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Auch der zweite Teil der "Paradies"-Trilogie von Ulrich Seidl startet bei einem A-Festival, dieses Mal in Venedig.
Rom - Der Film "Paradies: Glaube" des österreichischen Regisseurs Ulrich Seidl wird beim 69. Internationalen Filmfestival von Venedig (29. August bis 8. September) im Wettbewerb um den Goldenen Löwen starten.
Nach der Premiere von "Paradies: Liebe" bei den Filmfestspielen von Cannes erlebt damit auch der zweite Teil seiner "Paradies"-Trilogie bei einem A-Festival seine Uraufführung. Der Film mit Maria Hofstätter und Nabil Saleh in den Hauptrollen dreht sich um eine alleinstehende Frau, die ihren Urlaub damit verbringt, mit einer Wandermuttergottes-Statue von Haus zu Haus zu gehen.
Ein Überraschungsfilm
Insgesamt 18 Filme werden im Wettbewerb vertreten sein. Ulrich Seidl konkurriert dabei mit Schwergewichten wie Terrence Malick, Brian De Palma, Takeshi Kitano und Marco Bellocchio. 17 Titel teilte der Direktor des Filmfestivals, Alberto Barbera, bei einer Pressekonferenz in Rom am Donnerstag mit, ein Überraschungsfilm soll zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden.
Ein Jahr nach der Goldenen Palme in Cannes mit "The Tree of Life" stellt Malick seinen neuen Streifen "To the Wonder" vor, eine Liebesgeschichte mit Ben Affleck und Rachel McAdams in den Hauptrollen. De Palma geht mit der deutsch-französischen Produktion "Passion" ins Rennen; Paul Anderson, Noomi Rapace und Rachel McAdams übernahmen die Hauptrollen. Kitano stellt seinen Film "Outrage Beyond" vor, die Fortsetzung seines Streifens "Autoreiji" (2010).
Der italienische Regisseur Marco Bellocchio präsentiert den Film "La bella addormentata" (Dornröschen), der in Italien schon vor seiner offiziellen Vorstellung viel Polemik ausgelöst hat. Der Streifen kreist um die 2009 verstorbenen Wachkoma-Patientin Eluana Englaro, deren Schicksal Italien entzweit und eine heftige Debatte über das Sterberecht ausgelöst hatte. Der 71-jährige Bellocchio hatte vergangenen Jahr den Goldenen Löwen des Filmfestivals für sein Lebenswerk.
Olivier Assayas stellt in Venedig seinen Film "Apres Mai" vor. Weitere Regisseure im Rennen in der Hauptschiene sind Peter Brosens und Jessica Woodworth mit "La cinquieme Saison", der Italiener Daniele Ciprí mit "É stato il figlio", sowie der US-Regisseur Harmony Korine mit "Spring Breaker" und die Italienerin Francesca Comencini mit "Un giorno speciale".
Die Jury steht unter dem Vorsitz von US-Regisseur und Produzent Michael Mann. Zur Jury gehören auch die französische Schauspielerin Laetitia Casta, die französisch-schweizerische Filmregisseurin Ursula Meier, die Filmemacher Matteo Garrone, Ari Folman und Pablo Trapero sowie der Produzent Peter Ho-Sun Chan.
Eröffnung mit "The Reluctant Fundamentalist"
Große Namen sollen auch außerhalb der Konkurrenz dem Filmfestival Glanz verleihen. Robert Redford zeigt seinen Polit-Thriller "The Company You Keep". Darin treten auch Susan Sarandon, Julie Christie, Nick Nolte, Chris Cooper und Richard Jenkins auf. Redford, der zugleich Regie führt, spielt einen Anwalt, der von seiner Vergangenheit als Anhänger der radikalen Gruppe "Weather Underground" eingeholt wird. Er wird als Todesschütze beschuldigt und muss ein ehemaliges Mitglied finden, das seine Unschuld beweisen kann. Die Story beruht auf dem gleichnamigen Roman von Neil Gordon.
Die indische Regisseurin Mira Nair wird das Filmfestival mit dem politischen Thriller "The Reluctant Fundamentalist" nach einem Roman des Schriftstellers Mohsin Hamid am 29. August öffnen. Im Film übernehmen Kate Hudson, Kiefer Sutherland und Liev Schreiber die Hauptrollen. Der Streifen kreist um einen jungen Pakistaner, der nach dem Studium in Harvard nach New York zieht und eine Karriere an der Wall Street beginnt. Hier erlebt er einen tiefen Konflikt zwischen seinem amerikanischen Traum und seinen pakistanischen Wurzeln. Die Filmfestspiele werde am 8. September mit dem Film "L'homme qui rit" von Jean-Pierre Ameris mit Gerard Depardieu und Emmanuelle Seigner in den Hauptrollen beendet.
Restaurierungsprojekte
Die 69. Festivalausgabe soll schlanker als die Vorgänger werden. Innerhalb und außerhalb des Wettbewerbs wurde die Zahl der Filme reduziert, erklärte Barbera bei der Pressekonferenz. Zugleich wolle das Festival auf eine ausgewogene Mischung aus Starregisseuren und weniger bekannteren Talenten setzen. "Wir wollen auch Regisseure aus geografischen Gebieten ohne eine konsolidierte Filmtradition ins Rampenlicht stellen", so Barbera.
50 Premieren sind in Venedig geplant, darunter 15 Filme und neun Dokumentarfilme außerhalb des Wettbewerbs und 18 Filme in der Schiene "Orizzonti". Außerdem werden zehn restaurierte Filme gezeigt. Filme von drei Oscar-Preisträgern (Susanne Bier, Jonathan Demme und Robert Redford), sowie von drei Regisseuren, die den Goldenen Löwen gewonnen haben (Takeshi Kitano, Mira Nair und Tsai Ming-liang), werden in Venedig vorgestellt.
Der italienische Regisseur Francesco Rosi wird den Goldenen Löwe für seine Karriere erhalten. Rosi, der am 15. November 90 Jahre alt wird, nimmt den Preis am 31. August entgegen, teilten die Organisatoren des Festivals mit. An diesem Tag wird eine restaurierte Version von "Der Fall Mattei" (1972) gezeigt, die von der Film Foundation des Regisseurs Martin Scorsese restauriert wurde. "Ich bin glücklich, diesen prestigereichen Preis entgegenzunehmen, der vielen Regisseuren verliehen wurde, die ich bewundere und liebe", betonte Rosi.
"Paradies: Glaube" wird nicht der einzige Film mit Österreich-Bezug sein, der in Venedig gezeigt wird. Laut Austrian Film Commission (AFC) läuft in der Reihe "Venice Classics" der vom Österreichischen Filmmuseum aufwendig restaurierte US-Avantgardefilm-Klassiker "American Dreams" von James Benning (1984). Das vom Verfall bedrohte Originalmaterial konnte im Zuge eines digitalen Restaurierungsprojekts in Kooperation mit der Filmgalerie Krems wiederhergestellt werden. Der Film liege nun in einer neuen 35mm-Kopie sowie als DVD-Publikation des Filmmuseums vor, heißt es in einer Aussendung der AFC. (APA, 26.7.2012)
Die nominierten Wettbewerbsbeiträge:
- "Apres Mai (Something in the Air)" von Olivier Assayas (Frankreich)
- "At Any Price" von Ramin Bahrani (USA, Großbritanien)
- "Bella Addormentata" von Marco Bellocchio (Italien, Frankreich)
- "La cinquieme saison" von Peter Brosens und Jessica Woodworth (Belgien, Niederlande, Frankreich)
- "Lemale Et Ha'Chalal (Fill the Void)" von Rama Burshtein (Israel)
- "E stato il figlio" von Daniele Cipri (Italien, Frankreich)
- "Un giorno speciale" von Francesca Comencini (Italien)
- "Passion" von Brian De Palma (Frankreich, Deutschland)
- "Superstar" von Xavier Giannoli (Frankreich, Belgien)
- "Pieta" von Kim Ki-duk (Südkorea)
- "Outrage Beyond" von Takeshi Kitano (Japan)
- "Spring Breakers" von Harmony Korine (USA)
- "To the Wonder" von Terrence Malick (USA)
- "Sinapupunan(Thy Womb)" von Brillante Mendoza (Philippinen, Frankreich)
- "Linhas de Wellington" von Valeria Sarmiento (Portugal, Frankreich)
- "Paradies: Glaube (Paradise: Faith)" von Ulrich Seidl (Österreich, Frankreich, Deutschland)
- "Izmena(Betrayal)" von Kirill Serebrennikov (Russland)
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Die 69. Filmfestspiele in Venedig waren geprägt von religiösen Motiven und Glaubensfragen. Der Goldene Löwe ging an Kim Ki-duks "Pieta". Ulrich Seidl erhielt für "Paradies: Glaube" den Spezialpreis der Jury
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