Das syrische Chemiewaffenarsenal

24. Juli 2012, 14:03
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Vorrat von mehreren hundert Litern Sarin, Senfgas und möglicherweise VX-Gas

Wien - Die Ankündigung des syrische Regimes, chemische Waffen eventuell gegen "ausländische Aggressionen" einzusetzen, sorgt seit gestern, Montag, für Aufregung. Dass das Regime über ein ausgiebiges Chemiewaffen-Arsenal verfügt, steht für die meisten Experten fest. Umstritten ist, wie groß dieser Vorrat ist und welche Stoffe er genau beinhaltet.

Das amerikanischen Forschungsinstitut Global Security spricht von mehreren hundert Litern, darunter Sarin, Tabun, Senfgas und möglicherweise VX-Gas. Eingesetzt werden die Kampfstoffe in Bomben oder Raketen, etwa durch russische MiG-23 Jets und Scud-Raketen mit mehreren hundert Kilometern Reichweite.

Die ersten chemischen Waffen lieferte 1973 Ägypten im Rahmen des Yom-Kippur-Krieges mit Israel. Um gegenüber Israels vermutetem Atomwaffenarsenal eine Abschreckung zu besitzen, entwickelte man unter Bashar al-Assads Vater Hafez in den 70er und 80er Jahren ein eigenes Programm, wobei Unterstützung zunächst von der Sowjetunion, später angeblich auch vom Iran kam. Die Waffen wurden nie gegen Menschen eingesetzt, die US-Regierung geht aber davon aus, dass sie vor etwa zehn Jahren mehrfach getestet wurden.

Auch über die Produktionsstätten herrscht Unklarheit. Laut dem US-amerikanischen "Center for Nonproliferation Studies" befinden sich Fabriken an zumindest vier Orten: jeweils in der Nähe der Städte Homs, Hama, Aleppo und Latakia. Spekuliert wird über weitere Standorte nahe Damaskus und Cerin im Westen des Landes.

C-Waffen gut gelagert

Die Stoffe befinden sich in gut bewachten Militärbasen und sind dort in flüssiger Form gelagert. Laut dem israelischen Experten für Massenvernichtungswaffen David Friedman könnten die Lager aus der Luft zerstört werden, ohne größeren Schaden in der Umgebung anzurichten.

Die Produktion, Weitergabe und der Einsatz chemischer Waffen ist lauf der Chemiewaffenkonvention von 1997 zwar verboten, Syrien ist jedoch eines von sechs Ländern, das dieses Abkommen nicht unterzeichnet hat.

Das Nervengift Sarin wurde bisher nicht im Krieg, jedoch bei Anschlägen eingesetzt - unter anderem bei jenem auf die U-Bahn in Tokyo im Jahr 1995. Es dringt über Atemwege und die Haut in den Körper und kann bereits bei geringer Dosierung zum Tod führen. Ebenso wie das Nervengas Tabun wurde es in den 30er Jahren in Deutschland entwickelt. Senfgas wurde bereits im Ersten und Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Es wirkt langsamer als Sarin sowie Tabun und ist nur bei höherer Konzentration tödlich. (APA, 24.7.2012)

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