Lufthansa kommt aus dem Streiten nicht heraus

Europas größte Airline wirft Berater hinaus und muss sich für Werbung entschuldigen

Wien - Die mediale Präsenz der Lufthansa war selten schlechter als in den vergangenen Monaten. Ein kleiner Auszug aus der Berichterstattung im Juli und Juni: Lufthansa erhöht Preise auf vielen europäischen Flügen, Lufthansa droht großer Sommer-Streik, Lufthansas fliegende Leiharbeiter, Lufthansa-Chef ist sauer auf München, sexistische Werbung bei Lufthansa, Lufthansa zählt Germanwings an, Flugmeilen für Zahnersatz, Lufthansa-Köche in Not, Lufthansa startet Sparprogramm.

Unternehmenskultur auf Prüfstand

Und das aktuelle "Manager-Magazin" widmet der Airline und ihrem Chef Christoph Franz gar eine (wenig rühmliche) Cover-Story, in der u. a. die fundamentale Krise, in der Europas größer Airline ist, beschrieben wird: Auf Geheiß des Vorstandes sollte das Berliner Beratungsunternehmen IFOK die Hauskultur der Lufthansa eruieren. Die Präsentation des Ergebnisses vor den 50 höchsten Managern fiel, so das Magazin, desaströs aus: An vielen Stellen herrsche Selbstherrlichkeit, man sperre sich gegen Einflüsse von außen und sei unfähig zu Veränderungen. Viele Blockaden hingen zudem mit einem Machtkampf zusammen, einer Frontstellung zwischen Franz und seinem Vorstandskollegen Carsten Spohr. An dieser Stelle wurde die Präsentation abgebrochen, der Berater wurde seinem Job los und das Projekt mit dem Namen Diversity - Culture Change" wird neu ausgeschrieben. Andreas Ingerfeld, aus der IFOK-Geschäftsführung sagte auf Anfrage des Standard zu der Causa nur monoton: "Kein Kommentar."

Dazu kommt der Streit mit den Vielfliegern des Lufthansa eigenen Miles-&-More-Programms. Statt sich mit dem Vielflieger und IT-Professor Tobias Eggendorfer gütlich zu einigen - er hatte wegen der unangekündigten Änderung des Bonusprogramms aufbegehrt - landete der Streit bei Gericht. Die Lufthansa klagte nicht nur einen ihrer guten Kunden, sie gab Eggendorfer damit auch eine Bühne. Auf seinem Portal meilenschwund.de berichtet er seither mehrmals wöchentlich über Ungereimtheiten im Konzern.

Anfang Juni schrieb er, dass Lufthansa Zahnärzten Meilen für Zahnersatz anbietet, was nach deutschem Recht "bestenfalls im Graubereich sei". Mittlerweile ist die Seite, über die dafür nötige Miles-&-More-Kreditkarte registriert werden konnte, abgeschaltet worden. Mit Bedauern und einer Entschuldigung gestoppt wurde jüngst auch die sexistische Werbung über eine Miles-&-More-Partnerkarte für eine daheim schmachtende Ehefrau - ausgeschildert mit einem Schmollmund.

Zweifelhafte Begründung

Am vergangenen Montag teilte die Lufthansa mit, dass sie ab Oktober von München die Flüge nach Singapur und Jakarta einstellt. Offizielle Begründung: Der negative Bürgerbescheid über die dritte Piste am Münchener Flughafen. "Das ist eine alberne, vorgeschobene Begründung", zitierte die "Financial Times Deutschland" einen Branchenexperten. Hätten die Bürger für eine dritte Landebahn gestimmt, wäre die frühestens in fünf Jahren betriebsbereit gewesen. Zudem sei es ausgeschlossen, dass die Lufthansa lukrative Verbindungen streicht. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 25.7.2012)

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