Hilfen für Frankreichs Autoindustrie: Subventionen im Ökokleid

Kommentar25. Juli 2012, 18:21
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Frankreichs Umwelt-Boni sind bloß Mittel zum - industriellen - Zweck

Frankreich legt wieder einmal einen Strategieplan für die notleidende Autoindustrie auf. Doch er findet seine Grenzen an den Wettbewerbsauflagen der EU. Zollbarrieren oder Staatshilfen, wie sie Industrieminister Arnaud Montebourg vorschwebten, werden nicht mehr toleriert. Als Ausweg unterstützt der findige Globalisierungsgegner schadstoffarme Autos - und das sind in Frankreich zum großen Teil französische Autos: Renault investiert massiv in Elektroautos, PSA Peugeot Citroën in Hybridmotoren, und beide zusammen sind im CO2-schwachen Kleinwagen-Sektor stark. Montebourg tut dabei gar nicht erst so, als ob es sich um einen Ökoplan handle: Seine Umwelt-Boni sind bloß Mittel zum - industriellen - Zweck.

So genial dieser Ansatz scheint, er hat eine entscheidende Schwäche: Er ignoriert das Kernproblem der französischen Autohersteller, ihre fehlende Wettbewerbsfähigkeit. Solange die Lohnstückkosten doppelt so hoch sind wie in Schwellenländern, werden Peugeot, Citroën und Renault weitere Fabriken und Arbeitsplätze verlagern. Daran könnte die Regierung in Paris nur etwas ändern, wenn sie die - in Frankreich vergleichsweise hohen - Unternehmenssteuern und -abgaben senkt. Oder Anreize schafft, damit es die französischen Marken den deutschen gleichtun: auf Qualitäts- und Oberklassemodelle setzen. Montebourg verzichtet auf beide Möglichkeiten. Das ist nicht kongenial, sondern kurzsichtig für die französischen Autoarbeiter. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 26.7.2012)

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