Luft und Kokosfett im Vanilleeis

26. Juli 2012, 13:50
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Im Vanilleeis stecken immer öfter Pflanzenfett und Luft - Die Zutaten kommen in den seltensten Fällen aus Österreich

In Vanilleeis sind oft weniger Vanilleschoten enthalten als vermutet, dafür kommt immer häufiger Pflanzenfett statt Milchfett zum Einsatz. Manche Produkte werden mit jeder Menge Luft "aufgeblasen". Dies zeigt ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) in Kooperation mit der AMA-Marketing.

Untersucht wurden 22 verpackte sowie fünf offene Vanilleeisproben; letztere kamen von den Wiener Eissalons am Schwedenplatz (Familie Molin-Pradel), Tichy, Zanoni und Eis-Greissler (Familie Blochberger) sowie von McDonald‘s.

Eindeutige Kennzeichnung von Eisprodukten

Bei Vanilleeis dürften die meisten Konsumenten an Milch, Vanille und Zucker denken. Eine trügerische Vorstellung, denn statt Milchfett verwenden Unternehmen zunehmend Pflanzenfett, das in der Herstellung bedeutend billiger ist als Milchfett. "Der Clou ist: Wenn das Eis in Deutschland und nicht in Österreich hergestellt wird, muss es nicht als 'Pflanzenfetteis' in der Bezeichnung deklariert werden, und meist wird das Eis in Deutschland hergestellt", weiß VKI-Geschäftsführer Franz Floss.

Gleich, wo das Eis produziert wird, Martin Greßl, Leiter des AMA-Qualitätsmanagements, würde eine eindeutige Kennzeichnung von Eisprodukten begrüßen: "Auf jeden Fall sollte die Verwendung von pflanzlichen Fetten statt Milch klar und eindeutig und nicht nur im Kleingedruckten gekennzeichnet sein, damit sich die Konsumenten bei jedem Einkauf einer Eispackung bewusst dafür oder dagegen entscheiden können."

"Echtes" Vanilleeis

Für mehr Klarheit spricht sich auch Franz Floss hinsichtlich der Verwendung von Vanille beziehungsweise Vanillearomen aus. Vanilleeis darf sich so nennen, wenn als Zutat Bestandteile der Vanillepflanze verwendet wurden. "Steht auf einer Eispackung 'Eis mit Vanillegeschmack‘ heißt das, dass zumindest teilweise künstliches Aroma eingesetzt wurde", erklärt die Ernährungswissenschafterin Birgit Beck.

Da Vanille nach Safran das zweitteuerste Gewürz der Welt ist, gab es schon früh Versuche, sie im Labor nachzubauen. Bekanntestes Beispiel dafür ist das synthetische Vanillin, ein Nebenprodukt der Zellstoff- und Papierherstellung. Bei mehr als einem Drittel der getesteten verpackten Proben wurden extrahierte Vanilleschoten in den Zutatenlisten gefunden. Diese fallen bei der Herstellung von natürlichem Vanilleextrakt an, haben aber kaum noch Aroma. Gemahlen sorgen sie für schwarze Pünktchen im Eis und suggerieren die Verwendung hochwertiger Vanille, was im Übrigen auch für die beschönigenden Abbildungen auf den Verpackungen gilt. 

Überraschend war für die Tester auch, dass nicht wenige getestete Eisproben eine Reihe an Zusatzstoffen enthalten. Weiters weist beispielsweise das Vanilleeis von Botterbloom, Spar und S-Budget, eine wesentlich geringere Dichte auf. Konkret: In diesen Produkten steckt vergleichsweise viel Luft.

Konsumenten "wünschen sich" Pflanzenfett statt Milch

Zunehmend kommen in der Eisproduktion Pflanzenfette zum Einsatz, vor allem Kokosfett, das überwiegend aus Indonesien und von den Philippinen importiert wird. "Unter welchen ökologischen und sozialen Umständen Kokosfett als Rohstoff für die Eisherstellung produziert wird, welche Auswirkungen das langfristig auf die Umwelt hat, ist völlig offen", meint Martin Greßl. "Pflanzliche Fette, die um den halben Globus reisen, belasten nicht nur die CO2-Bilanz, sie stehen auch in direkter Konkurrenz mit heimischer Milch. Denn diese bringt auch eine weitreichende Wertschöpfung."

Als Begründung für die Verwendung von Pflanzenfett geben die Eis-Hersteller den im Vergleich zum Milchfett neutraleren Geschmack an, der eine neue Zielgruppe erschließen soll. Auch Kunden würden sich ausdrücklich Pflanzenfett im Eis wünschen. Pflanzenfett kostet allerdings auch nur ein Viertel dessen, was für Milchfett aufzubringen ist. Im Vanilleeis von Botterbloom, Clever, Eisstern, Eskimo, Grandessa, Jeden Tag, Mövenpick, Rios und S-Budget steckt laut VKI-Untersuchung kein reines Milcheis.

"Zumindest aus ernährungstechnischer Hinsicht hat Eis aus Pflanzenfett keine Vorteile", weiß VKI-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck. "Kokosfett ist so wie tierisches Fett reich an gesättigten Fettsäuren. Darüber hinaus zeigt der Test, dass ein Produkt mit Pflanzenfett nicht automatisch fettärmer ist." So zählt Vanilleeis der Marke Eisstern zum Beispiel mit 11,6 Gramm Fett pro 100 Gramm Vanilleeis zu den üppigsten Erzeugnissen im Test.

Meist nicht "Made in Austria"

Die Zutaten für das Eis kommen in den seltensten Fällen aus Österreich. Die Milch für industriell hergestelltes Vanilleeis stammt hauptsächlich aus Deutschland und den Niederlanden, der Zucker aus vielen europäischen Staaten, aber auch aus Südamerika.

"Echte Österreicher" sind nur zwei von 22 Eispackungen: Spar Premium und Spar Natur pur werden im Inland produziert und enthalten auch heimische Rohstoffe. Spar Premium trägt das AMA-Gütesiegel, Spar Natur pur das AMA-Biozeichen. Hier wird die Qualität der für Eis eingesetzten Milch im Rahmen des AMA-Gütesiegels streng geregelt und regelmäßig kontrolliert. Die Fast-Food-Kette McDonald's setzt ebenfalls auf Österreich - ebenso wie es in den Eissalons am Schwedenplatz und Tichy noch heimische Ware gibt.

Mikrobiologisch meist in Ordnung

In mikrobiologischer Hinsicht gibt es kaum etwas zu beanstanden: In keiner einzigen Probe wurden gesundheitsschädliche Keime wie Listerien oder Salmonellen gefunden. Zwei Produkte wiesen aber erhöhte Keimzahlen auf: Das Vanilleeis von Ja! Natürlich und jenes vom Eisgeschäft Schwedenplatz.

Testsieger bei den verpackten Produkten wurde das Bio-Vanilleeis von Dennree. Bei den offenen Produkten liegt das Vanilleeis von Tichy an erster Stelle. (red, derStandard.at, 26.7.2012)

Details zum Test gibt es auf www.konsument.at sowie in der Augustausgabe des Testmagazins KONSUMENT.

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    Ob verpackt oder offen: Vanilleeis ist oft nicht das, was es scheint.

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    Pflanzenfett im Milcheis bringt aus ernährungstechnischer Sicht für die Konsumenten keine Vorteile, für die Industrie dagegen sehr wohl: Es kostet nur ein Viertel des Milchfetts und unterliegt bislang keiner Pflicht zur Deklarierung.

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