Raffinierte Momente sakraler Symphonik

Ljubiša Tošić
25. Juli 2012, 18:17
  • Heute noch mit Anton Bruckners siebenter Symphonie zu hören - Dirigent 
Zubin Mehta.
    foto: epa/koca sulejmanovic

    Heute noch mit Anton Bruckners siebenter Symphonie zu hören - Dirigent Zubin Mehta.

Israel Philharmonic Orchestra in Salzburg

Salzburg - Es war eine symphonische Erzählung mit (nicht nur sakralen) jüdischen Elementen; es wurde jedoch kein simples Nebeneinander der Stile, die im Dienste von Schmerz, Verzweiflung und Freude stehen. Noam Sheriffs Mechaye Hametim (Wiedergeburt der Toten) hat in der Felsenreitschule bei der "Ouverture spirituelle" nämlich die Möglichkeiten einer organischen Verschmelzung von Elementen elegant aufgezeigt. Das souverän-klare Israel Philharmonic Orchestra hat da Passagen von subtiler Schönheit umzusetzen, die auch ins Düster-Dissonante abgleiten.

Sheriff changiert zudem gekonnt zwischen opulenter und intimer Orchestrierung. Dem Cello etwa ist eine Hauptrolle zugedacht. Und zelebriert es auch melancholische Glissandi, die an Klezmer erinnern, so kommt es dabei doch auch zur interessanten Dekonstruktion dieses Stils. Gekonnt auch die Integration von Kantoren-Gesang (intensiv Carl Hieger) und dessen Verzahnung mit Vokalmassen (Collegiate Chor, Festspiel-Chor, Kinderchor). Dies führt zu speziellen Schichtungen - etwa, wenn die Sprechparts von Hieger und Thomas Hampson vom Chor umhüllt werden. In Summe ein von Zubin Mehta umsichtig betreutes, kontrastreiches Stück mit Nähe zu Mahler und Bernstein.

Das Konzert markierte auch das Ende einer langen Salzburg-Pause von Hampson. Und: Bei Mahlers Kindertotenliedern war der Bariton ein eindringlicher Dramatiker mit lyrischem Fundament. Alle Schattierungskunst (etwas weniger Vibrato wäre der Linienklarheit indes förderlich gewesen) summiert sich zu einer packenden Version dieses düsteren Repertoires, dem Mehta und Orchester bisweilen passend ambivalente Streicherschärfe beisteuerten.

Nicht zu vergessen eine zweite markante Rarität: Schönbergs einziges liturgisches Werk Kol Nidre, bei dem man den späten Abstecher des Zwölftöners in die Welt des Tonalen hören konnte. Tadelloser Klangzauber auch hier, markant auch Hampson als Sprecher. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 26.7.2012)

Israel Philharmonic Orchestra, Großes Festspielhaus, 20.30

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