Weiter Konzentration im Einzelhandel

26. Juli 2012, 14:10
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Österreichs Einzelhandel ist im ersten Halbjahr wieder auf der Stelle getreten, im Gesamtjahr dürfte sich ein kleines Plus ausgehen

Wien - Österreichs Einzelhandel ist im ersten Halbjahr wieder auf der Stelle getreten. Der Umsatz schrumpfte real leicht um 0,1 Prozent, nach einem Rückgang von 1,7 Prozent im Jahr 2011. Nominell gab es in den ersten sechs Monaten ein Plus von 2,0 Prozent, auch die Zahl der Beschäftigten ist leicht gestiegen, sagte Handelsobfrau Bettina Lorentschitsch am Donnerstag. Im Gesamtjahr dürfte sich heuer inflationsbereinigt "ein kleines Plus" ausgehen, von krisenbedingter Sparneigung haben die Händler bisher nicht viel gespürt. Innerhalb der Geschäfte war die Entwicklung im ersten Halbjahr sehr heterogen. Der Strukturwandel - kleine Einzelhändler sterben weg, die Gesamtverkaufsfläche wächst - hat sich rasant fortgesetzt.

Im ersten Quartal 2012 sank die Zahl der Geschäfte erstmals unter 50.000, und zwar auf 48.400 nach 50.100 im Vorjahreszeitraum. "Die Dynamik hat sich verstärkt", sagte Spartengeschäftsführer Rene Tritscher bei einer Pressekonferenz. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 zählte Österreich noch 53.700 Läden, früher einmal gab es allein im Lebensmittelhandel mehr Geschäfte als jetzt im gesamten Einzelhandel, so Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria.

Konzentration steigt

Auf der anderen Seite nimmt die Konzentration "deutlich" zu. Im ersten Quartal 2012 wurden bereits 38 (37) Prozent aller Geschäfte von filialisierten Ketten betrieben. Der Filialalflächenanteil stieg um zwei Prozentpunkte auf 64 Prozent. Insgesamt ist die Verkaufsfläche der Einzelhandelsgeschäfte heuer um 1 Prozent auf 14,28 Mio. Quadratmeter gewachsen. Dies, weil Ketten nach wie vor in der Fläche expandieren und parallel neue Einkaufszentren eröffnet werden. Das durchschnittliche österreichische Geschäft hat mittlerweile eine Verkaufsfläche von 340 (320) Quadratmeter, der Umsatz pro Quadratmeter beträgt 4.220 Euro, um 50 Euro mehr als im Vorjahr.

Alle Einzelhändler zusammen erwirtschafteten in den ersten sechs Monaten 2012 einen Nettoumsatz von 25,1 Mrd. Euro, ein reales Minus von 0,1 Prozent. Im ersten Halbjahr 2011 hatten die Umsätze stagniert, im Vergleichszeitraum 2010 war sich noch ein Zuwachs von 0,9 Prozent ausgegangen. Für das restliche heurige Jahr ist Spartenobfrau Lorentschitsch recht zuversichtlich, hofft auf ein kleines Plus im Gesamtjahr. "Die Zahl der Pessimisten hat Gott sei Dank abgenommen", sagte sie. Nur mehr 7 Prozent der Händler blickten negativ in die Zukunft, nach 12 Prozent im Vorjahr. 22 Prozent der Einzelhändler seien optimistisch.

Profitieren will der Handel weiterhin von der nicht zuletzt krisenverschuldet sinkenden Sparneigung der Österreicher. Wobei die Konsumausgaben "leider" nicht alle in den Einzelhandel flössen, so Voithofer. Dies sei jedoch typisch für entwickelte Volkswirtschaften. Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt wendet nur mehr rund 12 Prozent seiner monatlichen Ausgaben (rund 3.000 Euro) für Lebensmittel auf.

Lebensmittelhandel lässt Federn

Apropos Lebensmittel: Der Lebensmittelhandel musste im ersten Halbjahr Federn lassen, der Umsatz schrumpfte real um 0,7 Prozent, nominell wuchsen die Erlöse um 2,3 Prozent. Größter Verlierer war der Buch- und Schreibwarenhandel (real -4,1 Prozent), gefolgt vom Schuhhandel (-3,0 Prozent) sowie Möbel- und Spielwarenhandel (-1,8 bzw. -1,9 Prozent). Am stärksten zugelegt haben Elektronik- und Computerhändler (+4,9 Prozent) sowie Drogerien und Parfümerien (+2,4 Prozent) und Sportgeschäfte (+1,6 Prozent). Eine starke Polarisierung gab es auch zwischen den einzelnen Geschäften: Mehr als jedes fünfte Geschäft (22 Prozent) musste nominelle Umsatzeinbußen von über 10 Prozent hinnehmen, 19 Prozent beklagten ein Minus von bis zu 10 Prozent. Auf der anderen Seite konnten 49 Prozent aller Geschäfte ihre Erlöse steigern, 10 Prozent hielten sie konstant.

Die Preise im Einzelhandel stiegen im ersten Halbjahr laut Berechnungen der KMU Forschung Austria um 2,1 Prozent; die Inflationsrate betrug in dem Zeitraum 2,4 Prozent, betonte Lorentschitsch. Die Zahl der Beschäftigten stieg leicht um 1,7 Prozent auf im Schnitt knapp 280.000 unselbstständig Beschäftigte (ohne Geringfügige). Auch die Zahl der geringfügig Beschäftigten legte zu, und zwar um 1,2 Prozent. Laut Lorentschitsch arbeiten 12 Prozent aller Handelsangestellten geringfügig, die Teilzeitbeschäftigungsquote betrage 44 Prozent. Puncto Herbstlohnrunde erwartet die Handelsobfrau einen "für beiden Seiten akzeptablen" Abschluss. Was Urlaube betrifft, wünscht sie sich "mehr Freiheit für Einzelvereinbarungen", sprich die Möglichkeit, sich Urlaube auszahlen zu lassen, wie sie sagte. (APA, 26.7.2012)

 

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