Too close to call

23. Juli 2012, 11:33
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Auf neun umkämpfte Staaten fokussiert sich der Wahlkampf von Obama wie Romney - Teil 1: Von den Stränden Miamis zu den Feldern Iowas

Florida: König der Swing States

Nicht erst seit dem umstrittenen Gerichtsentscheid bei der Wahl im Jahr 2000 zwischen George W. Bush und Albert Gore gilt der Sunshine State als König der US-Battleground-State. 29 Stimmen hält Florida im Wahlmännerkollegium, gleich viele wie New York, nur Kalifornien (55) und Texas (38) haben noch größeres Gewicht. Bei den vergangenen zehn Präsidentschaftswahlen siegten sieben Mal die Republikaner, drei Mal die Demokraten, zuletzt 2008. Außer 1992, als der Demokrat Bill Clinton Präsident wurde, in Florida aber dessen Konkurrent George Bush siegte, wählte Florida seit den Siebzigerjahren immer den künftigen Präsidenten. Der 19-Millionen-Einwohnerstaat im Südwesten der USA ist politisch tief gespalten. Der dicht besiedelte Südosten rund um die Metropole Miami wählte 2008 demokratisch, das Hinterland und der Norden republikanisch. Während der Republikaner John McCain in den meisten Umfragen Anfang 2008 die Nase vorn hatte, spielte die im Laufe des Wahljahres manifest werdende Immobilien- und Finanzkrise Barack Obama in die Hände. 2,8 Prozent betrug der Abstand auf den Republikaner schließlich am Wahltag - für den Battleground-State Florida ein Erdrutsch. 2012 sieht sich Obama mit einer spiegelverkehrten Situation konfrontiert: die schwächelnde Wirtschaft und eine Welle von Zwangsversteigerungen könnten ihm angelastet werden. Entschieden könnte die Wahl in Florida aber von den hispanischen Wählern werden: fast 20 Prozent der Bewohner Floridas sind spanischsprachig. Die Republikaner veranstalten Ende August in Tampa an Floridas Westküste ihre National Convention.

Colorado: Unstete Rocky Mountains

The winner takes it all: 2008 war der Sieg Obamas in dem Rocky Mountain-Staat Colorado eine der großen Überraschungen, die den Demokraten letztlich solide über die magische 270-Wahlmänner-Grenze marschieren ließen. 1,3 Millionen Coloradans stimmten für Obama, 1,1 Millionen für John McCain. Gemäß der Wahlordnung gingen alle neun Wahlmännerstimmen, die der 5 Millionen-Einwohnerstaat zu vergeben hat, an den Demokraten. Vier Jahre zuvor ist in dem viereckigen Staat im Zentrum der USA eine Initiative für das so genannte Amendment 36, das die Wahlmännerstimmen je nach Wahlergebnis proportional an die Kandidaten verteilt, an der Wahlurne gescheitert. Acht der zehn vergangenen Präsidentschaftswahlen konnten die Republikaner für sich entscheiden, einzig Bill Clinton und Obama störten die konservative Hegemonie. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die Szenerie aber verändert: seit 1960 hat sich die Bevölkerung beinahe verdoppelt, vor allem die boomende Region rund um Denver und der hohe Hispanics-Anteil lassen die Demokraten hoffen. Der liberale Gouverneur John Hickenlooper, ein Verfechter strenger Waffengesetze, zählt zu den populärsten Politikern im Staat, als Bürgermeister von Denver ließ er den Besitz von Marihuana zum Eigengebrauch entkriminalisieren.

Iowa: Obamas süße Erinnerung

Mit den Worten "Sie haben gesagt dieser Tag würde niemals kommen" eröffnete der damalige demokratische Kandidat Barack Obama am 3. Jänner 2008 seine viel umjubelte Rede in Des Moines, Iowa. Es war sein erster Sieg in einem Caucus, Obamas erster Schritt zur Nominierung. Weil Iowa mit seinen Caucuses ganz zu Beginn der Nominierungsrennen steht, kommt seinen Wählern traditionell überproportionale Bedeutung zu, auch 2008. Im November siegte Obama schließlich klar mit 54% gegen McCain (44%). Vier Jahre danach steht der Präsident in dem ländlich-katholisch geprägten Staat vor einer weit schwereren Aufgabe: Mitt Romney hat wochenlang in dem 3 Millionen-Einwohnerstaat im Mittelwesten Wahlkampf geführt, die präsidialen Umfragewerte sind hier niedriger als in den Nachbarstaaten. Seit 1988 hat der zuvor seit Bürgerkriegszeiten republikanisch dominierte Agrarstaat immer für die demokratischen Kandidaten gestimmt - mit Ausnahme von 2004, als George W. Bush bei seiner Wiederwahl auch in Iowa obsiegte. Sechs "Electoral Votes" entsendet Iowa in das Kollegium. (flon/derStandard.at, 26.7.2012)

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