Prozess wegen Pakts zwischen italienischer Politik und Mafia beantragt

24. Juli 2012, 15:53
6 Postings

Auch Ex-Innenminister Mancino im Visier der Ermittler

Rom - Die Justizbehörden in Palermo haben am Dienstag einen Prozess aufgrund mutmaßlicher Verstrickungen zwischen der sizilianischen Cosa Nostra und der Politik in Italien Anfang der 1990er Jahre beantragt. Betroffen davon sind Ex-Innenminister Nicola Mancino, sowie die langjährige Nummer eins der Mafia, Toto Riina, und seine "rechte Hand" Bernardo Provenzano. Die Staatsanwälte fordern auch ein Verfahren gegen Senator Marcello Dell'Utri, Vertrauensmann von Ex-Premier Silvio Berlusconi, und gegen den Abgeordneten Calogero Mannino. Mancino wird Falschaussage vorgeworfen. Die anderen Angeklagten werden des Anschlags auf politische Institutionen des Staates verdächtigt. Über die Eröffnung eines Prozesses muss jetzt ein Untersuchungsrichter in Palermo entscheiden.

Der ehemalige Telekommunikationsminister Mannino soll Verhandlungen mit der Cosa Nostra über einen "Waffenstillstand" in die Wege geleitet haben. Diese Verhandlungen seien nach den Anschlägen auf die Mafia-Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino 1992 in die Wege geleitet worden, behaupten die Ermittler. Mannino selber habe um sein Leben gebangt und daher den Dialog mit der Cosa Nostra gesucht, lautet der Verdacht der Staatsanwälte. Später habe die Cosa Nostra Kontakte zu Dell'Utri, einem engen Mitarbeiter Berlusconis, gepflegt. Die Ermittlungen betreffen insgesamt 12 Personen, darunter prominente Ex-Mafia-Bosse wie Giovanni Brusca und der prominente Carabinieri-Hauptmann Giuseppe Donno.

Forderungen der Cosa Nostra an Staat

Wegen Mafia-Verstrickungen und Verleumdung muss sich auch Massimo Ciancimino, Sohn des langjährigen Bürgermeisters von Palermo Vito Ciancimino, verantworten. Ciancimino, der wegen Geldwäsche bereits zu drei Jahren Haft verurteilt worden war, ist ein Schlüsselzeuge in mehreren Mafia-Untersuchungen. Als ausschlaggebend gelten seine Zeugnisse über mögliche Verstrickungen zwischen der Cosa Nostra und dem Staat in den 90er Jahren.

Laut Massimo Ciancimino hatte die Cosa Nostra Anfang der 90er Jahre eine Reihe von Forderungen an den Staat gestellt, unter anderem die Abschaffung der für Mafiosi erschwerten Haftbedingungen. Dafür wollte die Mafia keine weiteren Anschläge wie jene verüben, die 1992 zum Tod der Anti-Mafia-Jäger Falcone und Borsellino geführt hatten. Die Glaubwürdigkeit Cianciminos ist höchst umstritten. (APA, 24.7.2012)

Share if you care.