Zellbiologie: "Nemo" bringt Botschaften auf den richtigen Weg

29. Juli 2012, 19:15
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Österreichische Forscherin in Kalifornien untersuchte Signalwege in der Zelle

Wien - Ob sie ihr Erbgut reparieren, Krankheitserreger bekämpfen oder Zucker aufnehmen - Säugetierzellen bekommen oft Aufträge von außerhalb und müssen sie an den Zellkern weiterleiten. Dafür besitzen sie ein Netzwerk an Signalwegen, über das eine Botschaft durch eine Art Befehlskette weitergeleitet wird. Ein Eiweißstoff namens "Nemo" bringt dazu einen Signalüberträger mit einem Signalempfänger zusammen, indem er ein Gerüst bildet, an dem sie einander treffen. Das fand die Österreicherin Bärbel Schröfelbauer mit ihren Kollegen an der University of California San Diego heraus.

Oft sind dieselben Boten für unterschiedliche Signale zuständig, und in vielen Fällen ist es unbekannt, wie sie den passenden Empfänger wählen. Doch für den Organismus ist es wichtig, dass die Botschaften den richtigen Weg nehmen. Kommen sie nämlich in falsche Hände, können etwa Entwicklungsstörungen, Krebs und Allergien entstehen.

Botschaften für den richtigen Empfänger

Ein Eiweißstoff namens I-Kappa-B-Kinase (IKK) kann viele verschiedene Signalwege anschalten. Dazu überträgt er sogenannte Phosphatgruppen an Eiweißstoffe. "Nemo" verkuppelt IKK mit einem ganz bestimmten Eiweißstoff namens I-Kappa-B und sorgt so dafür, dass IKK seine Phosphatgruppe an I-Kappa-B weitergibt, und nicht an andere.

I-Kappa-B verhindert normalerweise eine Immunreaktion, wenn er nicht gerade von IKK gegenteilige Order (in Form der Phosphatgruppe) erhalten hat. So aber wird durch die Interaktion von I-Kappa-B-Kinase (IKK), "Nemo" und I-Kappa-B eine Immunreaktion ausgelöst.

Mutationen in "Nemo" verursachen eine seltene Erbkrankheit namens Bloch-Sulzberger-Syndrom, das Haut, Haare, Zähne, Nägel und das Zentralnervensystem betrifft. Die Ergebnisse ihrer Studie könnten helfen zu verstehen, wie das Krankheitsbild zustande kommt, so die Forscher, die ihre Arbeit in der Fachzeitschrift "Molecular Cell" veröffentlicht haben. (APA/red, derStandard.at, 29.7.2012)

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