Assad-Regime zieht Truppen in Aleppo zusammen

Massenpanik nach Beschuss einer Vorstadt von Damaskus - Geflohener Ex-Assad-Vertrauter nennt Regime korrupt

Amman - Die Kämpfe zwischen den Sicherheitskräften von Präsident Bashar al-Assad und Aufständischen in Syrien haben die Altstadt der Finanzmetropole Aleppo erreicht. Eine "große Anzahl von Soldaten" sei aus der Provinz Idlib abgezogen und nach Aleppo entsandt worden, sagte ein Sprecher des Militärrats der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) der Nachrichtenagentur AFP.

Nach seinen Angaben dauerten die Kämpfe um die 2,5-Millionen-Einwohner-Stadt weiter an. Die Moral der dort eingesetzten Regierungstruppen bezeichnete er als "sehr schlecht": Viele Soldaten würden weglaufen, Dutzende andere desertieren. Von unabhängiger Seite überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Massenpanik nach Armee-Feuer auf Vorstadt von Damaskus

Regierungstruppen haben Oppositionellen und Bewohnern zufolge am Mittwoch eine Vorstadt von Damaskus schwer unter Beschuss genommen. Hunderte Familien aus Tel seien auf der Flucht, sagten Regierungsgegner. Bei dem Angriff auf die von Rebellen gehaltene Stadt mit rund 100.000 Einwohnern in der Nacht seien vermutlich Wohnhäuser getroffen worden. "Militärhubschrauber fliegen über der Stadt. Die Leute sind durch die Explosionen wach geworden und versuchen wegzukommen", sagte ein Oppositioneller am Telefon.

"Pflicht aller Syrer"

Der Anfang Juli desertierte Brigadegeneral und frühere Assad-Freund Manaf Tlass warf den Regierungstruppen unterdessen Verbrechen vor. Das Regime sei korrupt, sagte der ins Ausland geflohene Tlass dem Sender Al-Arabiya. Er rief alle Syrier auf, gemeinsam auf eine neue Ära nach Assad hinzuarbeiten. Es sei "die Pflicht aller Syrer, sich zusammenzuschließen, um ein freies und demokratisches Syrien aufzubauen", so der abtrünnige General am Dienstagabend in einer vom Blatt abgelesenen Erklärung in dem saudi-arabischen Fernsehsender.

Das neue Syrien dürfe nicht "auf Rache, Ausgrenzung oder Monopole" aufgebaut werden. Es waren die ersten öffentlichen Äußerungen des ehemals hochrangigen Kommandeurs der Republikanischen Garden. Tlas war als einer der wenigen sunnitischen Muslime Teil des innersten Machtzirkels um Assad, der größtenteils aus Alawiten besteht.

Dutzende hochrangige Militärs haben sich abgesetzt, unter anderen als Reaktion auf Massaker der Regierungstruppen. Aktivisten berichteten am Dienstag, bei einem Angriff auf eine Moschee hätten Soldaten bis zu 30 Gläubige getötet. (APA/red, derStandard.at, 25.7.2012)

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