Italiens Regierung: "Monti forever!"

Kommentar24. Juli 2012, 18:33
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Monti ist kein effektheischender Politiker, sondern tritt unspektakulär und besonnen auf

Als sich Mario Monti Anfang Juli in Aix-en-Provence mit dem französischen Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici traf, gab der parteiunabhängige Übergangspremier Italiens zu verstehen, dass er 2013 kandidieren könnte; er wolle aber nicht weiter darüber sprechen, um sein Regierungsprogramm - Italien aus dem Minenfeld der EU-Krise zu holen - nicht zu gefährden. Die Spekulationen, die seit Montis Regierungsantritt im November 2011 ohnehin nie abgerissen waren, bekamen frische Nahrung - noch dazu vom Chef persönlich, der bis dahin alle diesbezüglichen Ambitionen dementiert hatte.

Montis "Versprecher" kam zu der Zeit, als sein Vorgänger Silvio Berlusconi laut über ein Comeback nachdachte. Vor allem liberale Medien warnen vor diesem Szenario und propagieren nun offen: "Monti forever!"

Was kann der renommierte Wirtschaftsprofessor und ehemalige EU-Kommissar, was andere nicht können? Er ist vor allem kein effektheischender Politiker, sondern tritt unspektakulär und besonnen auf. Viele Italiener sehen in der Ära Berlusconi den Grund für die heutige Malaise und wollen diese Zeiten endgültig begraben. Nur Monti wird es gestattet, von schmerzhaften Entbehrungen zu sprechen, ohne vor die Tür gejagt zu werden. Und dieser Sicherheitsfaktor - Monti nicht bis 2013, sondern bis 2018 am Steuer zu wissen - soll Märkte und Ratingagenturen beruhigen. Es bedarf eines Nichtpolitikers, um Politik zu machen. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 25.7.2012)

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