen App erscheint ein neues Startfenster (von Apple "Open Panel" genannt), über das alle in iCloud sowie lokal gespeicherten Dateien für die jeweilige App angezeigt werden. Dokumente können einzeln abgelegt oder automatisch zu Ordnern zusammengefasst werden, indem man ein File auf ein anderes zieht. Das Prinzip ist von iOS und seit Lion auch im Launchpad am Desktop bekannt.

Keine iDisk- oder Dropbox-Alternative

Allerdings ist die Funktionsweise von iCloud nicht analog zu einem Online-Speicherdienst wie Dropbox oder Apples eigenem, mittlerweile eingestelltem Dienst iDisk. Es gibt keinen zentralen Speicherplatz und Zugriffsort, über den alle hochgeladenen Dateien zugänglich sind. Ein eigener Menüpunkt im Finder fehlt, denn jede App greift auf ihren eigenen Speicherplatz in der Wolke zu.

Umständlich: Dokumente in der iCloud werden automatisch mit der jeweiligen Anwendung geöffnet, mit der sie hochgeladen wurden. Wird ein Pages-Dokumente in der Vorschau-iCloud abgelegt, wird das Dokument beim Anklicken auch nur mit der Vorschau gestartet.

Einheitsbrei im Finder

Im Finder werden sämtliche Dokumente, seien sie nun lokal oder online gespeichert, angezeigt. Ob es sich um ein iCloud-Dokument handelt, zeigt sich erst, wenn im Finder die Pfadleiste eingeblendet wird. Hier verweist ein Wolken-Symbol auf den Speicherplatz in der iCloud. Den Überblick zu behalten, welche Dateien sich am Rechner befinden und welche in der Wolke schweben, fällt so schwer.

Zumal bei Deaktivierung der iCloud-Synchronisierung online gespeicherte Dokumente nicht mehr vom Rechner aus zugänglich sind. Wer nicht auswendig weiß, welche Dokumente lokal und welche in der Wolke liegen, kann so unbeabsichtigt den Zugriff darauf verlieren.

Zudem können nicht mehrere Nutzer mit unterschiedlicher Apple-ID auf ein Dokument in der iCloud zugreifen, weshalb Apples Speicher- und Backupdienst derzeit noch nicht für gemeinschaftliches Arbeiten geeignet ist.

Benachrichtigungen

Ein weiteres Hauptfeature, das von iOS übernommen wurde, ist die Mitteilungszentrale. Erreicht wird sie rechts oben am Desktop in der Menüleiste über ein neues Symbol oder auf Macs mit Trackpad mittels einer Zwei-Finger-Swipe-Geste vom rechten Rand des Trackpads. Die Funktionsweise ist von iOS bekannt. Hier gehen unter anderem Benachrichtigungen über neue Mails, Software-Updates, Kalendereinträge, Nachrichten und Erinnerungen ein.

Feinabstimmung

In den Einstellungen lässt sich exakt festsetzen, welche Apps Benachrichtigungen schicken dürfen und in welcher Form sie das tun können: nur als Banner, mit erweitertem Hinweis oder auch mit Ton. Auch Apps von Drittanbietern können sich bei entsprechender Unterstützung in dieser Zentrale melden. Klickt man auf eine Benachrichtigung, wird die entsprechende App geöffnet. Direkt aus der Zentrale können zudem Tweets abgesetzt werden (zur Twitter-Integration aber später noch mehr.)

Mitgedacht hat Apple für den Fall, dass man zwischendurch ungestört arbeiten möchte. Bei Bedarf können die Meldungen vorrübergehend abgeschaltet werden: Ein entsprechender Schalter erscheint am oberen Rand der Nachrichtenzentrale, wenn man mit zwei Fingern am Trackpad wischt. Zudem werden sie bei einer Präsentation über Keynote automatisch ausgeschaltet.

Ersatz für Growl

Die Benachrichtigungszentrale ist eine der wichtigsten Neuerungen unter OS X und dürfte bei vielen Usern Growl ersetzen. Diese kleine Erweiterung mit weitreichendem Support für Mac-Anwendungen hat bisher dafür gesorgt, dass keine Meldungen und Updates verpasst wurden. Unter OS X 10.8 wird sie überflüssig.

iMessage

Die bisherige Anwendung iChat wird durch die Nachrichten-App ersetzt, über die wie unter iOS iMessages verschickt werden können. Dabei handelt es sich um Apples SMS-Ersatz, mit dem Textnachrichten, Fotos und Videos zwischen iOS (ab Version 5) und Mac-Nutzern verschickt werden können.

Die Konversationen werden über alle Geräte mit der gleichen ID abgeglichen. So kann man einen Chat beispielsweise am iPhone beginnen und am Mac fortsetzen. Der Dienst erlaubt den Versand von Attachments mit zu 100 MB und bietet alle von iOS bekannten Funktionen wie Lesebestätigungen und Gruppenversand. Wie bisher unter iChat werden auch AIM, Yahoo, Google Talk und Jabber unterstützt.

Verbesserung ab iOS 6

Die Synchronisierung funktionierte im Test über alle Geräte hinweg grundsätzlich einwandfrei. Allerdings werden bei erstmaliger Einrichtung auf einem Gerät keine bestehenden Konversationen übernommen. Auch ist der Versand und Empfang am Mac nicht möglich, wenn iMessage auf dem iPhone die Telefonnummer anstatt der E-Mail-Adresse als primäre ID verwendet. Ab iOS 6 sollten derartige Verwirrungen jedoch der Vergangenheit angehören, da Apple-ID und Telefonnummer vereinheitlicht werden.

Notizen

Nahezu mit dem Look ihrer iOS-Pendants identisch sind die neuen Apps Erinnerungen und Notizen. Die Notiz-App ist selbsterklärend: Hier können schnell Notizen festgehalten werden. Im Vergleich zur iOS-App werden erweiterte Funktionen geboten. So können Fotos eingebettet werden und der Text lässt sich durch einen rechten Mausklick schneller formatieren. Eingefügte Fotos werden unter iOS allerdings nicht angezeigt, hier deutet nur ein Büroklammer-Symbol auf ein Attachment hin.

Eine praktische Funktion ist das Anpinnen einzelner Notizen an den Desktop, was auch mehrere Drittanbieter-Apps können. Durch einen Rechtsklick auf eine Notiz kann man diese in einem separaten Fenster öffnen, das auch aktiv bleibt, wenn die Hauptanwendung weggeklickt wird. Erst wenn man die App im Dock beendet, werden offene Notizen geschlossen.

Erinnerungen

Im Programm Erinnerungen lassen sich To-Do-Listen und Aufgaben anlegen. Wie am iPhone oder iPad können Erinnerungen für ein bestimmtes Datum gesetzt oder an einen Ort gebunden werden. So kann man sich beispielsweise im Büro, an der Uni oder zu Hause an verschiedene Dinge erinnern lassen. Im Test dauerte es aber oftmals sehr lange, bis die Position des MacBooks gefunden wurde, wenn die Ortungsfunktion zwischenzeitlich unterbrochen wurde (etwa durch eine U-Bahn-Fahrt).

Synchronisierungs-Wehen

Die Synchronisierung von Erinnerungen und Notizen erfolgt über die iCloud. Erinnerungen können zudem über CalDAV-Dienste wie Google Kalender abgeglichen werden. Im Test hakte die Synchronisierung jedoch etwas: Bereits am iPhone vorhandene Notizen und Erinnerungen wurden bei erstmaligem Starten der iCloud am Mac nicht angezeigt. Erst nachdem die Synchronisierung aus- und erneut eingeschaltet wurde, landeten auch ältere Notizen am Rechner. Wird die iCloud-Synchronisierung deaktiviert, werden alle über iCloud abgestimmten Erinnerungen und Notizen am Rechner gelöscht und stehen nur mehr auf den anderen Geräten zur Verfügung.

Sharing-Funktionen

Die Vernetzung mit anderen Geräten und Diensten zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Betriebssystem. So wurden die Sharing-Funktionen deutlich ausgebaut. Aus mehreren Mountain-Lion-Apps heraus ist es nun möglich Fotos, Videos, Links und Dokumente per E-Mail, als iMessage, über AirDrop (eine direkte WLAN-Verbindung zu einem Rechner in der Nähe), Twitter, Flickr oder Vimeo zu teilen.

Unterstützt werden die neuen Sharing-Funktionen von Safari, der Vorschau, Finder, Photo Booth, Notizen, QuickTime, QuickLook, der Document Library und iPhoto. Über ein API ermöglicht Apple auch Drittanbietern die Einbindung.

Twitter

Die tiefgreifende Integration von Twitter wurde schon unter iOS zuvor umgesetzt. Praktisch ist das schnelle Absenden von Tweets direkt aus der Nachrichtenzentrale heraus. Hier landen auch Mentions und Direct Messages. Ein Ersatz für einen Twitter-Client ist die Einbindung ins System aber nicht, da man keinen Zugriff auf die Timeline hat.

Der Account kann in den Systemeinstellungen unter "Mail, Kontakte und Kalender" eingerichtet werden. Zwecks besserer Auffindbarkeit würde sich hier eine Umbenennung dieser Option anbieten. Synchronisiert man die Twitter-Kontakte, erscheinen diese samt den Profilfotos der User in der Kontakte-Anwendung (vormals Adressbuch).

Facebook

Ab Herbst wird Facebook als weiterer Dienst integriert. Nach einmaliger Anmeldung kann das Netzwerk wie Twitter über die Benachrichtigungszentrale aktualisiert werden. Über das Share-Menü können Links aus Safari sowie Fotos aus der Vorschau, PhotoBooth und Quick Look auf Facebook geteilt werden. Die Funktion wird mit einem OS-X-Update ausgerollt, sobald iOS 6 verfügbar ist.

In iPhoto schon integriert

In iPhoto '11 ist das soziale Netzwerk schon länger integriert. Fotos können direkt aus der Anwendung als Profilbild oder auf die Pinnwand geladen werden. Zudem kann ein neues Album angelegt oder ein Bild in ein bestehendes übernommen werden. In der Mediathek erscheinen die Facebook-Fotos als eigener Bereich, sortiert nach erstellten Alben. Beim direkten Posten auf die Pinnwand kann man auch Text veröffentlichen. Beim Hochladen in ein Album wird man nicht mehr gefragt, ob man das Foto tatsächlich veröffentlichen will. Wählt man ein Album aus, landet es auch schon flugs im Web.

Problemfelder

Die tiefe Integration des Netzwerks lässt noch vor der Verfügbarkeit Problemfelder am Horizont aufscheinen. So ist vor kurzem das Problem bekannt geworden, dass die Facebook-E-Mail-Adressen bei einigen Nutzern automatisch alle Adressen in den iPhone-Adressbüchern ersetzt haben. Facebook sprach von einem Versehen. Allerdings nutzt dieses Eingeständnis wenig, wenn alle bisherigen Kontakte geändert wurden. Auch unter OS X können die Nutzerinformationen in der Kontakte-App durch Facebook ergänzt werden.

Safari

Etwas untergegangen in der medialen Berichterstattung sind die Änderungen an Safari, die durchaus weitreichend sind. So wurden wie unter Firefox und Chrome Adress- und Suchleiste zu einem einheitlichen Feld zusammengeführt. Gibt man hier einen Begriff ein, wird automatisch im Web, im Verlauf, den Bookmarks und auf der geöffneten Seite danach gesucht. Von Haus aus ist Google als Standardsuchmaschine eingestellt. Alle Eingaben werden zudem autovervollständigt.

Ebenfalls neu ist eine Tab View, die geöffnete Tabs in einer Cover-Flow-artigen Ansicht zeigt. Zu der Ansicht gelangt man am Trackpad, indem man zwei Finger zueinanderzieht. Durch eine Zwei-Finger-Wischgeste kann man zwischen den Tabs wechsel. Pinch-to-Zoom vergrößert den ausgewählten Tab wieder. Dadurch lässt sich Safari komfortabel mit Touchgesten bedienen.

iCloud-Integration

Neben den Sharing-Funktionen hat Safari auch das Feature iCloud Tabs erhalten. Damit werden geöffnete Tabs auf Macs, iPhone, iPad und iPod Touch synchronisiert. Allerdings werden die Tabs nicht automatisch geöffnet, sondern müssen über ein eigenes Fenster ausgewählt werden. Die Funktion wird unter iOS zudem erst ab Version 6 bereitgestellt. Schon zuvor gab es die Möglichkeit, Links über eine Leseliste für späteres Lesen zu speichern. Hier werden nun praktischerweise die gesamten Seiten gespeichert, um sie danach auch offline ohne aktive Internetverbindung lesen zu können.

Durch verbesserte Hardware-Beschleunigung mithilfe der GPU hat der Browser auch einen Performance-Schub erhalten. Im SunSpider JavaScript Benchmark Test konnte Safari 6 (192,4 ms) Chrome 20 (211,9 ms) und Firefox 14 (215,9 ms) auf einem MacBook Air mit 1,8 GHz Intel Core i5 und 8 GB RAM ausstechen.

Game Center

Eine weitere App, die den Sprung von iOS auf Mac geschafft hat, ist das Game Center. Nutzer können ihre Spieleerfolge und Highscores mit denen ihrer Freunde vergleichen und Multiplayer Games spielen. iOS- und Mac-Spiele werden im selben Spieler-Account angezeigt. Im Gegensatz zu iOS hat Apple das Game Center nicht um neue Funktionen erweitert. Damit das Game-Center-Netzwerk genutzt werden kann, muss die Funktion von Spielerherstellern aktiv unterstützt werden. Aktuell gibt es hier aber noch wenige Angebote. Ende Juli waren es erst sieben Titel.

Diktierfunktion

Einen Hauch von Siri versprüht die neue Diktierfunktion am Mac. Suchanfragen können damit nicht gestartet werden, allerdings kann man getippte Eingaben völlig durch Spracheingaben ersetzen. Die Funktion wird in allen Feldern unterstützt, in denen man Tippen kann (Passworteingabe ausgenommen). Die Funktion kann in den Einstellungen aktiviert und in jeder App im Menü unter "Bearbeiten" gestartet werden. Sehr praktisch ist, dass Drittanbieter-Apps von Haus aus unterstützt werden. Bei der Eingabe von Namen greift die Diktierfunktion auf Informationen aus der Kontakt-App zurück.

Kurze Ansagen, etwa für eine To-Do-Liste in den Notizen oder die Eingabe eines Suchbegriffs in Safari, funktionieren sehr gut. Hier kam es im Test kaum zu Fehlern. Mit langen Ansagen kommt die App schwerer zurecht. Und auch als Nutzer hat man keinen Überblick, da der gesprochene Text nicht direkt erscheint, sondern erst durch einen Mausklick auf das Mikrofon-Symbol bestätigt werden muss.

Bei den Sprachen werden aktuell Englisch, Deutsch, Französisch und Japanisch unterstützt. Um in einer anderen Sprache diktieren zu können, muss diese allerdings in den Einstellungen ändern.

Privatsphäre

Wie von der iOS-Sprachassistentin Siri schon bekannt, werden auch beim Mac-Diktat alle Texte von Apple aufgezeichnet und zur Konvertierung von Sprache in Text an Apple gesendet. Darüber werden Nutzer in den Einstellungen informiert. Das Unternehmen versichert, die Daten nicht mit persönlichen Daten aus anderen Apple-Diensten verknüpft werden. Deaktiviert man die Funktion, werden die Daten auch wieder von den Apple-Servern gelöscht.

Mail

Nur minimale Änderungen gibt es im E-Mail-Programm Mail. Mit der neuen VIP-Funktion können einzelne Kontakte als besonders wichtig markiert werden. Mails dieser Personen werden automatisch in eigenen Ordnern abgelegt, die durch einen Stern markiert werden. Einem Kontakt kann der VIP-Status zugeordnet werden, indem man bei der Mail-Adresse in einer Nachricht im Drop-down-Menü "Zu VIPs hinzufügen" wählt.

In den allgemeinen Mail-Einstellungen kann man zudem festlegen, dass man sich beispielsweise nur über neue VIP-Mails informieren lassen will, nicht aber über die restlichen Eingänge. Da ist vor allem dann praktisch, wenn man sehr viele Mails bekommt und nicht im Benachrichtigungsstakkato untergehen will. Gestrichen wurden aus Mail die Möglichkeit, RSS-Feeds anzuzeigen.

AirPlay

Was mit iPhone, iPad und iPod Touch schon möglich war, lässt sich nun auch mit einem Mac bewerkstelligen: Über AirPlay können die Inhalte des Rechners über Apple TV auf einem Fernseher wiedergegeben werden. Wie bei iPhone und Co müssen sich beide Geräte dafür im selben WLAN befinden. Die Geräte erkennen sich dabei automatisch, in der Menüzeile des Mac taucht das AirPlay-Symbol auf, sobald ein Apple TV im Netzwerk aufgespürt wird.

Allerdings werden nicht alle Macs unterstützt: Erst iMacs, Mac Minis, MacBook Airs und Pros von 2011 beherrschen AirPlay. Die Funktion konnte leider nicht getestet werden, da der Autorin kein Apple TV zur Verfügung stand.

System-Neuerungen

Auch tiefer im System hat Apple an ein paar Schrauben gedreht und Neuerungen eingeführt. Eine davon ist Gatekeeper. Mit dieser Schranke können Nutzer strenger kontrollieren, welche Apps auf ihrem Mac installiert werden dürfen, und somit potenzielle Schadprogramme aussperren. Optional kann das System ähnlich wie iOS abgeschottet werden.

In den Sicherheitseinstellungen können Nutzer entweder festsetzen, dass ausschließlich Apps aus dem Mac App Store installiert werden können, zusätzlich Anwendungen zertifizierter Entwickler erlauben oder die Installation aus allen Quellen zulassen. Als Standardeinstellung werden Programme vom Mac App Store und zertifizierten Entwicklern zugelassen.

Gatekeeper manuell umgehen

Gatekeeper lässt sich allerdings auch bei der höchsten Sicherheitseinstellung manuell umgehen, indem man mit gedrückter CTRL-Taste auf das App-Icon der heruntergeladenen Anwendung doppelklickt. So muss man Gatekeeper nicht ausschalten, wenn man Apps installieren will, die von nicht bei Apple registrierten Entwicklern stammen, bei denen man aber trotzdem sicher ist, dass es sich nicht um Schadsoftware handelt.

Mehr Sandboxing

Bei den allgemeinen Sicherheitsfunktionen wurde das Sandboxing für Anwendungen erweitert. So laufen auch neue Apps wie Notizen, Erinnerungen und Game Center in der abgesicherten Umgebung. Die Funktion schränkt ein, welche Aktionen Anwendungen auf einem System ausführen dürfen. So soll verhindert werden, dass schädlicher Code über die Programme ausgeführt wird.

Power Nap

Eine weitere Systemneuerung ist der neue Modus Power Nap für MacBooks mit Flash-Speicher. Schaltet man das Notebook in den Ruhezustand, können bei aktivierter Power-Nap-Funktion trotzdem Software-Updates und Time-Machine-Backups durchgeführt werden. Auch die iCloud-Synchronisierung und Benachrichtigungen etwa von Kalenderereignissen oder Erinnerungen bleiben aktiv. Unter iPhoto kann der Fotostream aktualisiert werden.

Diese Funktion ist besonders praktisch, wenn man das Gerät gerade nicht aktiv nutzt, den Ruhezustand jedoch nicht deaktivieren will, um Backups oder Aktualisierungen ausführen zu können. Allerdings werden nur MacBook-Air-Modelle ab Mitte 2011 und das MacBook Pro mit Retina-Display unterstützt. Der Laptop muss zudem an die Stromversorgung angeschlossen sein.

Time Machine

Eine kleine, aber praktische Neuerung bei Time Machine ist die Unterstützung für mehrere Backup-Medien. So kann man bei der Wahl einer neuen Backup-Disk in den Einstellungen festlegen, ob das alte Backup ersetzt werden soll, nur mehr auf die neue Festplatte archiviert werden soll oder beide (bzw. mehrere) aktiv genutzt werden sollen. Praktisch ist das etwa, wenn man sowohl im Büro als auch zu Hause Backups durchführen will.

Fazit

Mountain Lion bringt wie eingangs erwähnt keine bahnbrechenden Neuerungen. Beachtenswert ist eher die Summe neuer Funktionen und kleiner Verbesserungen. Die Vernetzung ist oberstes Prinzip der neuen Großkatze - sei es nun das engere Zusammenspiel von iOS-Geräten und Desktop-Rechnern oder die Integration in die Online-Welt durch erweiterte iCloud-Funktionen und Sharing-Tools.

iCloud in alle Bereiche der Mac- und iOS-Nutzung einzubinden hat ein klares Ziel: Die Hardware wird zunehmend von den Inhalten abgelöst und dient immer mehr nur als Zugangsmittel. Google beschreitet mit Entwicklungen wie Chrome OS und Google Drive einen ganz ähnlichen Weg. Wie Apple Dienste und Programme in seine Datenwolke einklinkt, ist jedoch kompliziert.

Bei einem Preis von 15,99 Euro muss man nicht lange überlegen, ob man seinen Mac auf Mountain Lion aktualisiert. Der zunehmende Fokus auf Online-Integration ist ein branchenweiter Trend. Wer ihn aus Datenschutzbedenken nicht mitmachen will, wird nicht gezwungen, vergibt sich dadurch aber auch viele Nutzungsmöglichkeiten. (Birgit Riegler, derStandard.at, 5.8.2012)

  • Über iCloud können Mac-User nun auch Dokumente synchronisieren und über kompatible Anwendungen hochladen und öffnen.
    screenshot: birgit riegler

    Über iCloud können Mac-User nun auch Dokumente synchronisieren und über kompatible Anwendungen hochladen und öffnen.

  • Ob eine Datei in der iCloud gespeichert ist, sieht man im Finder anhand eines kleinen Symbols.
    screenshot: birgit riegler

    Ob eine Datei in der iCloud gespeichert ist, sieht man im Finder anhand eines kleinen Symbols.

  • Beim Start eine Anwendung mit iCloud-Dokumenten-Integration sieht man eine Übersicht der in iCloud oder lokal gespeicherten Dateien.
    screenshot: birgit riegler

    Beim Start eine Anwendung mit iCloud-Dokumenten-Integration sieht man eine Übersicht der in iCloud oder lokal gespeicherten Dateien.

  • Wie unter iOS gibt es nun auch am Mac eine Mitteilungszentrale, aus der man auch Tweets absetzen kann.
    screenshot: birgit riegler

    Wie unter iOS gibt es nun auch am Mac eine Mitteilungszentrale, aus der man auch Tweets absetzen kann.

  • In den Einstellungen lässt sich festlegen, welche Apps Benachrichtigungen senden dürfen.
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    In den Einstellungen lässt sich festlegen, welche Apps Benachrichtigungen senden dürfen.

  • Apples SMS-Alternative iMessage ist fixer Bestandteil von OS X Mountain Lion.
    screenshot: birgit riegler

    Apples SMS-Alternative iMessage ist fixer Bestandteil von OS X Mountain Lion.

  • In der Desktop-Version von Notizen können Fotos eingebunden werden.
    screenshot: birgit riegler

    In der Desktop-Version von Notizen können Fotos eingebunden werden.

  • Aufgaben haben unter Mountain Lion eine eigene App erhalten.
    screenshot: birgit riegler

    Aufgaben haben unter Mountain Lion eine eigene App erhalten.

  • Eine weitere iOS-App unter Mountain Lion: das Game Center.
    screenshot: birgit riegler

    Eine weitere iOS-App unter Mountain Lion: das Game Center.

  • Überall, wo man unter Mountain Lion tippen kann, lässt sich auch die Diktierfunktion nutzen.
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    Überall, wo man unter Mountain Lion tippen kann, lässt sich auch die Diktierfunktion nutzen.

  • Die Einrichtung des Twitter-Accounts findet man in den Einstellungen unter "Mail, Kontakte und Kalender", ab Herbst wird dort auch Facebook zu finden sein.
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    Die Einrichtung des Twitter-Accounts findet man in den Einstellungen unter "Mail, Kontakte und Kalender", ab Herbst wird dort auch Facebook zu finden sein.

  • In der aktuellen iPhoto-Version ist Facebook schon integriert.
    screenshot: birgit riegler

    In der aktuellen iPhoto-Version ist Facebook schon integriert.

  • Safari hat eine neue Tab-Ansicht erhalten.
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    Safari hat eine neue Tab-Ansicht erhalten.

  • Neu in Mail: Kontakte als VIPs markieren.
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    Neu in Mail: Kontakte als VIPs markieren.

  • Das Adress- und Suchfeld wurden nun auch im Apple-Browser zusammengeführt.
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    Das Adress- und Suchfeld wurden nun auch im Apple-Browser zusammengeführt.

  • Im Sharing-Menü können Inhalte aus mehrere Mountain-Lion-Apps heraus geteilt werden.
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    Im Sharing-Menü können Inhalte aus mehrere Mountain-Lion-Apps heraus geteilt werden.

  • Gatekeeper soll potenziell gefährliche Apps vor den Toren des Macs halten.
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    Gatekeeper soll potenziell gefährliche Apps vor den Toren des Macs halten.

  • Durch höhere Sicherheitseinstellungen kann man bei Bedarf nur die Installation von Apps aus dem Mac App Store und von verifizierten Entwicklern erlauben.
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    Durch höhere Sicherheitseinstellungen kann man bei Bedarf nur die Installation von Apps aus dem Mac App Store und von verifizierten Entwicklern erlauben.

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