Madrid: Abgeordnete muss sich für "Sie sollen verrecken" entschuldigen

24. Juli 2012, 15:02
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Andrea Fabra von Premier Rajoys PP betont, sie habe nur Abgeordnetenkollegen beschimpft

Die Aussagen der spanischen Abgeordneten Andrea Fabra bei der Präsentation des jüngsten Sparpakets haben Konsequenzen. Die 39-Jährige hatte sich bei Premier Mariano Rajoys Ankündigung, künftig werde das Arbeitslosengeld nach den ersten sechs Bezugsmonaten von derzeit 60 auf 50 Prozent des Bruttogehalts reduziert, zum Ruf "Que se jodan!" hinreißen lassen.

Die Aussage ist nicht leicht ins Deutsche zu übertragen: Das Verb "joder" ist einerseits ein Vulgärausdruck für Geschlechtsverkehr, wird aber andererseits als Partizip "jodido" auch für "kaputt, zerbrochen" verwendet. "Que se jodan!" kann also von "Sie mögen sich selber ficken" bis zu "Sie sollen verrecken" bedeuten.

"Hinterhältige Manipulationskampagne"

Fabra betonte in einer kurzen Erklärung, ihre Aussage habe sich an ihre sozialdemokratischen Abgeordnetenkollegen und keinesfalls an die 5,7 Millionen Arbeitslosen gerichtet. Parlamentspräsident Jesús Posada erteilte ihr trotzdem einen Verweis. Vor einer Woche hatte Fabras konservativer Partido Popular (PP) noch von einer "hinterhältigen Manipulationskampagne" gegen Fabra gesprochen.

Die Beschimpfung hatte in sozialen Netzwerken empörte Reaktionen hervorgerufen, mittlerweile wird auf Twitter der Hashtag #quesejodan allgemein für Informationen über die Proteste gegen die spanische Regierung verwendet. (bed, derStandard.at, 24.7.2012)

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    Andrea Fabra (PP) am 18. Juli im spanischen Parlament.

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