Aufsicht hinterfragt Stepics Fitness

25. Juli 2012, 18:29
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Raiffeisenbank-International-Chef Herbert Stepic soll der Finanzmarktaufsicht zu einem pri­vaten Kreditgeschäft mit der Hypo Alpe Adria Auskunft geben

Wien - Die verstaatlichte Hypo Alpe Adria schlägt sich seit etlichen Monaten mit der Restrukturierung (also: der Rettung) eines ganz besonders delikaten und notleidend gewordenen Kredits herum. Es geht um rund 23 Mio. Euro für den Ankauf einer flughafennahen Immobilie im serbischen Belgrad. Mit der laut "Credit Report" der Hypo Alpe Adria von März 2011 auch der Chef der Raiffeisenbank International (RBI), Herbert Stepic, zu tun hat. Er steht laut Hypo-Aktenvermerk von 5. April 2006 mit einer der insgesamt vier Kreditnehmerinnen, nämlich der Enthusa Ltd. mit Sitz in Zypern, in Zusammenhang.

Warum Stepic als Chef der Raiffeisenbank mit der Kärntner Hypo Alpe Adria Geschäfte gemacht hat (wenn er das gemacht hat), beschäftigt aber nicht nur die Staatsbank, die jetzt dabei ist, ihre Sicherheiten zu verwerten (und wegen des Bankgeheimnisses nichts zur Sache sagt). Ausgelöst durch einen Bericht des Profil im Vorjahr interessiert sich nun auch die Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA für die Sache, wie der Falter diese Woche berichtet.

Kein Kommentar

Die FMA möchte von Stepic - er selbst gibt auf Standard-Anfrage seit Monaten keinen Kommentar zur Sache - sinngemäß erfahren, wie es kommt, dass der hochbezahlte Chef einer Bank einen Kredit bei der Konkurrenz aufnimmt. Das ist bei Bankern seines Kalibers an sich schon unüblich, nicht zuletzt, weil Interessenkonflikte daraus entstehen können. Dass der Kredit auch nicht bedient wird und über etliche Offshore-Gesellschaften gelaufen ist, dürfte die Bankaufseher noch neugieriger gemacht haben.

Sie wollen nun anhand Stepics Erklärung herausfinden, ob der Bankchef so gehandelt hat, dass er nach wie vor als "fit and proper" gilt (das ist eine Voraussetzung für Bankmanager). Seine bisherigen Erklärungen sollen nicht erschöpfend ausgefallen sein, ist aus Bankkreisen zu hören. Dem Vernehmen nach wartet man daher auf weitere Erläuterungen.

Gegenüber Profil hatte Stepic erklärt, dass sein Name wohl irrtümlich in den Report der Hypo gelangt sei. Aus der Dokumentation der Bank erschließt sich, dass ein etwaiger Irrtum jedenfalls sehr ausgeprägt gewesen wäre.

Steuerparadies

Aus dem "Aktenvermerk" von Albert Modritsch aus der Hypo Leasing Holding im April 2006: "Die Konstruktion und die beteiligten Personen sind im Antrag für die Finanzierung der Enthusa Ltd, genau festgehalten. Sämtliche dahinterstehenden Offshore-Firmen bestehen aus den vier Personen Herr Dr. Herbert Stepic, Herr Mag. Martin Schwedler / Vorstand Raiffeisen-Investment AG (heute arbeitet er für Raiffeisen in Moskau, Anm.), (...) Oliver Takacs / HSBC London und Herr Dr. Harald Hild." Es gehe um den Ankauf von Liegenschaften, der über die serbische Gesellschaften Catland und EKI Investment erfolge, hinter der Ex-Manager von Deloitte & Touche in Serbien bzw. Central Europe stünden.

Aus dem Credit-Report von 2011 geht dann hervor, dass die Investoren die Immobilie nicht wie gewünscht entwickeln konnten, aber auch keinen Verkauf schafften. Sie hätten um Verlängerung des Kredits (23 Mio. Euro) bis Ende 2012 gebeten. Und die Kreditnehmer seien in Endverhandlungen mit Martin Schlaff, der eine Mio. Euro finanzieren werde. Eine Darstellung, die Schlaffs Sprecher schon 2011 nicht bestätigt hat.

Irrtum oder nicht

Ob Irrtum oder nicht - auch in den Rettungsplänen der Hypo-Banker aus dem Jahr 2011 findet sich Stepic wieder. Darin heißt es: "Enthusa Ltd. soll Immobilien-Investments machen (...) Enthusa gehört zu je 50 Prozent der EKI Properties und der Forcetech Ltd. in Zypern." Die Gesellschafter dieser Forcetech Ltd. wiederum seien Takacs (16,6 Prozent), Rogera Ltd. (16,7 Prozent), die Restem-Stiftung in Liechtenstein (50 Prozent) und die Wiener Tiburon-Privatstiftung (17,7 Prozent). Ihr Stifter ist laut elektronischem Firmenregister Compnet Harald Hild. Die zypriotische Rogera wird laut den Hypo-Dokumenten von Schwedler kontrolliert - und die liechtensteinische Restem-Stiftung von Herbert Stepic.

Was die Rettung des Kredits betrifft, schlugen die Banker die Verlängerung des Kredits und Einschüsse des Kreditnehmers vor. Und sie gingen interessanterweise anhand eines Gutachtens von Colliers davon aus, dass der Marktwert der Immobilien 62,5 Mio. Euro betrage - ein Verkauf also selbst "bei einem Haircut von 50 Prozent" den kreditfinanzierten Kaufpreis wieder hereinspielen würde.

Neben dieser Restrukturierung schlugen die Hypo-Banker die Befassung der CSI Hypo mit der Causa vor. (Renate Graber, DER STANDARD; 26.7.2012)

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    Will zum Hypo- Kreditfall Enthusa keinen Kommentar abgeben: RBI-Chef Herbert Stepic

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