Jordanien richtet Zeltlager für 130.000 Flüchtlinge ein

25. Juli 2012, 18:34
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Massenflucht in Nachbarländer: Schon mehr als 120.000 registrierte Flüchtlinge in Jordanien, Libanon, Türkei und Irak

Damaskus/Istanbul/Beirut/Moskau - In Syrien droht eine humanitäre Katastrophe. Immer mehr Menschen fliehen vor blutigen Gefechten. Allein in Jordanien soll ein Zeltlager für 130.000 Flüchtlinge entstehen. Regierungstruppen zwingen die Rebellen mit Kampfhubschraubern und Panzern in den zwei größten Metropolen Damaskus und Aleppo zum Rückzug. Beobachter fürchten einen langen blutigen Bürgerkrieg. Russland hat Syrien mit Nachdruck vor dem Einsatz von Chemiewaffen gewarnt. Damaskus müsse sich strikt an das Genfer Protokoll von 1925 halten, das den Einsatz von Giftgas und ähnlichen Kampfstoffen verbietet, sagte Vizeaußenminister Michail Bogdanow am Mittwoch bei einem Treffen mit dem syrischen Botschafter in Moskau.

Wegen der eskalierenden Gewalt schloss die Türkei weitgehend ihre Grenze zu Syrien für den Personen- und Güterverkehr. Nur in Ausnahmefällen sei die Überquerung für bestimmte Personengruppen möglich, sagte der türkische Zoll- und Handelsminister Hayati Yazici. Als Grund nannte er Sicherheitsprobleme und heftiger werdende Kämpfe in Syrien. Für Flüchtlinge seien die Grenzen nach wie vor offen.

Dunkelziffer

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern steigt dramatisch. Mehr als 120.000 sind laut Angaben des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) in Jordanien, im Libanon, in der Türkei und im Irak registriert. Zusätzlich gebe es eine große Dunkelziffer von nicht registrierten Flüchtlingen. Viele seien auf humanitäre Hilfe und Spenden angewiesen. Drei Viertel von ihnen seien Frauen und Kinder.

Syriens Nachbarland Jordanien, wo sich derzeit täglich 1.000 Syrer in Sicherheit bringen, richtet eine Zeltstadt für 130.000 Bewohner in der Nähe der Grenzstadt Mafrak ein. Die ersten Unterkünfte für 10.000 Menschen sollen am kommenden Montag zur Verfügung stehen.

In Syrien gehen die Gefechte unvermindert weiter. Ein Schwerpunkt ist Aleppo, dessen Altstadt zum Weltkulturerbe gehört. Mindestens 2.000 syrische Soldaten wurden nach Rebellenangaben nach Aleppo in Marsch gesetzt. 500 von ihnen seien dafür aus der nördlichen Unruheprovinz Idlib abgezogen worden. In Damaskus beschossen Kampfhubschrauber das südliche Viertel Al-Hajar al-Aswad, wie Aktivisten berichteten. Allein am Dienstag kamen bei Kämpfen und Razzien der Regierungstruppen landesweit mehr als 160 Menschen ums Leben, teilte die syrische Menschenrechtsbeobachtungsstelle in London mit.

Der libanesische Präsident Michel Sleimane hat sich erstmals öffentlich gegen andauernde Grenzverletzungen von syrischer Seite gewandt und Außenminister Adnan Mansour zu einem diplomatischen Protest veranlasst. Der syrische Botschafter Ali Abdel Karim Ali wies die Vorwürfe Sleimanes umgehend zurück und erklärte in einer der Beiruter Tageszeitung "As-Safir" übermittelten Stellungnahme, dass es "eher Syrien zustehen würde, zu protestieren", weil es "Märtyrer" zu beklagen habe, die von libanesischem Territorium aus erschossen worden seien. Einige junge libanesische Sunniten haben sich syrischen Rebellen angeschlossen, um in den Reihen der "Freien Syrischen Armee" gegen das Regime von Präsident Bashar al-Assad zu kämpfen. (APA, 25.7.2012)

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    Flüchtlinge an der Grenze zum Irak.

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