Canon will mit neuer EOS M auch spiegellos mitspielen

  • Dem Branchentrend folgend steigt nun auch Canon mit der EOS M in den Markt für spiegellose Systemkameras ein.
    foto: canon

    Dem Branchentrend folgend steigt nun auch Canon mit der EOS M in den Markt für spiegellose Systemkameras ein.

Marktführer Canon hat den Boom für Systemkameras verschlafen. Jetzt will der japanische Kamerabauer das Feld von hinten aufrollen.

Canon, der Riese unter den Kameraherstellern, schlägt zurück: Als letzter großer Kamerahersteller steigt der Konzern in den boomenden Markt für Systemkameras ein. Die neue EOS M verfügt über einen der größeren Bildsensoren in dieser Klasse sowie als erste Systemkamera über einen Touchscreen, der sich wie ein Smartphone-Display mit mehreren Fingern und Fingerwischen bedienen lässt.

Kameraabsatz abgesackt

Canon will mit diesem Vorstoß seine Marktführerschaft bei hochwertigen Kameras verteidigen, die durch den Siegeszug der Systemkameras gefährdet wird. Bereits im Vorjahr ist Canons Kameraabsatz um 4,6 Prozent abgesackt. Die Verdrängung von Billigknipsen durch Handys ist dabei nur ein Faktor. Schwerer wiegt, dass der erst 2008 von Panasonic eingeführte Typ der Systemkamera nicht mehr nur in Japan kurz davor steht, die klassische Spiegelreflexkamera im Massenmarkt zu entthronen.

Geringeres Gewicht

Selbst in den konservativen, lange gewachsenen Spiegelreflexmärkten Nordamerika und Europa schätzen immer mehr Fotografen, dass sie weniger Gewicht durch die Gegend schleppen zu müssen. Ohne das schwere gläserne Spiegelprisma lassen sich die Kameras kleiner und teilweise um mehrere hundert Gramm leichter als vergleichbare Spiegelreflexkameras herstellen.

Canon sowie auch sein Erzrivale Nikon, die den Markt für Spiegelreflexkameras fast unter sich aufteilen, verweigerten sich dem Trend lange. Sie hatten nicht nur den Trend unterschätzt, sondern befürchteten auch eine Kannibalisierung ihres Kerngeschäfts. Nur nahmen sie damit in Kauf, viele Kunden für vielleicht immer zu verlieren. Wer erst einmal in eine Kamera sowie dazugehörige Objektive eines Herstellers investiert hat, ist kaum noch zum Markenwechsel zu bewegen.

APS-C-Sensor

Nikon reagierte zuerst und brachte voriges Jahr zwei Systemkameras auf den Markt. Allerdings haben Nikons Geräte einen deutlich kleineren Sensor als die Konkurrenz. Die Botschaft war klar: Wer hohe Qualität will, muss weiter Nikons Spiegelreflexkameras kaufen. Canon verbaut hingegen einen APS-C-Sensor, der auch bei seinen nichtprofessionellen Spiegelreflexkameras zum Einsatz kommt. Wie bei den anderen Herstellern können daher auch Spiegelreflexkamera-Besitzer mit einem Adapter ihre "alten" Objektive auf der neuen Kamera ohne Umstellung weiterverwenden.

Starkes Konkurrenzfeld

Canon setzt nun darauf, dank seines hohen Bestands an Spiegelreflexkunden das Feld von hinten aufzurollen. Als monatliches Produktionsziel peilt der Konzern für den Anfang 100.000 EOS M an. Doch Experten sind noch nicht überzeugt, dass das Kalkül aufgehen wird. Mit ihren Funktionen sehe die Kamera zwar wettbewerbsfähig genug aus "Allerdings besitzt sie im Vergleich zu ihren Rivalen kein herausragendes Alleinstellungsmerkmal," urteilt Andy Westlake auf DPReview, der größten Kameraseite im Internet.

Darüber hinaus decken die Pioniere des Segments Panasonic und Olympus, aber auch Sony und Südkoreas Samsung mit mehreren Modellen und vor allem einer breiten Palette an Objektiven die gesamte Breite des Massenmarkts ab - vom Einsteiger bis hin zum Semi-Profi. Bis Canon diese Lücke schließen kann, werden noch Jahre vergehen.

In Österreich soll die EOS M im September auf den Markt kommen. Der Preis für das Kit (mit EF-M-18-55-mm-Objektiv) beträgt 849 Euro. (Martin Koelling aus Tokio, DER STANDARD, 25.7.2012)

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