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An manchen Tagen kann man sich als Österreicher für sein Heimatland nur schämen. Ich spreche nicht von diversen Fußball-Blamagen, sondern von Grundhaltungen der Menschen, die Österreich repräsentieren sollten.
Birnbachers umfangreiches Geständnis bringt ein weiteres Stück des Eisberges ans Tageslicht, wieder zeigt sich ein Puzzleteil der Korruption und Betrügerei.
Mittlerweile stecken FPÖ, BZÖ und die ÖVP in einem tiefen Sumpf aus Anschuldigungen und offensichtlichen Handlungsvorgängen, der selbst für einen billigen Hollywood-Film zu unrealistisch und extrem wären. Da werden Millionenbeträge für wenige Seiten starke "Gutachten" bezahlt, die ÖVP erhält 100.000 Euro, die gierige Kärnten-Fraktion der Rechten fordert 500.000 Euro, Honorare werden als Parteifinanzierung nach der "Drittellösung" (Birnbacher - ÖVP - FPK) aufgeteilt, und zu all den Angelegenheiten holt Martinz angeblich noch "Rat bei Dr. Strasser" ein, weil dieser "das entsprechende Know-how" hat.
Gute Nacht, Österreich! Mir persönlich graust derartig vor der unfassbaren Gier und dem schamlosen Handeln dieser Personen, egal aus welchem politischen Lager sie auch kommen mögen. "Die Drittellösung" hat das Potenzial, Österreichs Unwort des Jahres zu werden, denn selten gab es für derartig abstoßende Handlungen eine eigene Bezeichnung!
Rücktritts-"Kultur"
Mit der Aufdeckung dieser Altlasten der Republik ist es noch nicht genug, denn mindestens ebenso schlimm ist, wie die aktuellen Parteienvertreter mit diesen Tatsachen umgehen. Rücktrittskultur ist ein Begriff, der in den heimischen politischen Kreisen offensichtlich nicht bekannt ist. Vergangene Woche hat auch "Die Zeit" in Deutschland berichtet, da vergleichbare Zustände bei unseren Nachbarn schließlich undenkbar sind.
Nun gab es den Knalleffekt des Birnbacher-Geständnisses, und die Farce beginnt wieder von Neuem. Gewusst hat sowieso weder bei ÖVP noch BZÖ jemand etwas, bei der FPÖ ja schon gar nicht. Alles erstunken und erlogen, falsche Anschuldigungen und politisch motivierte Hetzjagden werden nun wieder verkündet - mit all diesen Ausreden winden sich höchste politische Vertreter der Parteien, anstatt Ehrlichkeit und Charakterstärke zu beweisen! Im Dienst für die Republik zu stehen, aber nichts für ebendiese zu leisten, ist eine Schande!
Den Staat aber auch noch derartig zu schädigen, ohne mit der Wimper zu zucken, ist auf menschlicher und charakterlicher Ebene zutiefst erbärmlich und abstoßend!
Bitte endlich einen Neuanfang
Österreich braucht einen harten Schnitt weg von Korruption und weg von Menschen, die nur für ihr eigenes Konto und ihre eigene Karriere arbeiten! Weg mit diesen gierigen, korrupten und charakterlosen Politikern, und weg mit all jenen, die sie noch immer zu decken versuchen! Weg mit bereits verurteilten Sesselklebern und weg mit all ihren nahestehenden Unterstützern!
Und aus mit den Seilschaften, so dass es endlich zu einem Neuanfang kommen kann!
Es braucht Menschen, die Handlungen für die Allgemeinheit setzen, die für die Republik arbeiten, und vor allem führende Politiker mit Charakter, auf die die ÖsterreicherInnen wieder stolz sein können! (Matthias Salvesberger, Leserkommentar, derStandard.at, 26.7.2012)
Matthias Salvesberger ist berufsbegleitender Student an der FH Wien.
"Es braucht Menschen, die Handlungen für die Allgemeinheit setzen, die für die Republik arbeiten, und vor allem führende Politiker mit Charakter, auf die die ÖsterreicherInnen wieder stolz sein können"
Es bleibt nur die Frage, wer in einem Beruf, mit einem derart schlechten Ruf, noch Karriere machen möchte. Sicherlich nicht die hellsten Köpfe, sondern eher die, die ohne Parteibuch überhaupt nicht lebensfähig sind.
Im Übrigen wäre durchaus es angebracht gewesen, in dem Kommentar die Wähler wenigstens ein kleines bisschen auf Ihre Verantwortung in dem ganzen Schlamassel hinzuweisen. Wer nach jedem aufgedeckten Skandal immer noch wählt, als ob nichts gewesen wäre, darf sich nicht wundern, dass es bleibt wie es ist.
"In der Privatwirtschaft kann man (legal) mehr verdienen."
Möglich,
aber jene, die in der Privatwirtschaft legal mehr verdienen, habe wohl in der Regel ein in jeder Hinsicht anderes Format als der weit überwiegende Teil unserer Abgeordneten (und -innen) und Regierungsmitglieder!
Und in der Privatwirtschaft sind abertausende mit höherer Qualifikation und Verantwortlichkeit beschäftigt, die weit weniger als die überbezahlten und für nichts wirklich verantwortlichen Angehörigen der Politikerkaste als Lohn für ihre Arbeit erhalten!
"In der Privatwirtschaft kann man (legal) mehr verdienen". Ich bezweifle, dass Herr Meischberger (meines Wissens nach gelernter Installateur) in der Privatwirtschaft mehr verdient hätte. Oder Herr Westenthaler, oder Zahntechniker Strache. Oder Herr Vilimsky. Oder Dörfler. Oder Rumpold.
"Es braucht Menschen, die Handlungen für die Allgemeinheit setzen, die für die Republik arbeiten, und vor allem führende Politiker mit Charakter, auf die die ÖsterreicherInnen wieder stolz sein können!"
Ja, die bräuchte es!
Hätten wir genug Menschen mit diesen Qualitäten in den diversen Etagen der Medien,
wären diese armseligen Figuren zwar auch noch nicht dort, wo sie eigentlich hingehörten,
aber in der Politik könnten die sich nicht mehr tummeln.
Aber die Massen-Medien überschlagen sich ja in Unschuldsvermutung und Pseudo-Ausgewogenheit.
Kein medialer Respekt mehr für diese Figuren, und bald sind sie weg! Das halten sie nämlich nicht aus.
ABER: Woher kommen die aufrichtigen, ehrlichen, uneigennützigen Politiker neuer Prägung, die an die Stelle vieler heutiger Politiker treten sollen?
Das ist wohl die große Frage. Der Beruf des Politikers hat heute keine Anziehungskraft mehr auf geeignete Persönlichkeiten.
In der Privatwirtschaft kann man (legal) mehr verdienen. Der Politiker-Job ist extrem anstrengend. Und im Gegensatz zu früher hat der Beruf mittlerweile auch noch ein extrem schlechtes Image.
Also: Wer soll sich das antun?? Das ist die Frage ...
Daher:
Politikergehälter an entsprechende Positionen in der Privatwirtschaft angleichen, aber gleichzeitig:
+ umfassende Kontrollmöglichkeiten durch den Rechnungshof
+ bei Fehlverhalten umfassende Sanktionsmöglichkeit
+ Änderung des Parteienfinazierungsgesetzes
+ echte Transparenz
+ Stärkung des Parlaments - Stichwort "unabhängige Nationalräte"
+ Postenvergabe im öffentlichen Sektor unabhängig und transparent nach objektiven Kriterien.
+ und zuguterletzt: unabhängige Hearings und Auswahlkriterien für die Besetzung von hochrangigen Poilitkjobs. (Ich weiß, das ist in der Realtität fast nicht machbar.)
Ächtung ist das Gegenteil von Achtung. Achtung verlieren Menschen, wenn sie jenseits von Angemessenheit Bereicherungen anstreben, obwohl sie für ihre Arbeitsleistung ohnehin ein "anständiges" Gehalt beziehen.
Zu erwarten, dass von Ämtern zurückgetreten wird, ist naiv. Fehlen doch Anstand und damit jegliches Motiv ehrlich und korrekt zu handeln. Seit Hessel sprechen wir von "Empörung". Empörung schreit nach Rücktritt. Rücktritt wird nicht gehört, weil das Sinnesorgan Gewissen defekt ist.
Ächtung soll klar ausgesprochen werden. Mutig bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit jenes Verhalten zu ächten - darauf kommt es an. Nur so wird Kulturwandel möglich. Dafür engagiere ich mich und ich werbe dafür, dass ihr das auch tut.
erinnert mich ein bisl an meine aufsätze in deutsch während meiner mittelschulzeit; wohlwollend könnte man diesen kommentar als idealistisch bezeichnen, ich neige eher dazu, ihn als naiv zu benennen; die wesentlichen und herausragenden motive der heutigen gesellschaft sind gier und angst; wieso sollten gerade politiker davor gefeit sein? wer tut sich denn heute diesen job zu den jetzigen bedingungen noch an? und niemals käme ich auf die idee mich für die fehlleistungen eines anderen zu schämen, genauso wenig wie ich auf die leistung eines anderen stolz sein könnte, natürlich auch nicht, wenn wir zufällig die gleiche staatsbürgerschaaft besitzen.
Danke für Ihr Feedback, ich versprechen Ihnen aber, dass der Text nicht aus Naivität entsprungen ist. Selbstverständlich handelt es sich um Forderungen, die schwer bis garnicht umsetzbar sind.
Sie haben völlig recht, wer soll sich das Antun? Kein Ansehen und im Vergleich zur Privatwirtschaft auch kein finanzieller Vorteil - trotzdem ist es wichtig, solche Forderungen ab und zu klarzustellen, damit sie nicht ganz verhallen...
LG Matthias Salvesberger
ich glaube ihnen, dass sie ihren text als nicht naiv empfinden und ja, man soll sogar utopien formulieren, um klar zu stellen, in welche richtung sich die gesellschaft entwickeln sollte; aber glauben sie, dass ihrer forderung nach einem harten schnitt (danach wären sowohl parlament wie auch landtage und andere leergefegt) plötzlich eine nach ihrer und meiner vorstellung entsprechende politiker die freien plätze einnehmen werden; ich meine, dafür brauchts eine grundsätzliche änderung, die von anderen usern weiter unten bereits angesprochen wurden.
Das glaube ich selbstverständlich nicht - DAS wäre dann nämlich naiv, finde ich.
Es wird immer schwarze Schafe geben und es muss auch das System verbessert werden, damit solche Vorkomnisse nichtmehr so einfach "passieren" können, ich danke da an stärkere Kontrollorgane.
Aber selbstverständlich, und ich habe auch zahlreichen Postings zugestimmt, ist das nur ein Idealbild, eine Wunschrichtung, die bedingt durch den Faktor Mensch und das bestehende System nicht erreichbar ist.
Liebe Grüße, Matthias
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