Bedrohliche Lage für Schlecker Österreich

25. Juli 2012, 10:54

Die Liquidität der Drogieriekette hierzulande soll bis Anfang August erschöpft sein, Schlecker sei "leergepumpt"

Wien - Die finanzielle Situation von Schlecker Österreich wird immer prekärer. Anfang August soll die Liquidität der Drogeriekette erschöpft sein, berichtet das "WirtschaftsBlatt" (Mittwochausgabe) unter Berufung auf informierte Kreise. Durch die Pleite von Schlecker Deutschland sind die hohen Forderungen der Österreich-Tochter praktisch wertlos geworden. Bereinigt um diese Ausfälle soll die Bilanz eine materielle Insolvenz aufzeigen, schreibt das Blatt.

Laut Kreisen sei Schlecker Österreich "leergepumpt". Demnach sollen die Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen - vor allem der insolventen Mutter bereits - auf 174 Mio. Euro gestiegen sein. Weitere 109 Mio. Euro seien "ausgebucht" worden. Hinter beiden Positionen könnten verdeckt "abgezogene" Gewinne stecken, heißt es in dem Bericht. Zu Rat gezogene Anwälte hätten unter anderem bereits auf das Thema Einlagenrückgewähr, die unzulässige Kapitalausschüttung an Gesellschafter, hingewiesen.

Die Uhr tickt

Für den deutschen Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz drängt die Zeit: Er versucht derzeit laut "WirtschaftsBlatt" einen Warenkredit von über 20 Mio. Euro von der Österreich-Tochter zurückzuerhalten. Wenn die Verwertung von Schlecker Österreich (u. a. Warenlager, Ablösen) höhere Einnahmen einbringt als der Verkauf an einen Investor, könnte Geiwitz die heimische Drogeriekette auch liquidieren. Die Gewerkschaft und der Insolvenzentgeltfonds hatten gestern gegenüber der APA von Vorbereitungen für den Ernstfall berichtet. An Österreich angeschlossen sind außerdem Schlecker Polen, Luxemburg, Belgien und Teile von Italien. Auch für sie wird ein Investor gesucht.

Wie bereits berichtet haben drei Investoren öffentlich Interesse an Teilen von Schlecker Österreich mit seinen rund 3.000 Mitarbeitern angemeldet: Der Linzer Finanzinvestor Recap um Anton Stumpf will rund 600 der insgesamt 900 Schlecker-Filialen nach einer "geordneten Insolvenz" übernehmen. Ex-dm-Manager Manfred Laaber sucht derzeit einen Investor für die Übernahme der Drogeriekette. Die MTH-Gruppe (u.a. Libro, Pagro) um den österreichischen Industriellen und Ex-Politiker Josef Taus ist nur an rund 100 Filialen interessiert. (APA, 25.7.2012)

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14 Postings
künstlich

Für den deutschen Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz finde ich keine Worte.

Fakt ist, dass in Österreich niemals an einer Rettung der Arbeitsplätze gedacht worden ist.

Lediglich die maximale Ausbeute der österreichischen "Tochter" war/ist das Ziel. Gratuliere - geschafft!

Die Fehler der Vergangenheit sind nicht von der Hand zu weisen, Anton Schlecker hat es mehr als ruiniert. Für Schlecker Österreich hätte sofort eine Lösung umgesetzt werden müssen. Mit der Aushungerung der Geschäfte wurde alles beschleunigt und verschlimmert.

Der Warenkredigt über 20 Millionen fließt in die Masse und erhöht seine Provision. Den Arbeitern bringt das alles nichts außer Kummer und Sorgen!

ja, das ist die aufgabe des masseverwalters ... die resteinnahmen des verwalteten betriebes maximieren, den schaden aller schuldner zu minimieren

und nachdem er nicht der masseverwalter des österreichablegers ist, haben ihn die österreichischen AN naturgemäß nicht zu kümmern.

Da machen Sie es sich viel zu einfach.

Er ist und kann nicht MV des "Österreichablegers" sein, da Schlecker Österreich nicht insolvent ist. Wenn es dazu kommen sollte, wurde es künstlich von Deutschland herbeibeführt.

Zudem sind Ihre Worte mehr als theoretisch und entbehrlich in Anbetracht dessen, dass tausende Arbeitsplätze in Österreich verloren gehen.

Ziel muss immer sein, dass ein Unternehmen fortgeführt wird. Es wäre auch möglich, wenn Ware in den Geschäften ist. Durch die enge Verflechtung mit Deutschland hätte sofort ein Einkauf für die Österreich Tochter aufgestellt werden müssen.

Es entspricht schlichtweg nicht der Wahrheit, dass in Österreich kein rentables Weiterarbeiten möglich ist.

verstehendes lesen sollten sie noch üben

nochmals: der masseverwalter der DEUTSCHEN (insolventen) kapitalgesellschaft wird nicht bezahlt, um sich in einer (noch) nicht insolventen ÖSTERREICHISCHEN kapitalgesellschaft einzumischen

das ist nicht sein mandat

beschweren sie sich bei den ÖSTERREICHISCHEN geschäftsführern der österreichischen gesellschaft

Ja, korrekt, ich hätte es genauer lesen müssen.

Zum einen werde ich leicht emotional bei dem Thema, da es einmal mehr verdeutlicht, wo die Prioritäten in unseren Breiten liegen. Zum anderen liest und schreibt es sich schlecht mit einer Wut im Bauch.

Obwohl er der MV der deutschen Firma ist, kümmert er sich - bisher erfolglos - und meiner Ansicht nach auch antriebslos, um den Verkauf von Schlecker Österreich.

Wie im DiePresse Artikel (http://diepresse.com/home/wirt... /index.do) recht gut beschrieben, wird die Pleite in Österreich immer wahrscheinlicher. Man kann sagen, dass ist die Bereinigung vom Markt. Oder, die Unfähigkeit einer Führung.

ich kann ihre wut ja durchaus verstehen, aber der deutsche masseverwalter ist definitiv das falsche wutziel ... der hat mit seinem mandat genug zu tun (und damit WEITAUS mehr existenzen auf der kippe als in österreich)

er hat auch die firma nicht in diese situation gebracht, er soll es nun auslöffeln

40 mille hat die famiilie schlecker angeblich im privatbesitz.
enteignungen sind böse, nur manchmal sind nichtenteignungen böser

40mio privatvermögen sind für die eigentümer eines unternehmens dieser größe und historie nicht viel geld

ich weiss schon, es is alles relativ.
nur verdient haben die es sich nicht.
und auch das darf mal gesagt werden.

würde ich so nicht sagen - man hat falsche entscheidungen getroffen, die schlimme folgen hatten.

aber man hat jahrzehntelang vieles richtig gemacht und hohe arbeitsleistung gebracht, man hat privatvermögen zusätzlich ins unternehmen gebuttert und existenzsorgen gehabt.

ein unternehmer geht nicht einfach am tag nach dem firmenausscheiden zum arbeitsamt und kassiert geld vom staat und sucht sich das nächste

die falschen entscheidungen sind schon getroffen worden, mitarbeiter schlecht bezahlt, kontrolliert wurden, die arbeitsbedingungen unter jeder sau waren...
und zuerst möglichst viel geld aus den funktionierenden bereichen gepumpt wurden..

eine summe, wie diese familie haben die mitarbeiter sich nicht auf die seite schaffen können, trotz richtiger (loyaler) entscheidungen und trotz arbeitseinsatz.

schlecker hat sich davor bedient undbraucht sich jetzt nicht mehr beim ams anstellen. und tschuldigung sich mehr leisten als dem unternehmen gut tut ist nichts besonderes.

so taurig es für die Mitarbeiter ist. Aber es ist immer das selbe, man denke nur an die Quelle. Da wird den Mitarbeitern Hoffnung gemacht und schlußendlich sitzen sie dann auf der Straße. Bei Neckermann fängts genauso an - man liest, dass man sich bemühe den Ö Standort zu erhalten. Im Gegensatz zu Quelle, war Neckermann Ö seit Jahren in den roten Zahlen. Auch dort werden schlußendlich die Leute auf der Straße sitzen. Vielleicht steckt auch Kalkül dahinter, denn immerhin brauchen sie ja bis zum Schluß Personal um Waren auszuliefern, bzw. die Filialen offen zu halten - damit macht man den Leuten immer wieder Hoffnung und irgendwann dreht man dann von heute auf morgen das Licht ab.

Bedrohliche Lage? Der Laden ist doch schon vor Monaten in Konkurs gegangen.

Bitte endlich zudrehen. Selbst ein alter Ackergaul (=Schlecker) hat das Recht auf einen Gnadenschuss. Man muss das Leid nicht extra lange verlängern.

Das ist nur eine Neuigkeit für die Schönredner über Schlecker Österreich!

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