Konjunkturrisiken bei Daimler stärker

25. Juli 2012, 11:46
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Die Staatschuldenkrise, schwächerer Absatz und die Lage in China machen dem Autokonzern zu schaffen

Stuttgart - Daimler rechnet in den kommenden Monaten mit schärferem konjunkturellen Gegenwind durch die Staatsschuldenkrise und die Unsicherheiten über die Wirtschaftslage in China. "Die Risiken nehmen in der zweiten Jahreshälfte eher noch zu statt ab", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Allen Unkenrufen zum Trotz habe Daimler nach dem ersten Halbjahr "offensichtlich" keine Gewinnwarnung abgegeben und sehe dazu auch nach dem dritten Quartal derzeit keine Notwendigkeit.

Angesichts der steigenden konjunkturellen Unwägbarkeiten will Zetsche die Ausgaben scharf kontrollieren und die Kosten weiter drücken. Überhöhte Bestände sollen vermieden werden. Ein Einstellungsstopp sei nicht verfügt worden, Daimler hole sogar zusätzliches Personal an Bord, sagte der Manager, dessen bisheriger Vertrag Ende kommenden Jahres endet.

Gewinn schwächer

Die schwache Autokonjunktur in Europa schlägt sich bei Daimler in einem satten Gewinnrückgang nieder. Unterm Strich verdienten der Konzern im zweiten Quartal 2012 rund 1,5 Mrd. Euro - ein Rückgang von 11 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Das teilte die Daimler AG am Mittwoch in Stuttgart mit. Spekulationen, Daimler könnte sich zu einer Gewinnwarnung genötigt sehen, bestätigten sich indes nicht.

Der Autobauer hält trotz des Gewinnrückgangs im zweiten Quartal vorerst an seiner Prognose für das Gesamtjahr 2012 fest. "Auf Basis der derzeitigen Markterwartungen und der Planungen der Geschäftsfelder streben wir für Daimler 2012 ein Ergebnis aus dem laufenden Geschäft in der Größenordnung des Vorjahres an", bekräftigte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Er ließ allerdings auch vorsichtige Töne anklingen: "Die Konjunktur ist jedoch in beinahe allen Regionen von Unsicherheiten und Risiken geprägt." 2011 hatte das Ergebnis aus dem laufenden Geschäft bei rund 9 Mrd. Euro gelegen.

Wachsende Auslandsmärkte

Die Stützen des Daimler-Geschäfts liegen auf wachsenden Auslandsmärkten wie Amerika und Asien mit dem größten Einzelmarkt China, während der Heimatmarkt Europa Probleme bereitet. "Die Ergebnisentwicklung war im Wesentlichen durch das weitere Absatzwachstum vor allem in den USA und in Asien getrieben", heißt es im Zwischenbericht. Dagegen berichten die Stuttgarter von "Ergebnisbelastungen" in Europa, die mit der "angespannteren wirtschaftlichen Situation" dort und einem "ungünstigeren Modell-Mix" in Verbindung gebracht werden.

Daimler erklärt den Gewinnrückgang zudem mit Investitionen: Höhere Kosten zur Erweiterung der Modellpalette in der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars und der Lkw-Sparte Daimler Trucks hätten sich ungünstig ausgewirkt, heißt es in der Mitteilung. Vor Steuern sank der Gewinn um 13 Prozent auf rund 2,2 Mrd. Euro. Die Erlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10 Prozent auf 28,9 Mrd. Euro.

Sorgenkind blieb die Bussparte des Konzerns mit einem Umsatzrückgang von 13 Prozent auf rund 1 Milliarde Euro. Mercedes-Benz Cars verbuchte bei den Erlösen mit 15,4 Mrd. Euro zwar ein Plus von 5 Prozent. Beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) brach die Autosparte aber um 16 Prozent auf rund 1,3 Mrd. Euro ein. (APA, 25.7.2012)

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    Sorgenkind bei Daimler bleibt unter anderem die Bussparte.

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