Lösung für Athen muss bis Herbst stehen

24. Juli 2012, 13:37
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Entweder ist eine simple Adaptierungen oder eine politische Entscheidungen nötig, glaubt Thomas Wieser

Wien - Im Laufe des späteren Sommers wird sich laut dem Chefkoordinator der Eurogruppe, dem Österreicher Thomas Wieser, entscheiden müssen, ob für das hinter dem vereinbarten Zeitplan herhinkende Reformprogramm in Griechenland "relativ simple Adaptierungen" ausreichen oder ob "politische Entscheidungen in der Eurozone" notwendig sind, um wieder auf gleich zu kommen. Das Problem der Zahlungsunfähigkeit stelle sich derzeit insofern nicht, als Griechenland sich nicht über die Kapitalmärkte, sondern ausschließlich über den EFSF und den IWF finanziere, sagte Wieser im Ö1-Morgenjournal-Interview. Die "Unversehrtheit" der Eurozone werde von den 17 Mitgliedsstaaten nach wie vor nicht in Frage gestellt.

Die in Griechenland weilende Troika müsse sich vor allem den Unterschied zwischen dem vereinbarten Zeitplan und dem vereinbarten Maßnahmenkatalog ansehen, ob dieser mehr oder weniger als nur diese drei Monate betrage, die durch die Wahlen verloren gegangen sind. Danach könne man sehen, was getan werden müsse, um das Programm wieder auf gleich zu bringen. "Und das ist dann die politische Diskussion, die notwendig ist, sind da politische Entscheidungen innerhalb der Eurozone notwendig oder ist es eine relativ simple Adaptierung an das vorangegangene Programmdokument", sagte Wieser.

Insofern sei keine eminente Notwendigkeit gegeben, innerhalb der nächsten Tage oder Wochen was zu tun. "Aber im Laufe des späteren Sommers wird man sehr wohl sehen müssen, sehen wir eine Chance, das leicht wieder auf gleich zu bringen, oder wird das schwieriger", meinte Wieser.

Unversehrtheit der Eurozone

Dass ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone nicht so schlimm sei, wie es der deutsche Vizekanzler Rösler sagte, sei seine Meinung. "Ich höre von eigentlich allen anderen Politikern, dass die Unversehrtheit der Wirtschafts- und Währungsunion mit 17 Mitgliedern nach wie vor nicht in Frage gestellt wird", so Wieser.

Die Situation in Spanien bezeichnet Wieser als "sehr unangenehm". Er glaube, dass gerade Spanien die Vorteile und großen Nachteile föderalistischer Strukturen mit großer finanzieller Eigenständigkeit einzelner Provinzen zeige, und dass es daher auch in "zunehmendem Maße auf nationalstaatlicher Ebene deutlich stringentere Disziplinen geben muss."

Die Finanzmärkte seien bezüglich Spanien außerordentlich nervös, die Spreads für Spanien massiv angestiegen. Spanien habe in den kommenden Tagen noch einige Staatsanleihe-Auktionen, sei aber an und für sich bis weit in den Herbst hinein ausreichend finanziert. "Insofern würde ich für uns und insbesondere für Spanien hoffen, dass sich die Nervosität im Laufe des Sommers legt und die Spreads deutlich zurückgehen", so Wieser. Ein derart hoher Spread sei für ein paar Monate aushaltbar, auf Dauer aber nicht.

Eurogruppen-Koordinator Wieser erwartet keinen "heißen Herbst" für den Euro. Die Eurozone habe bewiesen, dass sie "in extremis" immer zum Handeln bereit sei. "Und derzeit sehe ich, wenn ich die Lage auf den Finanzmärkten betrachte, keine Situation, die 'in extremis' wäre", so Wieser, die "Temperatur wird nicht weiter steigen." (APA, 24.7.2012)

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