Waren im Internet verkauft, aber nicht geliefert

24. Juli 2012, 14:52
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Betrugsprozess in Wien - Geschädigte in ganz Europa - Rund 5.000 Fakten angeklagt

Mit einem Betrugsprozess enormen Ausmaßes hat sich am Dienstag das Wiener Landesgericht beschäftigt. Eine Internetfirma, die über das World Wide Web Elektrogeräte vertrieben hat, soll - als die Geschäfte nicht mehr so gut gingen - das Geld von ihren Kunden kassiert, jedoch die Waren nicht ausgeliefert haben. An die 5.000 Fakten sind angeklagt, 300 über ganz Europa verstreute Geschädigte haben Anzeige erstattet bzw. sich als Privatbeteiligte dem Verfahren angeschlossen. Der von der Staatsanwaltschaft Wien angeklagte Schaden beläuft sich auf 1,6 Millionen Euro.

Das Trio war als Geschäftsführer, Prokurist und Berater bei dem Unternehmen tätig

Wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges mussten sich nun zwei Österreicher sowie ein Schweizer verantworten, die sich vor Richterin Helene Gnida allesamt nicht schuldig bekannten. Ihnen wird vorgeworfen, von Jänner bis Dezember 2006 unter Firmennamen wie "Bananamedia" oder "Ikarus-Electronics" sowie "Pegasus" Elektrowaren verkauft, aber nicht ausgeliefert zu haben. Das Trio war als Geschäftsführer, Prokurist und Berater bei dem Unternehmen tätig.

Zunächst lief der Online-Shop nach seiner Gründung 2005 noch gut. Doch als die Preissuchmaschine Geizhals.at ihre Zusammenarbeit kündigte, ging es mit dem Unternehmen bergab. Grund für die Kündigung war die Mitarbeit des 34-jährigen Schweizers, der bereits 2005 nach dem Konkurs eines ähnlichen Onlinegeschäftes wegen betrügerischer Krida vor Gericht stand.

Undurchsichtig

Die Rolle des Schweizers bei den nun angeklagten Geschäften war jedoch undurchsichtig. Offiziell galt er als freier Berater der Firma, der regelmäßig per Honorarnoten in der Höhe von 3.000 bis 4.000 Euro pro Monat kassierte. Als Geschäftsführer wollte er aufgrund seines früheren Verfahrens nicht mehr auftreten. "Klar, wenn ich später ein Unternehmen habe, bin ich in der Branche ein rotes Tuch", erklärte er vor Gericht. So agierte ein Freund des Schweizers - den 32-jährigen Österreicher hatte er im Gefängnis kennengelernt - als Geschäftsführer, während der Schweizer für den Werbeauftritt verantwortlich zeichnete.

Jedoch sagten ehemalige Mitarbeiter aus, dass der Schweizer der wahre Geschäftsführer gewesen sei, er habe das letzte Wort gehabt, wie die Richterin die Zeugeaussagen ausführte. "Ich weiß, ich hätte die Finger davon lassen sollen, doch ich kenne das Prozedere, kenne die Lieferanten", so der Schweizer. Der Drittangeklagte, ein 29-Jähriger Österreicher, war als Prokurist beschäftigt.

Als Anfang 2006 aufgrund der Geizhals-Kündigung die Geschäfte immer schlechter gingen, versuchte man, den Onlineverkauf auf den deutschen Markt zu verlegen. Doch konnte man als Preisdiskonter nur darin bestehen, wenn nicht sämtliche Waren auf Lager gehalten werden, erklärte der Schweizer. Somit wäre es zu Lieferengpässen gekommen, obwohl das Geld von den Kunden bereits kassiert worden war. "Bei derartigem Wirtschaften, konnten die Konten nicht gedeckt sein", so die Staatsanwältin. "Sobald das Image der einen Plattform beschädigt war, wurde eine neue Plattform gegründet", führte die Anklägerin aus. Dennoch lebten die Beschuldigten auf großem Fuß. So wurde eine Innenstadtwohnung in einer Größe von 200 Quadratmeter um einen Preis von 3.400 Euro angemietet, edle Designerkleidung gekauft und auf Geschäftskosten in teuren Restaurants gegessen.

"Das waren ja nicht zwei am Tag, sondern Tausende"

Im Frühjahr 2006 wurden die Kundenbeschwerden massiv. "Das waren ja nicht zwei am Tag, sondern Tausende", sagte die Richterin. Eine Mitarbeiterin, die für die Beschwerdemails zuständig war, sprach sogar von 4.000 Mails pro Tag. Laut Gutachter sei das Unternehmen seit August 2006 insolvent gewesen. Den Konkurs hatte man jedoch erst Anfang 2007 angemeldet.

Das Verfahren wird am Donnerstag fortgesetzt. Ein Urteil soll im September erfolgen. (APA, 2.07. 2012)

 

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