Gute Nacht, Österreich!

Leserkommentar26. Juli 2012, 11:55
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"Die Drittellösung" hat das Potenzial, Österreichs Unwort des Jahres zu werden

An manchen Tagen kann man sich als Österreicher für sein Heimatland nur schämen. Ich spreche nicht von diversen Fußball-Blamagen, sondern von Grundhaltungen der Menschen, die Österreich repräsentieren sollten.

Birnbachers umfangreiches Geständnis bringt ein weiteres Stück des Eisberges ans Tageslicht, wieder zeigt sich ein Puzzleteil der Korruption und Betrügerei.

Mittlerweile stecken FPÖ, BZÖ und die ÖVP in einem tiefen Sumpf aus Anschuldigungen und offensichtlichen Handlungsvorgängen, der selbst für einen billigen Hollywood-Film zu unrealistisch und extrem wären. Da werden Millionenbeträge für wenige Seiten starke "Gutachten" bezahlt, die ÖVP erhält 100.000 Euro, die gierige Kärnten-Fraktion der Rechten fordert 500.000 Euro, Honorare werden als Parteifinanzierung nach der "Drittellösung" (Birnbacher - ÖVP - FPK) aufgeteilt, und zu all den Angelegenheiten holt Martinz angeblich noch "Rat bei Dr. Strasser" ein, weil dieser "das entsprechende Know-how" hat.

Gute Nacht, Österreich! Mir persönlich graust derartig vor der unfassbaren Gier und dem schamlosen Handeln dieser Personen, egal aus welchem politischen Lager sie auch kommen mögen. "Die Drittellösung" hat das Potenzial, Österreichs Unwort des Jahres zu werden, denn selten gab es für derartig abstoßende Handlungen eine eigene Bezeichnung!

Rücktritts-"Kultur"

Mit der Aufdeckung dieser Altlasten der Republik ist es noch nicht genug, denn mindestens ebenso schlimm ist, wie die aktuellen Parteienvertreter mit diesen Tatsachen umgehen. Rücktrittskultur ist ein Begriff, der in den heimischen politischen Kreisen offensichtlich nicht bekannt ist. Vergangene Woche hat auch "Die Zeit" in Deutschland berichtet, da vergleichbare Zustände bei unseren Nachbarn schließlich undenkbar sind.

Nun gab es den Knalleffekt des Birnbacher-Geständnisses, und die Farce beginnt wieder von Neuem. Gewusst hat sowieso weder bei ÖVP noch BZÖ jemand etwas, bei der FPÖ ja schon gar nicht. Alles erstunken und erlogen, falsche Anschuldigungen und politisch motivierte Hetzjagden werden nun wieder verkündet - mit all diesen Ausreden winden sich höchste politische Vertreter der Parteien, anstatt Ehrlichkeit und Charakterstärke zu beweisen! Im Dienst für die Republik zu stehen, aber nichts für ebendiese zu leisten, ist eine Schande!

Den Staat aber auch noch derartig zu schädigen, ohne mit der Wimper zu zucken, ist auf menschlicher und charakterlicher Ebene zutiefst erbärmlich und abstoßend!

Bitte endlich einen Neuanfang

Österreich braucht einen harten Schnitt weg von Korruption und weg von Menschen, die nur für ihr eigenes Konto und ihre eigene Karriere arbeiten! Weg mit diesen gierigen, korrupten und charakterlosen Politikern, und weg mit all jenen, die sie noch immer zu decken versuchen! Weg mit bereits verurteilten Sesselklebern und weg mit all ihren nahestehenden Unterstützern!

Und aus mit den Seilschaften, so dass es endlich zu einem Neuanfang kommen kann!

Es braucht Menschen, die Handlungen für die Allgemeinheit setzen, die für die Republik arbeiten, und vor allem führende Politiker mit Charakter, auf die die ÖsterreicherInnen wieder stolz sein können! (Matthias Salvesberger, Leserkommentar, derStandard.at, 26.7.2012)

Matthias Salvesberger ist berufsbegleitender Student an der FH Wien.

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