Pastorentochter droht mit der Todesstrafe

24. Juli 2012, 18:19
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Erst vor kurzem hat Carol Chambers die Preise für den diesjährigen Anti-Gewalt-Wettbewerb an Schulen im US-Bundesstaat Colorado vergeben. Derartige Auftritte in der Öffentlichkeit hält die Chefanklägerin des 18. Justizdistrikts (von insgesamt 22 in Colorado) für wichtig. Gerade jungen Menschen müsse rechtzeitig vermittelt werden, welche Folgen Gewalt haben könne und welche Vorteile Frieden und eine gerechte Justiz brächten.

Bei dem 24-jährigen Amokschützen, dem vorgeworfen wird, in einem Kino in Aurora bei einer Batman-Premiere zwölf Menschen erschossen zu haben, ist diese Botschaft nicht angekommen. Und jetzt hat er es erst recht mit Carol Chambers zu tun. Die blonde Staatsanwältin ließ bereits anklingen, dass in ihrem Bundesstaat die Todesstrafe verhängt werden könne. Zwei von drei Häftlingen, die derzeit im Todestrakt eingesperrt sind, sollen von ihr dorthin gebracht worden sein.

Medizinisch bewandert

Aufgewachsen ist die Juristin nicht im Swing State Colorado, wo derzeit die Demokraten das Sagen haben, sondern ziemlich weit weg in Ohio - heute ebenfalls ein Bundesstaat, in dem das Match zwischen Republikanern und Demokraten immer spannend ist. In ihrer Kindheit aber war das Land, das die meisten deutschstämmigen Bewohner in den USA hat, klar konservativ dominiert. Die Familie selbst - Carol Chambers hat drei Brüder und eine Schwester - war stark geprägt von der presbyterianischen Kirche. Ihr Vater war Pastor, und ihre drei Onkel waren ebenfalls der Kirche verpflichtet.

Frühe Berufserfahrungen sammelte sie unter anderem als Krankenschwester in Texas und später in der Notaufnahme von Krankenhäusern in Denver. Seit jenen Tagen begleitet sie auch der offene Umgang mit medizinischen Themen, auch aus ihrer Brustkrebserkrankung im Jahr 2002 hat sie nie ein Geheimnis gemacht. Die Krankheit hat sie nach eigenen Angaben vollkommen besiegt.

In Denver schließlich absolvierte Chambers das Studium der Rechtswissenschaften und stieg ins Büro der Staatsanwaltschaft ein, wo sie auch ihren späteren Ehemann Nathan, der dort neun Jahre als Ankläger arbeitete, kennenlernte. 1998, ein Jahr vor dem Schulmassaker von Littleton mit insgesamt 15 Toten (darunter die beiden Attentäter), gründete sie eine spezielle Hilfe-Abteilung für junge Opfer von Verbrechen und deren Angehörige. Diese Abteilung existiert bis heute - und wird bis heute immer wieder gebraucht. (Michael Simoner, DER STANDARD, 24.7.2012)

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    Carol Chambers, Chefanklägerin in Colorado.

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