Das griechische System verstehen

Kommentar der anderen | Hans Rauscher, 24. Juli 2012, 18:39

Griechenland ist kein richtiger Staat, sondern eine Ansammlung von Interessengruppen, die das öffentliche Gut unter sich aufteilen

Im September droht Griechenland der Staatsbankrott. Wieder einmal. Wenn nicht die EU oder doch der IWF noch einmal und immer wieder aushelfen.

Die Vermutung ist, dass man Griechenland doch nicht bankrottgehen lassen wird, weil dies eine enorme, unkalkulierbare Niederlage für den Gedanken der Europäischen Union wäre. Ehe man aber weitermacht, sollte man sich über eine Grundwahrheit im Klaren sein, diese akzeptieren und dann über mögliche Maßnahmen nachdenken:

Griechenland ist ein strukturell bankrotter Staat. Es musste seit der Unabhängigkeit im frühen 19. Jahrhundert so alle 50 Jahre von ausländischen Mächten gerettet werden. Es ist auch gar kein richtiger Staat, sondern eine Ansammlung von Interessengruppen, die das öffentliche Gut unter sich aufteilen und die Beute an ihre jeweilige Klientel in der Wahlbevölkerung weitergeben.

In der deutschsprachigen "Griechenland Zeitung" hat der Mannheimer Historiker Heinz A. Richter die tiefgreifenden Unterschiede zwischen der griechischen und der westeuropäischen politischen Kultur herausgearbeitet: Griechenlands politisches System beruht auf reinem Klientelismus (entstanden in der 400-jährigen türkischen Besatzung), die Parteien verteilen einfach Staatsgelder und Posten an ihre Anhängerschaft. Da Griechenland mit wenigen Ausnahmen nichts produziert, was irgendwer auf der Welt kaufen will, geht dem Staat in regelmäßigen Abständen das Geld aus. Dann gewähren ausländische Mächte aus geostrategischen Gründen weiter Kredite.

Das war unmittelbar nach dem Unabhängigkeitskampf 1821 gegen die Türken so und seither immer wieder: im Ersten Weltkrieg, im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Danach gab das erschöpfte Großbritannien seine Mentorenrolle an die USA ab. Von denen übernahm dann die EU. Der Eurobeitritt wurde von der griechischen Regierung - und Bevölkerung - als willkommener Anlass genommen, einen nie gekannten Wohlstand auf (billigen) Kredit zu finanzieren.

Alle - alle - Parteien, auch die halb kommunistische Syriza, gehen davon aus, dass die EU (oder irgendwer) Griechenland und sein Klientelsystem schon durchfinanzieren werde.

Daraus folgt, dass jeder, der Griechenland helfen will (und dafür gibt es gute Gründe), zunächst einmal das griechische System verstehen muss. Merkel tut das nicht, sonst hätte sie nicht den verzweifelten Versuch des sozialdemokratischen Premiers Papandreou ausgebremst, das Volk mit einem Referendum hinter das Sparprogramm zu bringen. So gestärkt, hätte sich Papandreou besser gegen die eigenen Filzokraten und gegen den verantwortungslosen Oppositionellen Samaras durchsetzen können. Letzterer ist heute Regierungschef und ein kompletter Vertreter des alten Systems.

Dieses System muss überwunden werden. Ein System übrigens, das wahrscheinlich eine Mehrheit der griechischen Bevölkerung ablehnt, in dem sie aber mitmacht, weil sie - bisher - glaubt, nicht anders zu können. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 25.7.2012)

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Ob sich die auch die Tips vom Ernstl und vom KHG geben haben lassen bzw. da Pulibär ihnen ein paar U-Boote aufschwatze.

Spaetestens seit heute duerfen wir

GR mit Kaernten substituieren und versuchen zu verstehen.

Muessen wir hier wirklich versuchen zu verstehen? Ist nicht voellig klar was da passiert?

Wann werden Kaertner/innen aufhoeren Steuern zu zahlen?
Wann werden Menschen aufhoeren Kaerntnern nur irgend etwas abzukaufen.
Wann werden Laender sagen: Kaernten soll sich einen Kaerntner Taler geben, und abwerten, warum sollen wir mit unserem Steuergeld die Misthaufen der Korrupties finanzieren?
Wann wird die Kaerntner Arbeitslosigkeit auf 25% angestiegen sein?
Wann werden in Kaernten Mathematikstudenten auf ihre Elternhoefe zurueck kehren und Kuehe melken?

der unterscheid zwischen kärnten und griechenland ist ein banaler

in grauer vorzeit gehörten die einen zur kuk monarchie und die anderen zum osmanischen reich. und dieser unterschied verfolgt südosteuropa bis heute.

aus heutiger sicht: die einen kann man quälen und es wird vielleicht was und bei den anderen ist alles von vornherein verloren.

verloren?

diese aussage erfolgt wahrscheinlich in unkenntnis der arbeiten von dr. jose rizal (19.jhd!), dessen land heute sein schicksal in die eigenen hände nimmt und über 6% wachstum verzeichnet, auch wenns immer noch gigantische probleme gibt.
aber die stimmung ist eine ganz andere. und das ist eine kulturelle leistung. davon kann man lernen.

rizal ist natürlich nicht der einzige mit einem wissen, das zur geistigen entkolonialisierung beitragen kann.

die unterscheide sind ja das problem

mit den herkömmlichen wirtschaftspolitischen mitteln hüpft man nicht weit, wenn dort finanzverwaltung, grundbuch etc fehlen. da versickert das geld systembedingt - eben verloren von anfang an.

und das ist eben ein erbstück von damals.

Eigentlich ist das die Chance der EU

sind als Entwicklungshelfer für staatliche Strukturen zu beweisen. Das ist ja in anderen Ländern der EU auch notwendig, aber in Griechenland anscheinend am meissten.

Und an die "Undemokratisch"-Schreier die immer kommen wenn irgendwo eine Intervention von aussen erfolgt: ja, das ist eben manchmal hilfreich. Wurde ja auch in Libyen gemacht.

"ja, das ist eben manchmal hilfreich. Wurde ja auch in Libyen gemacht."

Ist das wirklich ernst gemeint?

Ich finde die derzeitige Situation in Libyen auf jeden Fall nicht geeignet, um darüber Scherze zu machen.

???

nicht, dasz man so erfreuliches aus Lybien hoerte

Der einzige Unterschied zu Österreich ist, das es hier nicht ganz so heiss ist und die Leute etwas mehr arbeiten. Selbstbedienungsläden sind beide Staaten, wobei eine gewisse Umverteilung ja sehr gut ist, da der Wettbewerb zu wünschen übrig lässt, aber wohin umverteilt wird ist das Problem. Von Leistungsträger im Arbeitsprozess zu Abzockern in Politik und Geldadel. Während Studenten, Arbeitslose usw. jahrelang beschimpft wurden, heute ist die Lage wenigstens klar.

das klima wirkt sich aber doppelt aus.
nicht nur, dass es wirtschaftlich die wettbewerbsfähigkeit ohne jede schuld verringert, man kann zwar auf mehrere weise gegensteuern,
es wird auch gedisst, dass die menschen in heissen ländern faul, aufsässig, unehrlich usw. seien, weil sie einfach nicht bereit sind, unsere lebens- und arbeitsweise zu befolgen.
und das ist ein destruktiver teufelskreis auf der sozialen ebene.

also unehrlich ist vor allem der Engländer und Amerikaner.
Das sie faul sind, naja müssen ja ständig für die oben genannten hackeln, da kommt erst recht keine Freude auf. Ehrlichere Menschen als im Süden gibts selten, nur die Pest die der Kapitalismus einschleppt vernichtet all das.

der stil des beschimpfens hat also eine kolonialistische vorgeschichte, und dient zum rechtfertigen sozialer stände und klassen, und zur ausbeutung der einen durch die anderen.

Schoene Demokratie

Die Interessengruppen werden es immer wieder fertigbringen, ihre Interessen durchzusetzen, und im Zweifelsfall auch mit einem Bankrott ganzer Laender. Das ist den Interessengruppen egal, denn deren Gelder sind auf irgendwelchen Inseln in guten Waehrungen angelegt.

Und dieses System ist weltweit so. Das Ganze nennt sich "Kapitalismus", und manchmal auch "Demokratie" wie in Pleite-Griechenland...

Wieso schreibt rau unter "Andere"?

"Griechenland ist kein richtiger Staat, sondern eine Ansammlung von Interessengruppen, die das öffentliche Gut unter sich aufteilen"

Und wo ist jetzt der Unterschied zu Österreich oder einem anderen kapitalistisch-bürgerlichen Staat?

mal sehen, ob sie

es diesmal freischalten
Leg dich in ein Spital in Palermo u. dann ins AKH, denn kennst den Unterschied

na geh rau und die anderen staaten sind was anderes? das glauben sie ja selbst nicht einmal. aber schön das sie mal öffentlich schreiben wie staaten funktionieren.

ja, doch

deutlich sogar

bitte, leg

dich in ein spital in Palermo u. dann ins AKH
nicht auf die Freischaltung warten, das Forum funktioniert nur bedingt

guter Artikel.

hier wird GR als wenig attraktiver Staat dargestellt (" Interessensgemeinschaft, kein Staat, produziert fast nichts, ....").

Warum ist die EU trotzdem so "vernarrt" in GR?
Nach meinem Verständnis ist die Eu (nach-wie-vor) eine Wirtschaftsgemeinschaft.
Da GR nichts wirtschaftliches zu bieten hat, sollte die EU an GR nicht festhalten.

Trotzdem zeigt uns die EU täglich, dass GR unterstützt wird wie ein Musterkandidat.

Wo ist da Widerspruch? Was habe ich da übersehen?

Da GR nichts wirtschaftliches zu bieten hat, sollte die EU an GR nicht festhalten.

Die Antwort liegt in der Formulierung: Es gibt nicht "Die EU" - es gibt eine Fülle von Menschen die etwas entscheiden. Und es ist nicht deren Geld, welches nach Griechenland verschoben wird. Und wenn es deren Geld ist, dann wird es mit der Absicht verschoben, es zu mehren.

"Griechenland ist kein richtiger Staat, sondern eine Ansammlung von Interessengruppen, die das öffentliche Gut unter sich aufteilen"

Nach den heutigen Entwicklungen im Birnbacher-Martinz-Prozess bitte Griechenland streichen und durch Österreich ersetzen.

Gehs bitte...

...Kärnten das ist im Vergleich zu Griechenland "Peanuts" oder ein Lercherlschaß!

weiß zufällig jemand, was eigentlich aus dieser patriotischen "anleihen-kaufen-und-verbrennen" aktion wurde, die irgendein reicherer grieche initiierte. bzw. wie die läuft?

ich fänd das ja echt voll geil, wenn diese geschichte aufginge - weiter kann man der welt kaum die zunge rausstrecken ...

Türkei ?

Langsam wäre es an der Zeit, dass die Türkei die Aufgabe des Mentors übernimmt. Abwechslung schadet nicht.

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