Visa mit Milliardenverlust

26. Juli 2012, 10:15
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Ein teurer Rechtsstreit drückt die erfolgsverwöhnte Kreditkartenfirma tief in die roten Zahlen, das eigentliche Geschäft läuft aber gut

San Francisco - Ein milliardenschwerer Vergleich wegen strittiger Kreditkarten-Gebühren hat ein tiefes Loch bei Visa gerissen. Im dritten Geschäftsquartal von April bis Juni schrieb der Branchenprimus einen Verlust von unterm Strich 1,8 Mrd. Dollar (1,48 Mrd. Euro), wie das US-Unternehmen am Mittwoch bekanntgab. Im Vorjahreszeitraum hatte Visa einen Gewinn von 1,0 Mrd. Dollar erwirtschaftet.

US-Einzelhändler hatten nach einem jahrelangen Rechtsstreit einen Vergleich über 7,25 Mrd. Dollar mit Visa, Mastercard und mehreren Banken geschlossen. Dabei ging es um Gebühren für den Einsatz von Kreditkarten, die nach Meinung der Händler zu hoch angesetzt waren. Nun soll eine Entschädigung fließen. Visa nahm mit 4,1 Mrd. Dollar im abgelaufenen Quartal die größte Bürde auf sich.

Das eigentliche Geschäft sei rund gelaufen, versicherte Konzernchef Joseph Saunders. Er rechnete vor, dass Visa ohne die Belastung und einen damit verbundenen Steuervorteil 1,1 Mrd. Dollar verdient hätte und damit mehr als vor einem Jahr. Grund ist die anhaltende Kauffreude der Visa-Nutzer. Das Unternehmen wickelte für seine Kunden Zahlungen über 979 Mrd. Dollar ab - ein Plus von 6 Prozent. Vor allem der Einkauf über die Grenzen hinweg florierte.

Gebühren

Wenn Kunden bei einem Händler mit Karte zahlen, fließt ein kleiner Teil des Kaufbetrages in die Taschen der Kreditkarten-Firmen. Die US-Händler hatten den Kreditkarten-Anbietern vorgeworfen, diese Gebühren im Zusammenspiel mit Banken in die Höhe getrieben zu haben. Im Rahmen des Vergleichs sollen 6,05 Mrd. Dollar zurückfließen. Überdies sollen die Gebühren für einen bestimmten Zeitraum reduziert werden, was nach Berechnungen der Klägeranwälte weitere 1,2 Mrd. Dollar an Entlastungen bringt.

Von den Zahlungen würden 7 Millionen Einzelhändler profitieren, allerdings regt sich Widerstand gegen den Vergleich. Einige Händler sagen, letztlich würde die Macht der Kreditkarten-Firmen damit zementiert. Auch die US-Regierung und die EU-Kommission waren in der Vergangenheit bereits gegen Kreditkarten-Firmen und deren Gebühren vorgegangen.

Visa und Mastercard sind Dienstleister, die nur die Zahlungsabwicklung übernehmen, aber nicht selbst Kredit geben. Das überlassen sie ihren Partnern, den Banken. Im Gegensatz dazu gibt American Express auch den eigentlichen Kredit. Alle drei Branchenriesen berichteten bis zuletzt über gut laufende Geschäfte. Selbst nach dem Milliardenverlust stieg die Aktie von Visa nachbörslich leicht. Das Unternehmen umgarnte seine Anteilseigner mit einem neuen, 1 Milliarde Dollar schweren Aktienrückkauf. (APA, 26.7.2012)

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