Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 595x800Verehrt von Martin Kippenberger oder auch Sigmar Polke: Francis Picabia. Hier zu sehen: "L'OEil, Caméra", um 1919-1922, aus der "mechanischen Periode".
Es schält sich das Bild eines unbequemen, unangepassten Zeitgenossen mit Humor und Innovationskraft heraus.
Krems - Heiß - kalt, heiß - kalt. Heurigen Wetterkapriolen durchaus vergleichbar, stürzt uns das OEuvre von Francis Picabia, dem die Kunsthalle Krems eine erste große österreichische Retrospektive widmet, in ein Wechselbad der Gefühle. Denn von bekannten, durchaus fesselnden Werkgruppen, den futuristisch und dadaistisch geprägten Phasen und auch den vom Surrealismus geküssten "Transparences" stolpert man über seine klischeehaften Spanierinnen oder die Bilder von textilscheuen Damen, die sich in ihrer Schwülstigkeit das Prädikat Kitsch wahrlich verdient haben: Nasekräuselnd möchte man sich hier am liebsten abwenden.
Wüsste man nicht von Picabias enger Freundschaft mit Marcel Duchamp, der die moderne Kunst revolutionierte, und würde nicht ein Zitat ums andere sein Wesen als intellektuellen Quergeist offenbaren, so könnte man den 1879 in Paris in gutsituierte Verhältnisse geborenen Maler als einen wenig stilsicheren Spinner abtun. "Ein Bild ist nicht vorhanden, wenn es einen nicht über alle Bilder hinaustragen kann", sagte Picabia. "Die Maler sind Maler, weiter nichts. Was ich mache, wird nie verstanden, auch nicht von mir. Ich bin der Antikünstler überhaupt, ein Ungeheuer."
Rasante Stilwechsel
Monstrum war Picabia trotz seines exzessiven, von Frauen gespickten Partylebens keines, aber seine rasanten Wechsel zwischen den Stilen lassen ihn doch rätselhaft erscheinen - als "Bad Painter", lange bevor dieser Begriff erfunden wurde. "Das Leben eines Menschen ist lang oder schnell genug, um ihm innerhalb von 40 oder 50 Jahren mehrere Erneuerungen zu ermöglichen." Picabias Credo war: "Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann."
Zu Beginn, das vermag die chronologische Ausstellung mit rund 180 Arbeiten zu illustrieren, war die Richtung aber noch ziemlich unklar, und so eignete sich Picabia Stile an, die bereits existierten: Appropriation also statt Innovation. Bis 1908 erprobte er sich mit Landschaften nach Camille Pissaro, dümpelnden Fischerbooten à la Alfred Sisley, malte die Kathe-drale Notre-Dame wie Claude Monet in verschiedensten Lichtstimmungen und war damit - auch wirtschaftlich - erfolgreich.
Trotzdem wandte er sich Neuem zu. Ein Erbe machte Picabia finanziell unabhängig, was sicherlich großen Anteil an seiner - auch menschlichen - Unangepasstheit hatte. "Das Leben ist nur unter der Bedingung wirklich erträglich, unter Leuten zu leben, die keinen Hintergedanken haben, keine Opportunisten sind, aber das heißt, das Unmögliche zu verlangen."
Auch vom Kubismus distanzierte Picabia sich bald, um sich dem gegenstandslosen, starkfarbigen Orphismus und damit auch Rhythmus und Bewegung zuzuwenden. Ein Interesse, das die Dynamik New Yorks bei seinem Besuch 1913 anfachte. Es mündete in Picabias "mechanische Phase", in der er Maschinenzeichnungen in neue, psychologisierende, teils gar erotisch konnotierte Zusammenhänge brachte. "Die Maschine", so Picabia, "ist wirklich ein Teil des menschlichen Lebens ..., vielleicht sogar seine Seele."
Gute Zeit mit Dada
Es war die Zeit des Dada, einer Bewegung, in der sich der "Funny Guy", als der Picabia manchmal Briefe signierte, in seinen Arbeiten am stärksten zeigt: Unter den vielen Titelbildern, die er für die von ihm herausgegebenen dadaistischen Magazine 391 und Cannibale zeichnete, ist ein besonders gelungenes, seinen Humor offenbarendes: Es zeigt einen dicken, expressiv verlaufenden Tintenklecks mit dem Titel La Sainte-Vierge - die heilige Jungfrau.
Ganz anderer Natur waren die Zeichnungen, die er nach einem künstlerischen Misserfolg zur Veröffentlichung in der Zeitschrift Littérature 1923 an den Dada-Kollegen André Breton schickte: Zwölf kleine Zeichnungen, die Lampen, Parfum-Flakons, Schuhe - also Objekte der Werbung, mitsamt ihren anpreisenden Texten und Preisen - zeigte. Picabia war damit nicht sehr weit von Duchamps Urinal Fontaine (1917) entfernt. Für den Künstler und Autor Jean-Jacques Lebel hatte er damit die Pop-Art vorweggenommen, die beinahe vierzig Jahre später im Grunde nichts anderes machen sollte.
Picabia selbst widerstrebten die Ismen allerdings zeit seines Lebens. Als er sich 1920 von den Dadaisten lossagte, verfasste er eine Art Manifest, die Schmähschrift Jésus-Christ rastaquouère, die sich gegen ästhetische Theorien und Protagonisten unterschiedlichster Kunstdoktrinen wandte. Picabia wollte zu jener Zeit nicht als Künstler gelten.
Der "Rastaquär", Bezeichnung für eine zwielichtige Figur aus dem Berliner Schiebermilieu, erschien ihm passender. Picabias erste Frau schrieb: "Der Rastaquär spielt mit allen Gegenständen, die ihm in die Hand fallen; er hat nichts gelernt, aber er erfindet." (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 26.7.2012)
Bis 4.11.
Gottfried Helnwein stellt in der Albertina seine Vielseitigkeit unter Beweis - Der Meister des Hyperrealismus über Kunst und amerikanische Politik
Die Galerie im Taxispalais zeigt Arbeiten einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen Indiens. Shilpa Guptas Arbeiten thematisieren den von Ohnmacht, Angst und Überwachung geprägten Alltag
Londoner Museum erwarb "Salisbury Cathedral from the Meadows" um über 23 Millionen Pfund
Fotografin wird in der Sparte Kommunikation und Humanwissenschaften geehrt
"Das Ich und das Es" im Sinne Freuds ist oft Thema in Sevda Chkoutovas auch technisch überzeugendem zeichnerischem Werk: In der Schau "Paradiesvögel" verlässt eine Frau den Garten Eden
Stipendien an Sylvia Caba und Stefan Kreiger
"Paradoxe Transformationen": Die Galerie Huber zeigt neue Arbeiten von Rudolf Polanszky
Der Zuschlag wurde erteilt, die Planungen für die Kunstbiennale starten Anfang Juli
Mit falschen Erwartungen und einem zu wenig akzentuierten Programm kämpft "What Would Thomas Bernhard Do"
Karlsruhe: Juristisches "Neuland" zu Urheberrecht bei Fotos
Arbeiten des deutschen Fotografen sind in der Wiener Galerie Lumina zu sehen
Eine Ausstellung im Palazzo Strozzi beschäftigt sich umfassend mit dem Ursprung der Renaissance. "Die Ausbreitung der Schönheit" lässt sich dort konzentrierter und ruhiger nachvollziehen als im umgebenden Florenz
Delogierung mal anders: Architekt Édouard François stapelte für den Bauträger Paris Habitat verschiedene Wohnhäuser zu einer urbanen Collage
Die Berliner Künstler Janina Janke und Maurice de Martin beforschten die UN-Sitze in Wien, Nairobi und New York City als "unbekannte Räume"
Die Bewegungsstudie von 1925 ist Rudolf Koppitz' wohl bekanntestes Foto. Faktisch ist sein Œuvre umfangreicher, wie eine Ausstellung in Brünn und der Kunstmarkt belegen
René Block tauchte ab in die Tiefen des Depots von Sammler-Ehepaar Agnes und Karlheinz Essl und fühlte eine Ohnmacht. Aus etwas ihm vertraut Unvertrautem - der österreichischen Avantgarde der 1960er-Jahre - wurde die Schau "Eine kleine Machtmusik"
Helmut Draxler beschäftigte sich am Beispiel der Generali Foundation mit dem Prinzip Sammeln
Studienjahr 2013/2014: Internationale Jury kürte je vier Projekte aus den Bereichen Architektur und bildende Kunst sowie jeweils zwei Ersatzprojekte
Ars-Electronica-Jury hatte aus über 4.000 Einreichungen zu wählen - Preisverleihung am 6. September
Kreditvergaben an Kunststiftung zu gering besichert: Anklage gegen acht Personen
Ernst Logar hinterfragt in Graz "Orte der Unruhe", wo NS-Opfern gedacht wird
Große Bandbreite, Vielschichtigkeit und Komplexität der bildhauerischen und fotografischen Arbeit des Künstlers wird gewürdigt
Jakob Lena Knebls Mahnmal "Schwule Sau" am Morzinplatz in Wien erinnert an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Homosexuellen, Lesben und Transgender-Personen
Aufnahme in Liste der "World's 50 Greatest Galleries"
Der öffentliche Raum und die Erinnerung sind Kernthemen in Marko Lulics künstlerischer Arbeit: In der Ausstellung "Psychogeography" folgt er sehr persönlichen Wegen durch Wien
ist ihre Gewichtung: wenig wirklich Qualitätvolles, dafür viel Kitsch oder Belangloses.
Vielleicht eine didaktische Chance, das Qualitätsurteil unabhängig vom großen Namen zu schulen.
P.S.: Gratulation zu dieser Besprechung
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.