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Grazer Forscher versuchen die Mechanismen dahinter und damit Angriffspunkte gegen Fettsucht und Diabetes zu finden.
Begonnen hat alles mit einem rätselhaften Muster, das Nuklearmediziner bei der Untersuchung von Tumorpatienten im Computertomografen immer wieder beobachteten. Erst 2009 konnten Forscher eindeutig nachweisen, dass es sich bei dieser geheimnisvollen Beobachtung um braunes Fettgewebe handelte.
"Damals ist auf der anatomischen Landkarte des erwachsenen Menschen ein neues Gewebe verzeichnet worden", beschreibt Marcel Scheideler vom Institut für Genomik und Bioinformatik der TU Graz die Tragweite dieser Entdeckung. Dass Mäuse und Ratten braunes Fettgewebe haben, wusste man schon länger. Beim Menschen aber ging man davon aus, dass dieses Gewebe mit dem Babyspeck im Alter von zwei, drei Jahren vollständig aus dem Körper verschwindet. Ein großer Irrtum, dessen Aufklärung neue Möglichkeiten im Kampf gegen Übergewicht und Diabetes verspricht.
Die Aufgabe des braunen Fettgewebes ist es, aus der im weißen Fettgewebe gespeicherten Energie Wärme zu erzeugen. Schaltet man bei Mäusen das braune Fettgewebe genetisch aus, werden die kleinen Nager bei gleicher Ernährung in absehbarer Zeit zu Fettwänsten. Beim Menschen konnte man bisher nur erkennen, dass das braune Fettgewebe mit zunehmendem Alter und Gewicht weniger wird.
Allerdings gibt es Ausnahmen: So beobachtete man, dass der braune Fettanteil eines 50-jährigen Eiswasserschwimmers dem eines Jugendlichen entsprach. "Man kann also seine braunen Fettreserven aktivieren, indem man sich regelmäßig der Kälte aussetzt", erläutert Scheideler. "Tut man nichts, bilden sie sich allmählich zurück und werden möglicherweise in weißes Fettgewebe umgewandelt."
Dunkle Materie der Biologie
Also eisige Duschen als Schlankmacher? Ja, aber es gibt auch eine andere Möglichkeit. Wenn es gelänge, das energiespeichernde weiße Fettgewebe teilweise in Energie verbrennendes braunes Fett umzuwandeln, ginge das wohl auch ohne Eistauchen. Um braunes Fettgewebe als Fettkiller nutzen zu können, müsste man jene Regulatoren finden, welche die Fettzellentwicklung steuern. Eine Aufgabe, der sich Scheidelers Forschungsteam "RNA-Biologie" verschrieben hat.
Was aber hat die RNA (Ribonukleinsäure), die genetische Informationen übersetzt und transportiert, mit dem Fettgewebe zu tun? "Bis jetzt", sagt Scheideler, "hat man sich vor allem die proteinkodierenden Abschnitte im Erbgut angeschaut. Diese machen aber nur maximal zwei Prozent des gesamten Erbguts aus. Mittlerweile weiß man, dass ein Großteil des Erbguts transkribiert, also abgeschrieben wird." Es existiert also eine enorme Zahl an Genen, die Transkripte, aber niemals Proteine bilden.
Die am besten erforschte Klasse dieser Transkripte sind Mikro-RNAs. Sie fangen Bauanleitungen für Proteine gezielt ab und hemmen damit die Proteinbildung. "Wahrscheinlich", so der Forscher, "stehen mehr als die Hälfte aller proteinkodierenden Gene unter der Kontrolle solcher MikroRNAs." Erstaunlicherweise haben komplexe Organismen keineswegs mehr proteinkodierende Gene als einfachere. Es gibt sogar Einzeller, die über mehr solcher Erbfaktoren verfügen als der Mensch. Das hat die Wissenschafter anfangs sehr verblüfft. Doch seit bekannt wurde, dass man den Einfluss der noch unerforschten "dunklen Materie der Biologie" bislang extrem unterschätzte, ahnt man, wo und wie das große Geheimnis zu lüften ist.
Auf der Suche nach neuen Angriffspunkten gegen Fettsucht und Diabetes hat das RNA-Forschungsteam zunächst die proteinkodierenden Gene während der Fettzellentwicklung unter die Lupe genommen: "Dabei haben wir herausgefunden, dass viele dieser Gene nicht an-, sondern abgeschaltet werden", berichtet Scheideler. "Daraus haben wir geschlossen, dass auch MikroRNAs am Geschehen beteiligt sind." Die Vermutung stellte sich schließlich als Faktum heraus: "Wir haben aus 40 infrage kommenden Kandidaten von mehr als 600 zwei MikroRNAs genauer charakterisiert und konnten nachweisen, dass sie tatsächlich einen Einfluss auf die Fettzellentwicklung haben."
Menschliches Zellmodell
So hemmt "MikroRNA-27b" das Schlüsselgen der Fettzellentwicklung. Da diese normalerweise abgeschaltet wird, bei Diabetes aber vermehrt im Fettgewebe gebildet wird, könnte sie als neues Wirkstoffziel bei dieser Erkrankung genutzt werden. Identifiziert wurde auch die "MikroRNA-30c", welche die Fettzellbildung über zwei Proteine steuert. Eines davon wird als Hormon vom Fettgewebe freigesetzt und ist an der Entstehung von Diabetes beteiligt.
Basis dieser wegweisenden Erkenntnisse ist ein von französischen Kooperationspartnern entwickeltes Zellmodell aus adulten menschlichen Stammzellen. "Wir fanden heraus, dass aus diesen Zellen sowohl weiße als auch braune Fettzellen entstehen können", sagt Scheideler. "Es ist damit das erste Zellmodell, mit dem man die Entwicklung von weißem und braunem menschlichem Fettgewebe studieren kann." Nun suchen die Forscher unter Hochdruck jene Regulatoren, die an der Umwandlung der energiespeichernden weißen in Energie verbrennende braune Fettzellen beteiligt sind.
Parallel dazu arbeiten sie im Projekt NanoFat, das vom Land Steiermark gefördert wird, gemeinsam mit Kollegen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Grazer Med-Uni an der Entwicklung eines effektiven Arzneimittel-Transports in Fettzellen mittels Nanopartikel.
Nanopartikel bieten sich aus mehreren Gründen als "Medikamenten-Taxis" an: Sie können einen Wirkstoff durch Einschluss vor dem Abbau schützen, ihre Oberfläche kann zum Andocken an die Zielzellen verändert werden, und überdies schützen sie die Arzneistoffe vor dem Immunsystem. Gelingt es den Forschern, auf diese Weise eine tragfähige "Infrastruktur" für die Adipositas-Behandlung zu schaffen, wäre damit ein großer Durchbruch gelungen.
Immerhin gibt es bislang kein Medikament, mit dem Fettsucht effektiv behandelt werden kann. Angesichts von weltweit 500 Millionen fettleibigen und 1,5 Milliarden übergewichtigen Menschen ist der Bedarf an wirksamer medikamentöser Hilfe jedenfalls enorm. Grund genug, auch auf EU-Ebene die Forschung in diesem Bereich zu forcieren. Etwa durch das Projekt Diabat, in dem die Grazer Fettforscher mit Experten aus zwölf Nationen die Aktivierungsmöglichkeiten von braunen Fettzellen studieren, um sie gegen Fettsucht und Diabetes einzusetzen - und ihnen eine kalte Abfuhr zu erteilen. (Doris Griesser, DER STANDARD, 25.7.2012)
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Würde schon genügen, fettfördernde Lebensmittel sehr hoch zu besteuern, was ja ein Leichtes wäre, wenn die Wirtschaft mit ihren mächtigen Bonzen sich nicht dagegen wehren würde! Solche Maßnahme würde ziemlich schnell die Fettsüchtigen reduzieren, denn - obwohl es hier wohl fast alle bestreiten, wie auch dass Lungenkrebs vom Rauchen kommt -, kommt Fettsucht von der Ernährung, sonst hätte es im Krieg ja auch so viele Fette geben müssen, oder nicht?
Zusatz: Ich bin selber zu fett, doch ich weiß, dass ich selber dran schuld bin und stehe dazu! :-)
dass das Aufrechterhalten der Körpertemperatur umso mehr Energie verbraucht, je niedriger die Umgebungstemperatur ist.
Leider antworten endotherme Organismen auf Kälte aber gerne mit Fettansatz, wie der Eisschwimmer im Bild oben zeigt. Und das nicht nur der Energiereserven wegen, sondern auch weil wegen des im Verhältnis zur Körperoberfläche stärker wachsenden Volumens der Wärmeverlust gesenkt wird.
Übrigens: wenn durch das Aktivieren der braunen Fettzellen Fett verbrannt wird, entsteht einiges an Wärme, die abgeleitet werden müsste...
Wär eine interessante information gewesen, wie lange man sich welcher temperatur aussetzen muss, um den mechanismus zu aktivieren. (Ich meine damit nicht im sinne einer therapie.) Bringt täglich fünf minuten kalt duschen schon was? Oder muss es eine halbe stunde in eiswasser sein? Oder wie?
Eine halbe Stunde Eiswasser werdens net ohne gröbere Folgen überstehen... aber wenn sie 10-15 Minuten ins kalte Becken der nächstgelegenen Therme gehen (die haben sowas normalerweise) passt des, dannach noch ordentlich Sport machen, dann verbrauchen noch mehr Energie...
wozu forscht man dran? das ist ja wie das jaehrliche fettabsaugen. man bleibt fuer ein paar wochen relativ schlank, damit man sich dann wieder bis zur naechsten fettabsaugung vollfressen kann. erziehung haette hier viel mehr sinn, wobei man respekt vor dem eigenen koerper eh nicht lernen kann.
fuer die unverbesserlichen empfehle ich die gute alte pfauenfeder...
So ein Blödsinn: Menschen, die dazu neigen dick zu sein, machen meist viele Diäten in ihrem Leben. Ich habe 35 Jahre lang Diäten gemacht und bin erst am Schluß richtig dick geworden - wegen der Diäten. Meist ist der einzige langfristige Effekt einer Diät, dass man den Körper auf Sparsamkeit trainiert, man senkt den Grundumsatz, baut Muskelmasse ab und verschärft die Ernährungsproblematik weiter.
Jetzt habe ich gelernt, dass man neben der Ernährungsumstellung auch seinen Grundumsatz konsequent heben muss, und dazu hilft natürlich dieses Fettbrennen des braunen Fetts. Außerdem friert man dann nicht so leicht, ist ja auch was.
Aufgrund dieses Wissens, das ich noch aus Bibliotheken holen musste, ist mein BMI jetzt dauerhaft bei 25-26.
Und die ganzen Geschlechtskrankheiten behandeln wir auch nimmer, weil die Leute ja zu blöd waren nen Gummi zu verwenden.
Und Sportunfälle auch nicht.
Raucher schon gar nicht.
Alkoholkranke, Suchtkranke, Autounfälle...
Sind se doch eh alle selber schuld wenn se das Zeug machen oder?
/ironie
Das Übergewicht und damit einhergehend auch der Diabetes wird auch als Stoffwechselchaos bezeichnet. Und wir wissen mittlerweile, dass durch eine Reihe von chemischen Substanzen dieses Chaos verursacht wird. Natürlich spielt die Bewegungsarmut und zuckerreiche Ernährung auch eine Rolle. Aber die epidemische Zunahme des Übergewichts dürfte eher an den Giften der Umwelt liegen. Wenn ich jetzt beginne am braunen Fettgewebe zu forschen, hinterfrage ich ja wieder nicht die Hintergründe des Geschehens und werde sie auch nicht lösen; daher für mich ein grundfalscher Ansatz.
Wissenschaftlich heißt das das "Metabolische Syndrom". Leider kann mit dem Leid der Menschen viel Geld verdient werden und deswegen gibt es viele "Experten von eigenen Gnaden", die sich alle ihre eigenen Phantastereien zusammenspinnen. Man würde einer MathematikerIn eine komplexe Beweisführung ja auch einfach glauben, sie ist schließlich die ExpertIn. Aber bei der Ernährungswissenschaft kommen dann auf einmal die Gurus. Und dann rennt Ihr auch noch hinterdrein! Seid doch bitte nicht so dumm!!
Hier ein interessanter Artikel der DGE, die auch sonst eine Autorität auf dem Gebiet ist:
http://www.dge.de/modules.p... e&sid=1032
Der Ausdruck metabolisches Syndrom ist richtig, berits ein alter Hut seit 30 Jahren. Heute sagt man meistens Stoffwechselchaos und man spricht von epigenetischen Veränderungen, das ist der jetzige Stand der sogenannten Wissenschaft. Doch kein Mensch hinterfragt ernsthaft, woher diese Epidemie kommt? Mittlerweile haben fast 50% der Menschen in der westlichen Welt dieses Stoffwechselchaos, in den Staaten noch mehr. Der Grund liegt natürlich nicht im braunen Fettgewebe, das ist nur ein unbedeutendes Symptom. Und glaubst du wirklich, den übergewichtigen Südländlern Kälteexposition zu empfehlen? Das ist doch absurd und kindlich. Alles weist derzeit darauf hin, dass das metabolische Syndrom mit der Summe der toxischen Belastungen zu tun hat.
Diese könnten diese epigenetischen Veränderungen bewirken. Auf anderen Gebieten hat man ja bereits ähnliches gefunden, wir die Entstehung von Zwitterfischen bei Bisphenol A Aufnehme, bei der Entstehung von Brustkrebs durch übermäßige Hormongaben oder hormonelle Disrupturen. Und du kannst mir glauben, ich laufe keiner Ernährungswissenschaft hinterher, das würde ja wiederum nur bedeuten, unwichtige Symptome zu beachten. Aber ich hänge ach nicht engstirnigen Wissenschaften an, sondern versuche, die globalen Zusammenhänge im Auge zu behalten. Und die neuesten Studien über die Zunahme der Adipositas in Europa sind erschreckend. Das kann man nicht nur mit dem Bewegungsmangel erklären. Noch einen schönen Tag....
das ist ja schön....diese "umweltgifte" würden die an unterernährung leidenden afrikaner auch gerne kriegen. man muss gar nix essen und wird trotzdem dick. damit könnten wir das welternährungsproblem glatt lösen.............joke of the week!
Dein Posting ist nur zynisch. Fakt ist, dass auch in Gegenden in Afrika, wo teils Menschen hungern, ein anderer Bevölkerungsanteil an Übergewicht leidet, zunehmend. Und besonders ist dieses Phänomen des Übergewichts in der westlichen Welt an die sozial niedrigeren Schichten (schrecklicher Ausdruck) gebunden. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass diese sich weniger der Kälte aussetzen als andere, so ein Blödsinn. Wahrscheinlich gibt es eben den zusammenhang mit der Art der Ernährung, die voll mit Chemikalien und reich an Zucker ist.
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