Mehr als 100 russische Häftlinge im Hungerstreik

23. Juli 2012, 18:46
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Insassen werfen Wärtern Ermordung eines Gefangenen vor

Moskau - In einem Hochsicherheitsgefängnis in Südrussland sind nach dem ungeklärten Tod eines Insassen mehr als 100 Häftlinge in den Hungerstreik getreten. Wie die Leitung des Gefängnisses in der Stadt Salawat am Montag mitteilte, verweigerten 125 Personen die Nahrungsaufnahme. Zudem hätten fünf Häftlinge sich die Venen aufgeschnitten, seien aber außer Lebensgefahr. Russische Medien berichteten unter Berufung auf Angaben von Menschenrechtsaktivisten, dass deutlich mehr als 600 Insassen an dem Hungerstreik teilnähmen. Der Streik hatte am Wochenende begonnen.

Anlass für den Protest ist der Tod des Häftlings Sergej Lasko, der nach Darstellung eines örtlichen Ermittlungskomitees an einer Herzattacke starb. Menschenrechtsaktivisten berichten jedoch, Lasko sei von einer Gruppe von Wärtern zu Tode geprügelt worden. Maria Kannabich von der Russischen Volkskammer, eine Aufsichtsbehörde für öffentliche Einrichtungen, sagte laut Berichten der Nachrichtenagentur RIA Nowosti, es gebe "widersprüchliche Informationen". "Die Gefängnismitarbeiter bestehen darauf, dass Lasko an einer Herzattacke starb und dass es keine Folter gab."

Die örtlichen Strafbehörden erklärten, dass die betroffenen Insassen sämtlich wegen schwerer Verbrechen verurteilt seien und wiederholt aufsässig gegenüber örtlicher Behörden gewesen seien. Hungerstreiks und das Aufschneiden der eigenen Handgelenke sind übliche Protestformen in russischen Gefängnissen. Nach Angaben von Aktivisten protestieren die Gefangenen so regelmäßig gegen Prügel, Folter und Machtmissbrauch durch die Gefängnismitarbeiter. (APA, 24.7.2012)

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