Der Meister in einer roten Gurke

26. Juli 2012, 13:55
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Das Auto von Fernando Alonso macht nicht den Unterschied aus, sondern er selbst

Budapest - Fünf Jahre lang schien Michael Schumacher unschlagbar. Bis Fernando Alonso kam. Mit seinem ersten Titel 2005 beendete der Spanier die Erfolgsära des Rekordchampions. Und weil Alonso diesen Triumph im Jahr darauf wiederholte und Schumacher schließlich zurücktrat, hält sich bis heute die Legende, dass es Alonso war, der Schumacher "in die Pension schickte". Schumi ist mittlerweile zurückgekehrt.

Sechs Jahre später schaut es so aus, als würde auch der zweite deutsche Weltmeister in "Alo" seinen Meister finden. Die Stärke des Asturiers gesteht Sebastian Vettel, im Red Bull Champion der vergangenen beiden Jahre, angesichts von 44 Punkten Rückstand nach der Hälfte der Saison uneingeschränkt ein: "Fernando ist der kompletteste Fahrer der Welt."

Vielleicht sieht das der Spanier, der an seinem 31. Geburtstag am Sonntag beim Großen Preis von Ungarn in Budapest den vierten Saisonsieg anstrebt, genauso. Obwohl Alonso die Formulierung "komplett" bescheiden umschreibt. "Wir sind nirgendwo die Besten, aber überall gut. Ich bin nicht der Stärkste in der Quali, nicht der Beste auf Stadtkursen und nicht der Schnellste im Regen. Aber ich versuche immer, das Beste aus dem Auto zu machen." Blickt man zurück auf die Testfahrten, so ist Alonsos Führung eine Sensation. Als "hässliche rote Gurke" war der neue Ferrari damals verspottet worden, bis zu 1,5 Sekunden pro Runde lag er hinter der Konkurrenz. Und noch nach seinem nie für möglich gehaltenen Sieg im zweiten Rennen in Malaysia konstatierte Alonso: "Im Trockenen sind wir chancenlos."

Es ist immer noch nicht das Auto, das die neue Stärke ausmacht

Beobachter sind sich sicher: Es ist immer noch nicht das Auto, das die neue Stärke ausmacht. Es ist Alonso. "Er macht immer das Maximale oder sogar noch ein bisschen mehr", sagt Sky-Experte Marc Surer: "Wenn man sieht, wo Felipe Massa rumfährt, dann weiß man, wie gut der Ferrari wirklich ist." Alonsos brasilianischer Teamkollege ist mit 23 Punkten, rund einem Siebtel der Zähler des Spaniers, 14. unter 24 Fahrern. "Der Vorsprung ist eine Vorentscheidung", sagt ORF-Experte Alexander Wurz. " Zumal Alonso im Augenblick in Überform ist und man ihm selbst an einem schlechten Tag kaum Punkte wegnehmen kann."

Alonso will noch nicht an eine Vorentscheidung glauben. Er mahnt: "Wir müssen Ausfälle vermeiden." Genau das war bisher sein großer Vorteil gegenüber Vettel, der 2012 zweimal ausschied. Mit 22 Rennen in Folge in den Punkterängen jagt Alonso einen der vielen Rekorde Schumachers (24), in den vergangenen drei GP holte er 68 von 75 möglichen Zählern. "Ich hoffe, dass er diese Form möglichst lange hält", sagt Teamchef Stefano Domenicali. "Im Idealfall bis Ende November. Ab 1. Dezember kann er dann tun und lassen, was er will." (sid, 26.7.2012)

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    Der Spanier Fernando Alonso wird am Sonntag 31 Jahre alt.

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