Josef Winkler: "Dörfler hat immer gekuscht"

Interview |
  • Josef Winkler: "Dörfler hat immer gekuscht."
    foto: standard/hendrich

    Josef Winkler: "Dörfler hat immer gekuscht."

Der Kärntner Schriftsteller ist zwar unsicher, ob nach den Geständnissen zur Parteienfinanzierung Neuwahlen kommen, glaubt aber an starke Verluste der FPK

Der Kärntner Schriftsteller Josef Winkler hat vor kurzem die Kärntner zum "zivilen Ungehorsam" aufgerufen. Im Gespräch mit derStandard.at nimmt er zum zweiten Geständnis von Hypo-Gutachter Dietrich Birnbacher Stellung und glaubt, dass die FPK bei einer Neuwahl deutliche Verluste hinnehmen müsste.

derStandard.at: Was sagen Sie zum zweiten Birnbacher-Geständnis?

Winkler: Vor drei Jahren habe ich über Haider gesagt: Er hat sich mit seiner Asche aus dem Staub gemacht. Das war damals vielleicht pietätlos, wie ich selbst eingeräumt habe. Spätestens jetzt weiß man aber, was er diesem Land politisch und wirtschaftlich angetan hat.

derStandard.at: Laut Birnbacher hat die FPK auch nach dem Tod Haiders noch 500.000 Euro gefordert.

Winkler: Wenn das wirklich stimmen sollte, ist es eine Unverschämtheit sondergleichen. Das passt ganz gut zu dem, wofür der Herr Scheuch schon vor Gericht gestanden ist.

derStandard.at: Scheuch hat die Vorwürfe zurückgewiesen, Dörfler hat sich jedoch "schockiert" gezeigt. Denken Sie, dass sich Dörfler von seinem Vize Scheuch distanzieren könnte?

Winkler: Der Herr Dörfler hat nicht ein einziges Mal den Hauch eines kritischen Wortes gegenüber seinem Herrn und Meister Haider verloren. Der Kadavergehorsam geht hier sehr weit. Man wird sehen, ob das Bieranstechen am 1. August beim Villacher Kirchtag für ihn so lustig sein wird. Das kann mir keiner erzählen, dass Dörfler als Landeshauptmann-Stellvertreter unter Haider nichts mitgekriegt hat.

Immer, wenn es bis jetzt um irgendetwas Brenzliges gegangen ist, ist auf der einen Seite von Dörfler der Uwe Scheuch und auf der anderen der Kurt gestanden. Während Dörfler gesprochen hat, hat er immer mit einem Auge zum einen Scheuch geschielt und mit dem anderen zum anderen. Er hat immer gekuscht.

derStandard.at: Sie haben vor kurzem zum zivilen Ungehorsam aufgerufen. Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung?

Winkler: Wenn jetzt Neuwahlen wären, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es dazu kommt, hätte die FPK vermutlich 15 Prozent weniger. Es dauert leider lange, bis die Leute ihre Leichtgläubigkeit aufgeben.

derStandard.at: In Wien bekommt man den Eindruck, das Seenland Kärnten sei ein einziger Sumpf. Was kann man als Kärntner gegen diesen Ruf tun?

Winkler: Man kann nur eines tun: schauen, dass die Justiz mit den mutmaßlich korrupten Visagen aufräumen kann. Die Klagenfurter Justiz wurde ja in den letzten Jahren öfter verspottet. Ich habe dazu aber kein Wort gesagt, weil ich immer gehofft habe, dass man diese Leute vor den Richtertisch bekommt. Und da habe ich nicht Unrecht behalten. (Rainer Schüller, derStandard.at, 26.7.2012)

Josef Winkler (58), Schriftsteller, wuchs in Kamering in Kärnten auf. Er ist Träger zahlreicher literarischer Auszeichnungen, 2008 erhielt er den Büchnerpreis. Seit 2012 ist Winkler Präsident des Österreichischen Kunstsenats.

Share if you care