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Bohrkernlager am Bremer MARUM, wo die Tahiti-Funde ausgewertet werden.
Bremen - Deutsche Forscher sind im Pazifik auf ein Detail aus der Klimageschichte gestoßen, das bisher nicht bekannt war. Wie das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen (MARUM) berichtet, hatte das Klimaphänomen El Niño am Ende der letzten Eiszeit ein anderes Einflussgebiet als heute: Auch die Insel Tahiti war davon betroffen.
Vor rund 18.000 Jahren brachen von den Eisschilden, die sich von Kanada und Grönland bis über Skandinavien hinaus erstreckten, riesige Eisberge ab und trieben auf den Atlantik hinaus. Das darin enthaltene Süßwasser schwächte die Meeresströmungen im Atlantik für mehrere Jahrtausende ab. Dieser Prozess beeinflusste sogar den asiatischen Monsun. Unklar war bislang allerdings, wie sich die Vorgänge im Nordatlantik auf Klima und Wetter im tropischen Pazifik auswirkten - etwa auf das Auf und Ab des El Niño, der heute globale Wetteranomalien verursacht.
Typischer El Niño-Rhythmus
Die Untersuchung eines vor Tahiti gehobenen fossilen Korallenkerns brachte nun die Antwort: "Unsere umfangreichen Untersuchungen ergaben, dass die Südseeinsel Tahiti vor 15.000 Jahren - anders als heute - im Einflussbereich des El Niño lag", fasst MARUM-Forscher Thomas Felis, Erstautor der in "Nature Communications" präsentierten Studie, den wichtigsten Befund der Untersuchungen zusammen. Denn die Daten belegen, dass die Meerwassertemperaturen damals in einem typischen El Niño-Rhythmus von zwei bis fünf Jahren schwankten. Das Forscherteam kann damit erstmals zeigen, dass das Klimaphänomen El Niño am Ende der letzten Eiszeit im tropischen Pazifik aktiv war.
Die aus 113 Metern Tiefe geborgene Koralle wuchs vor 15.000 Jahren im nördlichen Teil des Riffs, das Tahiti säumt; vermutlich in einer Wassertiefe von weniger als fünf Metern. Felis: "Im Korallenkern sind 22 Jahresgänge Wetter und Klima archiviert. Weil er so gut erhalten ist, konnten wir engmaschig beproben und haben pro Monat einen Wert zur Rekonstruktion der Meerestemperatur gewinnen können." Felis abschließend: "Wir haben es hier mit einem einzigartigen Schnappschuss aus der Klimageschichte zu tun." (red, derStandard.at, 29. 7. 2012)
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