Düdelingen-Amas zu gut für Salzburgs Bullen

  • Der Sargnagel der Salzburger: Thierry Steinmetz.
    foto: apa /krug

    Der Sargnagel der Salzburger: Thierry Steinmetz.

  • Im Mittelpunkt: die freudestrahlenden und verdienten Aufsteiger.
    foto: apa/ krug

    Im Mittelpunkt: die freudestrahlenden und verdienten Aufsteiger.

  • Nicht zu beneiden: RBS-Coach Roger Schmidt und ...
    foto: ap/ andreas schaad

    Nicht zu beneiden: RBS-Coach Roger Schmidt und ...

  • seine Gurkentruppe.
    foto: reuters/herwig prammer

    seine Gurkentruppe.

Salzburgs Traum von der Champions League endet in einem desaströsen Fiasko - Düdelingens Amateure bleiben trotz einer 3:4-Niederlage dank der Auswärtstorregel im internationalen Geschäft

Salzburg - Häme ist nicht angebracht, schließlich geht es in der Qualifikation zur Champions League auch um das Wohl des österreichischen Fußballs. Also war es nur aberwitzig. Red Bull Salzburg wollte im fünften Versuch endlich Teil der Gruppenphase werden, es wurde die größte Blamage in der siebenjährigen Vereinsgeschichte. F91 Düdelingen, eine Art Barcelona von Luxemburg, ist zu gut gewesen. Das Team besteht aus Amateuren und Teilzeitbeschäftigten, die nun ein Problem haben. Ihre Urlaubstage sind aufgebraucht, aber vielleicht lassen die Arbeitgeber mit sich handeln. Bei den Salzburgern ist die Lage klar. Sie haben jeglichen Kredit verspielt. Trotz eines Sportdirektors Ralf Rangnick.

Start mit acht Österreichern

Trainer Roger Schmidt, ein Deutscher, begann mit acht Österreichern, das sollte ein Zeichen sein. Es war ein Rekord in der Red-Bull-Histoire, bisweilen kickten/verloren elf Legionäre. Man will halt die besten Talente des Landes finden, ausbilden und langfristig binden. Die acht Einheimischen bewiesen eindrucksvoll, dass sie zumindest an diesem Tag mit den Besten des Landes nicht einmal am Rande zu tun haben. Schon in der ersten Halbzeit gestattete man den Luxemburgern vier Konter, einer führte zu 0:1 durch Herrn Thierry Steinmetz (26.). Jakob Jantscher glich zwar zwei Minuten später aus, Martin Hinteregger köpfelte knapp vor der Pause das 2:1. Der Treffer war an Hässlichkeit nicht zur überbieten, möglicherweise war sogar die Hand im Spiel. Vom Oberarm prallte der Ball aufs Knie und von dort in den Kasten. Hinteregger hat eigentlich gar nichts gemerkt.

Ein Tor hätte zum Aufstieg noch gefehlt, Düdelingen schoss nach der Pause allerdings zwei Treffer. Zunächst glich der gemeine Sportlehrer Aurelien Joachim, der auch schon in Luxemburg getroffen hatte, aus. Er marschierte in der 48. Minute quasi durch halb Salzburg. Steinmetz erhöhte per Weitschuss (57.) auf 3:2. Man könnte den Salzburgern zugutehalten, dass die Moral gestimmt hat. Hilfreich war die zweite gelbe Karte für Benzouien (75). Schmidt brachte die Legionäre Cristiano und Zarate, die fielen halbwegs positiv auf, stellten auf 4:3. Die Luxemburger wurden von Krämpfen geplagt, das kommt bei Amateuren und Halbprofis vor. Auch die fünfminütige Nachspielzeit haben sie überstanden. Der Aufstieg war überhaupt nicht unverdient, das steigerte die Salzburger Pein. Dietrich Mateschitz verfiel auf der Tribüne, Teamchef Marcel Koller schaute auch nicht fröhlich drein.

"Große Enttäuschung, eine Katastrophe"

Die Salzburger Spieler haben sich natürlich nicht entleibt (nur geniert), der Fußballsport wird weiter betrieben. In dieser Saison ausschließlich in Österreich. Hinteregger: "Eine Katastrophe." Trainer Schmidt sagte: "Dass wir den Weg nach Europa nicht geschafft haben, ist eine große Enttäuschung. Auch wenn es uns schwer fällt - wir haben es in zwei Spielen nicht geschafft, den Gegner auszuspielen. Wir müssen uns jetzt professionell verhalten und Wiedergutmachung betreiben."

Düdelingens Präsident Romain Schumacher hatte nach dem 1:0 im Hinspiel gesagt: "Wir haben den Tiger nur gereizt. Wenn wir weiter kämen, wäre das keine Überraschung, sondern ein Wunder." Am 24. Juli ist das Wunder eingetreten. Der Tiger oder auch Bulle wurde erlegt. Er war nur ein Kätzchen oder Kälbchen. Oder ein Mäuschen. Ganz sicher war er ein armseliges Würmchen. (red, DER STANDARD, 25.7.2012)

Qualifikation zur Fußball-Champions-League - 2. Runde, Rückspiel:

Red Bull Salzburg - F91 Düdelingen (LUX) 4:3 (2:1)
Stadion Wals-Siezenheim, SR Pavle Radovanovic/MNE. Hinspiel 0:1 - Düdelingen mit Gesamtscore von 4:4 dank Auswärtstorregel weiter

Torfolge:
0:1 (26.) Steinmetz
1:1 (28.) Jantscher
2:1 (37.) Hinteregger
2:2 (48.) Joachim
2:3 (57.) Steinmetz
3:3 (81.) Cristiano (Foulelfer)
4:3 (82.) Zarate

Salzburg: Walke - Schwegler (74. Klein), Ilsanker, Hinteregger, Ulmer - Mendes, Leitgeb (59. Zarate) - Teigl, Hierländer, Jantscher -
Maierhofer (46. Cristiano)

Düdelingen: Joubert - Prempeh, Caillet, Tournut, Melisse - Payal (89. Zeghdane), Legros - Benzouien, Steinmetz (80. Steinmetz), Da Mota (87. Betorangal) - Joachim

Gelb-Rot: Benzouien (74.)

Gelbe Karten: Jantscher, Schwegler bzw. keine

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