Canon will mit neuer EOS M auch spiegellos mitspielen

Martin Koelling
25. Juli 2012, 10:20
  • Dem Branchentrend folgend steigt nun auch Canon mit der EOS M in den Markt für spiegellose Systemkameras ein.
    foto: canon

    Dem Branchentrend folgend steigt nun auch Canon mit der EOS M in den Markt für spiegellose Systemkameras ein.

Marktführer Canon hat den Boom für Systemkameras verschlafen. Jetzt will der japanische Kamerabauer das Feld von hinten aufrollen.

Canon, der Riese unter den Kameraherstellern, schlägt zurück: Als letzter großer Kamerahersteller steigt der Konzern in den boomenden Markt für Systemkameras ein. Die neue EOS M verfügt über einen der größeren Bildsensoren in dieser Klasse sowie als erste Systemkamera über einen Touchscreen, der sich wie ein Smartphone-Display mit mehreren Fingern und Fingerwischen bedienen lässt.

Kameraabsatz abgesackt

Canon will mit diesem Vorstoß seine Marktführerschaft bei hochwertigen Kameras verteidigen, die durch den Siegeszug der Systemkameras gefährdet wird. Bereits im Vorjahr ist Canons Kameraabsatz um 4,6 Prozent abgesackt. Die Verdrängung von Billigknipsen durch Handys ist dabei nur ein Faktor. Schwerer wiegt, dass der erst 2008 von Panasonic eingeführte Typ der Systemkamera nicht mehr nur in Japan kurz davor steht, die klassische Spiegelreflexkamera im Massenmarkt zu entthronen.

Geringeres Gewicht

Selbst in den konservativen, lange gewachsenen Spiegelreflexmärkten Nordamerika und Europa schätzen immer mehr Fotografen, dass sie weniger Gewicht durch die Gegend schleppen zu müssen. Ohne das schwere gläserne Spiegelprisma lassen sich die Kameras kleiner und teilweise um mehrere hundert Gramm leichter als vergleichbare Spiegelreflexkameras herstellen.

Canon sowie auch sein Erzrivale Nikon, die den Markt für Spiegelreflexkameras fast unter sich aufteilen, verweigerten sich dem Trend lange. Sie hatten nicht nur den Trend unterschätzt, sondern befürchteten auch eine Kannibalisierung ihres Kerngeschäfts. Nur nahmen sie damit in Kauf, viele Kunden für vielleicht immer zu verlieren. Wer erst einmal in eine Kamera sowie dazugehörige Objektive eines Herstellers investiert hat, ist kaum noch zum Markenwechsel zu bewegen.

APS-C-Sensor

Nikon reagierte zuerst und brachte voriges Jahr zwei Systemkameras auf den Markt. Allerdings haben Nikons Geräte einen deutlich kleineren Sensor als die Konkurrenz. Die Botschaft war klar: Wer hohe Qualität will, muss weiter Nikons Spiegelreflexkameras kaufen. Canon verbaut hingegen einen APS-C-Sensor, der auch bei seinen nichtprofessionellen Spiegelreflexkameras zum Einsatz kommt. Wie bei den anderen Herstellern können daher auch Spiegelreflexkamera-Besitzer mit einem Adapter ihre "alten" Objektive auf der neuen Kamera ohne Umstellung weiterverwenden.

Starkes Konkurrenzfeld

Canon setzt nun darauf, dank seines hohen Bestands an Spiegelreflexkunden das Feld von hinten aufzurollen. Als monatliches Produktionsziel peilt der Konzern für den Anfang 100.000 EOS M an. Doch Experten sind noch nicht überzeugt, dass das Kalkül aufgehen wird. Mit ihren Funktionen sehe die Kamera zwar wettbewerbsfähig genug aus "Allerdings besitzt sie im Vergleich zu ihren Rivalen kein herausragendes Alleinstellungsmerkmal," urteilt Andy Westlake auf DPReview, der größten Kameraseite im Internet.

Darüber hinaus decken die Pioniere des Segments Panasonic und Olympus, aber auch Sony und Südkoreas Samsung mit mehreren Modellen und vor allem einer breiten Palette an Objektiven die gesamte Breite des Massenmarkts ab - vom Einsteiger bis hin zum Semi-Profi. Bis Canon diese Lücke schließen kann, werden noch Jahre vergehen.

In Österreich soll die EOS M im September auf den Markt kommen. Der Preis für das Kit (mit EF-M-18-55-mm-Objektiv) beträgt 849 Euro. (Martin Koelling aus Tokio, DER STANDARD, 25.7.2012)

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Canon

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Marktführer

schon interessant, dass immer mehr (ehemalige) Marktführer, die neuen Trends verschlafen.
Nach Nokia, RIM, Kodak, .... Canon?
Die Chefs und Aufsichtsräte sind anscheinend doch schon zu alt?!? Oder zu beschäftigt, ihr Geld zu zählen?

Nun, Canon hat mit seinen DSLRs sicherlich noch jahrelang gute Gewinne gemacht...warum sollten sie also vor allem den lukrativen Einstiegsmodellen den Markt abgraben bzw. diese vernachlässigen?

Spiegelreflex ist doch ein überbleibsel aus der Analogen Zeitalter, wieso werden diese so Krampfhaft weiterhin verbaut - weil große Kamera teuer und professionell wirkt?

Genau deswegen

Gekauft wird nicht was gebraucht wird sndern was den Nachbarn neidisch macht.
Je größer - desto größer der eigene Schw.. äh.. Neid des Nachbarn.

That's it.

Optischer Sucher.
"Relativ" preiswert verglichen mit guten Systemkameras.
Derzeit noch bessere Objektivauswahl, was auch erstmal so bleiben wird.
Oft bessere Bedienung, mehr Knöpfe und Schnellzugriffe.
Längere Akkulaufzeit, da das Display nicht dauernd eingeschaltet sein muss.

Bei APS-C und DX

ist der optische Sucher den elektronischen längst unterlegen. Zu klein, zu finster und zu teuer.
Bei FX wird es noch 1-2 Jahre dauern.
Objektivauswahl ist doch bitte die absolut gleiche wie bei DSLR, soferne ein Adapter angeboten wirdder nur die Distanz des Spiegelkasten zu dem Originalauflagemaß der DSLR überbrücken muss. Linsen sind also absolut KEIN Argument gegen Systemkamera, soferne der Hersteller DSLR Linsen anbietet.

Ich hab noch keinen elektronischen Sucher gesehen, der auch nur annähernd an den einer SLR herankommt.

Schneller Autofokus mittels Phase-Detect, den spiegellose Kameras (die ja nur Contrast-Based AF können) erst seit der teuersten Olympus PEN sowie OMD "fast" genauso schnell hinbekommen ist hier die Antwort auf den Vorteil vom Spiegelreflex-Prinzip.

Phase Detect

hat aber den großen ANchteil, dass dieser nur in einem Toleranzbereich arbeitet. Schnell ja, für Action und Reportage nicht wegszudenken, das Photo KANN aber nur scharf sein, MUSS aber nicht. Bei hochempflindlichen Film bzw 12MP fällt das kaum auf, aber bei hochauflösenden Kameras treten die Nachteile des Phase Detect voll auf - auch ein Grund der großen Aufregungen der letzten Zeit be ieinigen Veröffentlichungen, dass der AF nicht scharf stellt.

Abgesehen davon können Phasendetektoren im Sensor untergebracht werden, Beispiele gibts schon.

Abgesehen davon wird der Konstrasfokus mit schnelleren Bildverarbeitungsprozessoren auch schneller und das ist wichtig für Video.

Ich verwende meine DSLR hauptsächlich wegen des optischen Suchers - diese neuen EVF können mich alle nicht überzeugen (noch nicht). Nebenbei liegt die DSLR auch perfekt in meinen Händen und ich kann sie auch viel ruhiger halten (wichtig bei Low-Light). Ansonsten liefert meine Olympus PEN auch gleichwertig gute Fotos ab (außer bei echt argem Low-Light und über ISO800).
Das mit dem "professionell" stört mich bei der DSLR ... sofort errecht man Aufmerksamkeit, was ich gar nicht will ...

849 Euro

ist etwas teuer für dieses Ding - da bekommt man ja die "Spiegelreflexversion" (EOS Rebel t3i) deutlich billiger. und dieses doofe 18-55 objektiv ist auch sinnlos - das 18 - 135 objektiv macht da viel mehr sinn ....

Das 22mm Objektiv find ich am interessantesten, ehrlich gesagt.

Das Gewicht der Kamera ist unbedeutend, wenn man einige Objektive transportiert.

Das Argument Gewicht zieht daher kaum.
Kamera, Objektive, Blitz, Tasche ... spielt das Gewicht eine Rolle?
Wie schaut es mit der Ergonomie des flachen Gehäuses aus?
Das Ding ist einfach billiger in der Herstellung und hat weniger Mechanik.
Die Marketingabteilung lässt grüßen.
Prosumer - maximal.

Das Gewicht der Kamera ist sehr wohl bedeutend.

Ja ein APS-C-Sensor ist schon eine echt coole Sache - doch leider sind die Objektive dazu nicht gerade klein/leicht. Sehr schlimm finde ich dies bei den NEX-Produkten ... die Kamera sehr dünn, das Objektiv total dick - liegt einfach sehr unschön in der Hand. Ähnlich wird es sicher bei dieser Canon sein. Wie man es anders machen kann zeigt zB Olympus mit der PEN. Noch besser ist natürlich die Olympus OMD ... aber der Preis ... so wird das nix, Olympus.

Wie schön ist doch die Welt

wenn sie vom engen Horizont begrenzt wird.

Gewicht und Größe SIND wichtig. Natürlich gehe ich wenn ich es tragen kann mit 10 Linsen und 4 Blitzgeräten herum. Aber wenn es ums Gewicht geht wird ein Midrange Zoom draufgepappt, eventuell noch ein kleines Plastikweiteinkel und dann zählt jedes Gramm.

Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Weg mit dem Spiegel, her mit kleinen, leichten Systemkameras - auch mit Sensor in Kleinbildformat.

"Ohne das schwere gläserne Spiegelprisma lassen sich die Kameras kleiner und teilweise um mehrere hundert Gramm leichter als vergleichbare Spiegelreflexkameras herstellen."

Hm. Es müsste eigentlich "ließen" heissen.
Inklusive des im Forum bereits beschriebenen Mount-Adapters beträgt der Gewichtsunterschied zur - wohl auf die gleiche Zielgruppe abzielende - EOS 650D nur mehr 165 g. Dafür ist die M (zu Markteinführung) um ca 120,- teurer.

Also ich wüßte wie ich mich entscheiden tät: Für eine Pentax K-5 statt einer K-01 :-)

Umsatzrückgang? kein Wunder bei der Qualität & Kundenfreundlichkeit

2x DSLR und 1x Kleinbildkipserl. Bei den DSLR spinnen die CF, ein Bild ist machbar, dann ists aus, angeblich der CF-Einschub kameraseitig, Tausch kostet mehr als 50% des Kamerapreises, Offert kostete 50€. Abgebrochenes Plastikscharnier bei der kleinen, Tauschaufwand 2 Minuten für eine Miniaturschraube und den 15€ Plastikdeckel. Der Deckel wurde mir erst nach Bezahlung der nicht durchgeführten Mindesarbeitszeit ausgehändigt!!! Ich wollte die Kamera nicht ein paar Wochen später abholen müssen wo doch nur eine Schraube zu lösen war um den Deckel zu tauschen!

Welche Kamera-Marke war das? Gut manche Leute haben echt Pech ... ich hatte mit meinen Kameras noch nie etwas ... *aufHolzklopf* habe/hatte 3 Nikon DSLRs, 1 Olympus PEN und DigiCams von Casio, Nikon und Canon. Alle ohne Probleme bis auf eine Nikon Kompaktkamera, welche meine Frau auf einen Steinboden fallen gelassen hat - die Kamera war dann hin.

Solche Kunden kennt man ja, typische Querulanten.

"Wer erst einmal in eine Kamera sowie dazugehörige Objektive eines Herstellers investiert hat, ist kaum noch zum Markenwechsel zu bewegen."

würde man kooperieren und kompatibel zu micro four thirds bauen, wäre das kein thema. aber canon ist ja für inkompatibilität, besonders innerhalb des eigenen portfolios, bekannt.

Sicher wäre das ein Thema. Wenn Canon jetzt m3/4-kompatible Kameras baut bleibt man ja trotzdem auf seinen EF/EF-S Objektiven sitzen.

Der Clou bei der EOS M ist für mich dass ich meine alten Objektive weiterverwenden kann, vor allem die teuren Spezialobjektive (Ultraweitwinkel, Fisheye und Macro), die ich eh nicht immer mitschleppe.

Ja das war auch immer wieder eine Idee von mir ... dass Nikon oder Canon bei m43 einsteigt ... aber nein - egal. Die Vorteile von m43 liegen klar auf der Hand, der Nachteil an Dynamik sollte sich mit dem OMD-Sensor erübrigt haben - laut Berichten.

Und Markenwechsel finden öfters statt, als was man sich vorstellt. Man kann den ganzen "Ramsch" eh relativ leicht verkaufen ...

Komisch, ich kann meine EF-Objektive aus den 80ern und 90ern immer noch an meinen digitalen Bodies verwenden....
Von wegen Inkompatibilität.

Naja...das EF-Bajonett gibt's seit 1987...den Umfang den die vorherigen FD-Objektive boten gab's dann erst am 1990...

Für wirkliche Kompatibilität braucht man wohl Nikon F...gibt's seit 1959...

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