Immo-Deal wirft schiefes Licht auf Herbert Stepic

24. Juli 2012, 17:05
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Die Finanzmarktaufsicht soll gegen den Bankmanager wegen eines dubiosen Serbien-Millionendeals mit der Hypo ermitteln

Wien - Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) ermittelt wegen einer Liechtenstein-Stiftung gegen den Chef der börsenotierten Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic, berichtet das Magazin "Falter". Es gehe um einen millionenschweren Grundstücksdeal in Serbien mit Hilfe von Kreditmillionen der Hypo Alpe Adria Bank unter Einschaltung von Steueroasen, so das Magazin.

"Keinen Kommentar"

"Es gibt in dieser Sache von Dr. Stepic keinen Kommentar", sgte RBI-Sprecherin Ingrid Krenn-Ditz auf Anfrage. Unter Berufung auf das Bankgeheimnis lehnte die Hypo Kärnten ein Statement ebenfalls ab.

Anlass der Untersuchungen der Aufseher soll unter anderem ein "profil"-Artikel des Vorjahres sein, in dem von einer "Verwirrung um einen Serbien-Deal" und die "Rolle von Raiffeisen-Manager Herbert Stepic" die Rede sei.

Mit Geld der Hypo spekuliert?

Dem Bericht von damals zufolge soll Stepic gemeinsam mit ein paar anderen Bankern und ehemaligen Wirtschaftsprüfern mit erstaunlich günstig erworbenen serbischen Immobilien spekuliert haben, und zwar mit Geld der Hypo, die das Ganze mit einem 23-Millionen-Kredit finanziert habe.

Der "Falter" bezieht sich auf der FMA vorliegende Akten, darunter einen Aktenvermerk der Hypo Alpe Adria Leasing aus 2006 sowie einen vertraulichen Kreditbericht vom 24. März 2011. Stepic wollte dem Magazin keine Stellungnahme geben, im "profil" versicherte er seinerzeit, sein Name sei wohl durch einen Irrtum in den Kreditreport der Hypo gerutscht. Und: Er kenne eine ihm zugerechnete liechtensteinische Stiftung nicht.

Bankmanager und ihre Stiftungen

Dem Zeitungsbericht zufolge tätigte eine offenbar steuerschonend in Zypern registrierte Firma namens "Enthusa Ltd" merkwürdige Immogeschäfte in Belgrad. Enthusa gehöre zur einen Hälfte politiknahen serbischen Geschäftsleuten, darunter auch ein ehemaliger Wirtschaftsprüfer und Politiker.

Die andere Hälfte gehöre zwei Firmen, die in den Hypo-Unterlagen zwei österreichischen Bankmanagern zugeordnet würden. So stünde der Vorstand der Raiffeisen Invest AG, Martin Schwedler, hinter einer Firma namens "Rogera Ltd", während eine in Liechtenstein registrierte Stiftung namens "Restern" "under the control of Mr. Herbert Stepic, CEO of Raiffeisen Bank International" stehe, wie der "Falter" aus dem Kreditbericht zitiert.

Stepic sei, wie auch in einem anderen Schreiben aus der Hypo-Kreditabteilung stehe, der "ultimate shareholder of parent company" der Enthusa, schreibt der "Falter".

Rund 25 Prozent der Firma würden von ihm kontrolliert, das gehe zumindest aus einem im Hypo-Kreditakt aufliegenden Diagramm hervor.

Viele offene Fragen

Enthusa habe, so der Magazinbericht, 145 Hektar Land in der Nähe des Belgrader Flughafens neben der Autobahn Belgrad-Zagreb vom serbischen Staat erworben, perfekt geeignet für ein Shoppingcenter. Finanziert habe die Hypo den Deal unter ihrem mittlerweile erstinstanzlich verurteilten früheren Chef Wolfgang Kulterer mit vier Krediten über insgesamt 23 Millionen Euro, schreibt der "Falter". Allerdings gehe die Bank davon aus, dass der Grund dreimal so viel wert sei. Ein bankinternes Gutachten der Prüfgesellschaft Colliers spreche von 65 MillionenEuro.

Fünf Jahre nach dem Deal, 2011, habe Enthusa offenbar nicht einmal die Zinsen bedienen können. Das Land zu verkaufen, war nicht möglich. Zur Begleichung eines Teils der ausstehenden Zinsen wäre, so der "Falter" weiter, angeblich der Ost-Investor Martin Schlaff bereitgestanden. Die Hilfsaktion sei aber nicht zustandegekommen. Das Magazin spricht unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Hypo-Insider von einem Kredit, der nun notleidend sei und womöglich vom Steuerzahler über das Bankenrettungspaket beglichen werden müsse.

Laut "Falter" will die FMA von Stepic nun einiges wissen: Etwa warum eine österreichisch-serbische Investorengruppe einen staatlichen Grund um 23 Millionen Euro erwerben könne, obwohl er laut Schätzungen 65 Millionen Euro wert sei. Die Frage sei, so die Zeitung, ob sich die Hypo da zugunsten ihrer prominenten Kunden verschätzt habe oder ob die Investoren vom serbischen Staat eine Zuwendung erhalten hätten.

Zu beantworten sei auch, wieso so ein Projekt über steuerschonende Briefkastenfirmen in Zypern und über die Steueroase Liechtenstein abgewickelt worden sei und ob hier Gewinne an der heimischen Finanz vorbeigespielt worden sein sollten.

Drittens: Habe eine Stiftung "under the control" von Stepic sich vom Hypo-Chef über eine Tochterfirma einen Millionenkredit gewähren lassen? Habe er das melden müssen und wer hafte nun für den ausstehenden Kredit? (APA, 24.7.2012)

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