Südchinesisches Meer: China schafft Fakten

Kommentar23. Juli 2012, 18:32
18 Postings

China versucht seine Gegner zu dominieren, ohne in einen offenen Kampf verwickelt zu werden

Seit Monaten schon weht eine scharfe politische Brise über das Südchinesische Meer. Mit den jüngsten Entwicklungen allerdings könnte, befürchten Beobachter, die Großwetterlage dort kippen. China, Vietnam und die Philippinen liefen Gefahr, in eine militärische Auseinandersetzung um Territorien und Ressourcen zu geraten.

Vor allem Peking hat sich zuletzt alle Mühe gegeben, den Konflikt zu eskalieren. Die Truppenentsendung nach Sansha war eine weitere, kalkulierte Steigerungsstufe. Damit schafft China Fakten - und es folgt gleichzeitig dem alten strategischen Grundsatz chinesischer Kriegskunst, seine Gegner zu dominieren, ohne in einen offenen Kampf verwickelt zu werden. Die Asean konnte quasi als Beleg für den Erfolg dieser Strategie Peking zuletzt nicht einmal eine gemeinsame Erklärung auf Papier entgegenhalten.

In den vergangenen Jahrzehnten war China nur in wenige militärische Konflikte verwickelt. Es gab den Grenzkrieg gegen Indien 1962 und die "Strafexpedition" gegen Vietnam 1979. Heute, in Zeiten, in denen China erstmals wirklich Macht weit über seine Grenzen hinaus projiziert, dient die Volksarmee umso weniger für einen konkreten Einsatz. Peking genügt es zunehmend, sie als starkes Rückgrat für seine ökonomische und diplomatische Soft Power einzusetzen. Sun Tsu, der Kriegstheoretiker des alten China, sagt es so: "Daher besiegt der, der die Kunst des Krieges beherrscht, die feindlichen Truppen ohne Kampf." (Christoph Prantner, DER STANDARD, 23.7.2012)

Share if you care.