Viele jugendliche Patienten sprechen nicht auf Therapie an

24. Juli 2012, 13:47
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Insbesondere bei übergewichtigen Jugendlichen verbessert eine Änderung des Lebensstils oft nicht das Krankheitsbild Diabetes mellitus Typ 2

Ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen nicht immer, einen Diabetes mellitus Typ 2 zu lindern oder zu verhindern. Insbesondere bei übergewichtigen Jugendlichen bessert ein neuer Lebensstil häufig nicht das Krankheitsbild, wie eine neue Studie im New England Journal of Medicine (NEJM) zeigt.

Lebensstilländerungen führen nur bei zirka der Hälfte der Patienten mit Prädiabetes dazu, den Blutzucker wieder zu normalisieren. Warum der Stoffwechsel bei manchen Menschen auf diese Maßnahmen nicht ausreichend reagiert, ist bislang unklar. An der sogenannten TODAY-Studie, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, nahmen 699 übergewichtige Jugendliche teil, die bereits im Alter von zehn bis 17 Jahren an Diabetes Typ 2, dem "Alterszucker", erkrankt waren.

Ziel der Studie war es herauszufinden, welche Therapie den Blutzucker bei heranwachsenden Menschen am zuverlässigsten normalisiert.

Drei Behandlungsgruppen

Hierfür verteilten die Forscher die jugendlichen Typ-2-Diabetiker nach dem Zufallsprinzip auf drei verschiedene Behandlungsgruppen: Die erste Gruppe erhielt die Blutzucker senkenden Tabletten Metformin, ein Präparat, das auch bei Erwachsenen häufig als erstes gegeben wird. Ein weiteres Drittel kombinierte Metformin mit dem in Deutschland nicht mehr zugelassenen Medikament Rosiglitazon.

Die dritte Gruppe änderte zusätzlich zur Metformintherapie auch ihren Lebensstil - Die Jugendlichen lernten an der Seite eines persönlichen Trainers, kalorienreiche Nahrungsmittel zu meiden, vermehrt ballaststoffreiche Kost zu essen und 200 Minuten Sport pro Woche zu treiben.

"Die Ergebnisse der Fünf-Jahres-Studie waren leider ernüchternd", sagt Diabetes-Spezialist Stephan Matthaei. Nur die Hälfte der jungen Patienten erreichte mit dem Medikament Metformin einen akzeptablen Blutzucker. Und die Änderung des Lebensstils brachte keine zusätzliche Besserung. Auch die im Lancet veröffentliche Präventionsstudie "Diabetes Prevention Programm", die ebenfalls mit Metformin und Lebensstilintervention arbeitete, zeigte bei den erwachsenen Prädiabetikern bei ungefähr 50 Prozent langfristig keine Normalisierung des Blutzuckers - also eine sogenannte non-response auf die Therapie.

Ergebnisse nicht mit mangelhafter Disziplin erklärbar

"Diese unbefriedigenden Ergebnisse können nicht allein mit mangelhafter Disziplin erklärt werden", betont der Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) Andreas Fritsche. "Leider wird die TODAY-Studie in der Öffentlichkeit oft anders interpretiert - im Sinne mangelhafter Therapietreue der Patienten."

Der Ansicht, dass Patienten ausschließlich selbst schuld an ihrem Therapiemisserfolg seien, möchte die DDG entgegentreten. Die Autoren der Studie selbst berichten nämlich, dass mehr als 80 Prozent der Patienten Metformin regelmäßig eingenommen haben - ein guter Wert. Gleiches gilt für die Lebensstilmaßnahmen: Die Patienten nahmen an 75 Prozent der Sitzungen in den ersten zwei Jahren der Studie teil - ebenfalls ein guter Wert.

Biologische und pathophysiologische Unterschiede

"Möglicherweise sind vielmehr biologische und pathophysiologische Unterschiede dafür verantwortlich, dass Metformin und Lebensstiländerung bei manchen Prädiabetikern den Diabetes nicht verhindern können und bei Jugendlichen keine Verbesserung des Stoffwechsels erreichen", ergänzt Fritsche.

Menschen, die schon in ihrer Jugend an Diabetes erkranken, leiden offensichtlich an einer besonders aggressiven Form des Diabetes Typ 2. Über politische und gesetzliche Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensstils hinaus seien daher verstärkte Forschungsanstrengungen nötig, um der Diabetes-Pandemie gezielter und wirkungsvoller begegnen zu können. (red, derStandard.at, 24.7.2012)

Literatur

TODAY Study Group, Zeitler P., Hirst K., Pyle L., Linder B., Copeland K., Arslanian S., Cuttler L., Nathan DM, Tollefsen S., Wilfley D., Kaufman F.: A clinical trial to maintain glycemic control in youth with type 2 diabetes. N Engl J Med 2012; 366 (24): 2247-56

Perreault L., Pan Q., Mather KJ, Watson KE, Hamman RF, Kahn SE: Diabetes Prevention Program Research Group. Effect of regression from prediabetes to normal glucose regulation on long-term reduction in diabetes risk: results from the Diabetes Prevention Program Outcomes Study. Lancet 2012; 379 (9833): 2243-51

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