Bürokratiereform: Sparen bis zur Überlastung

Kommentar23. Juli 2012, 18:00
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Es braucht eine Verwaltungsreform, die ihren Namen verdient

Der durchschnittliche Bundesbeamte ist etwa 50 Jahre alt und überfordert: Ständig landen neue Vorschriften auf seinem Tisch, die geflissentlich befolgt werden müssen - und es gibt immer weniger Kolleginnen und Kollegen, mit denen man sich die Arbeit teilen könnte. Im Bund herrscht ein ziemlich streng durchgehaltener Einstellungsstopp. Und das bedeutet: In Zukunft werden die Amtsstuben von noch weniger, dafür aber noch älterem Personal bevölkert werden - und dieses Personal wird auch noch beneidet werden. Eben weil es keinen jungen, geringer bezahlten Nachwuchs gibt, werden die Gehälter der älteren Mitarbeiter als im Schnitt zu hoch empfunden.

Das kann die Politik nicht durchgehen lassen. Sie drängt darauf, dass im öffentlichen Dienst weiter gespart wird, kürzt die Personalpläne weiter und verordnet gleichzeitig immer mehr Bürgernähe. Selbstverständlich erfindet die Politik zudem noch weitere Aufgaben. Aber irgendwann passt das alles nicht mehr zusammen: In vielen Bereichen sind die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes überlastet.

Dem kann man auf zweierlei Weise begegnen: durch Neueinstellungen, am besten nach dem seit vielen Jahren versprochenen neuen Gehaltsschema. Das dürfte allerdings teuer werden. Daher muss man - zusätzlich - den zweiten Weg gehen: Eine Verwaltungsreform, die ihren Namen verdient, muss auch die Aufgaben, Abläufe und überbordenden Kontrollen hinterfragen. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 23.7.2012)

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