Lehrerbildung: Schmieds "Rektorsstorno"

Gastkommentar25. Juli 2012, 08:53
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Der Konflikt zwischen Bildungsministerin Schmied und Elmar Märk zeigt einmal mehr, wie wenig es in dieser Debatte um den Nutzen für die Schüler geht

Sowohl der Bildungsministerin, als auch Elmar Märk ist Respekt zu zollen! Der Ministerin, weil sie nicht auf die in der Politik übliche Konfliktvermeidung aus Bequemlichkeit setzt, Elmar Märk dafür, dass er noch vor der definitiven Berufung laut über verschiedene Optionen nachdenkt und damit Flexibilität lebt. (Der Standard hat über die Abberufung des designierten Rektors der Pädagogischen Hochschule (PH) Tirol berichtet.)

Meinungsslalom heizt Diskussion an

Man muss Nicht- oder "VielleichtdochPHrektor" Elmar Märk für seinen ihn ehrenden Meinungsslalom gegenüber Ministerin Schmied, das angeblich ein Bekenntnis zu den Pädagogischen Hochschulen war - im APA-Interview sah er die Lehrerbildung mittelfristig in den Universitäten - dankbar sein. So bekommt der Disput um die Lehrerbildung ein Gesicht und dies sichert jene Emotionen, ohne die es keinen nachhaltigen öffentlichen Diskurs gibt!

Ein sehr österreichischer Diskurs

Die Auseinandersetzung um die Lehrerbildung wird auf typisch "hoamatliche" Weise geführt. Zentrales Thema ist nicht, wie die Lehrerbildung künftig auszusehen hat, die der Quadriga der heutigen Aufgaben von Schule - Wissens- bzw Fähigkeitsvermittlung, Bildung, Integration, Betreuung - gerecht wird, sondern das Feilschen über die Verteilung von Pfründe sichernden Ressourcen.

Fragwürdige Motive

Nur um dies geht es bei der Frage "Lehrerbildung: Pädagogische Hochschule oder Universität?". Die Motive sind teils fragwürdige, die mit dem Nutzen für die Schüler nichts zu tun haben.

Gewerkschafter erwarten sich von einer universitären Ausbildung besoldungsrechtliche Vorteile. Die zu Hochschullehrern sublimierten, unversitätsseitig offen und oft zu Unrecht abqualifizierten Pflichtschulpraktiker fürchten um ihre Posten.

Die erste Hausaufgabe ist es, die künftige Lehrerbildung zu definieren. Dies kann sinnvoll nur auf breiter fachlicher Ebene geschehen. Gefragt ist das auf gleicher Augenhöhe stattfindende Zusammenwirken von Erziehungswissenschaftlern, Schulpraktikern und Experten, die erfolgreiche Schulmodelle im Ausland aus eigener Anschauung kennen.

Universitäten - ein idealer Ort für die Lehrerbildung?

Zwei Trends bereiten Sorge. Die Funktion der Universität als Stätte der Berufsausbildung wird zunehmend in Frage gestellt - dies ist eine Reaktion auf die Verschulung durch den Bologna-Prozess. Weiters gibt es die Tendenz, "Praktiker" zusehends zu marginalisieren, nicht ernst zu nehmen. Doch sie sind es, die pädagogischen Modellen zur Alltagstauglichkeit verhelfen.

Goethe: "Die beste Theorie taugt nichts, so sie sich in der Praxis nicht bewährt!"

Der Philosoph und Anarchist Gustav Landauer: "Hoch die Theorie - ich pfeife auf die Praxis!"

Schulentwicklung, die das Spannungsfeld dieser beiden nur scheinbar nicht kompatiblen Positionen verinnerlicht, kann nur gelingen!

Reformschübe möglich machen

Ein kleiner Exkurs zu Reformen allgemein: Die Steiermark erlebt nach Jahren eines rotschwarzen Regierungsfiaskos nun einen ernsthaften Reformschub. Bezirke wurden vereint, gleiches ist auf Ebene der Gemeinden geplant, die sich aber dagegen wehren.

Die Bürgermeister der Gemeinden des Feistritztales in der Oststeiermark dagegen verweigern sich dem üblichen "Njet-Reflex", setzen auf Gelassenheit, besuchten und "erlebten" jüngst fusionierte Gemeinden im Ausland. Das Ergebnis: diese steirischen Gemeinden entschlossen sich zur Fusion! Dies bringt Einsparungen, die Investitionen ermöglichen und so erheblichen Nutzen für die Bevölkerung schaffen!

Über den Tellerrand hinaussehen - aber wohin?

Gleiches ist den Gestaltern der künftigen Schule anzuraten. Die Orientierung an Finnland und Korea ist wenig hilfreich, da die Rahmenbedingungen nicht vergleichbar sind. Finnland ist ein dünn besiedeltes Land, in dem es das halbe Jahr Finsternis herrscht, in Ostasien hat Schule einen religiös/fundamentalistischen Stellenwert, der uns gottlob fremd ist. Mit Österreich in vergleichbar ist etwa der Mittelwesten der USA - es gilt also, die "hoamatliche" Überheblichkeit und die Berührungsangst gegenüber den USA zu überwinden - und von ihr zu lernen!

Erst wenn die "Lehrerbildung neu" definiert ist, stellt sich die Frage, welche Institution was beitragen kann - in diesem Disput haben weder Standesdünkel noch Besitzstandsdenken eine Rolle zu spielen, sondern - endlich - der Nutzen für die Schüler! (Ernst Smole, derStandard.at, 25.7.2012)

Autor

Ernst Smole lehrt "Allgemeine Mathetik & Didaktik" an der Konservatorium Wien Privatuniversität" und leitet das "Internationale Forum für Kunst, Bildung & Wissenschaft/Nikolaus Harnoncourt Fonds". Als Mitglied des" Musikbeirates" des BMUK Berater mehrerer MinisterInnen für Bildung & Kultur. Mitarbeit beim Bildungsvolksbegehren.

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