Unwetter: "Pro Jahr zumindest eine Naturkatastrophe"

  • Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe: In Sankt Lorenzen wurde am Montag weiter aufgeräumt - mit der Angst vor den nächsten Unwettern im Nacken.
    apa-foto: markus leodolter

    Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe: In Sankt Lorenzen wurde am Montag weiter aufgeräumt - mit der Angst vor den nächsten Unwettern im Nacken.

Die Aufräumarbeiten in Sankt Lorenzen im Paltental dauern noch Monate. Der Katastrophenschutz weist Kritik von Anrainern zurück, er hätte nicht genug getan, um die Muren zu verhindern

Graz/Liezen - Auch den gesamten Montag nach den schweren Unwetterkatastrophen am Wochenende war die Bevölkerung der Gemeinde Sankt Lorenzen im Paltental damit beschäftigt, Chaos und Zerstörung zu beseitigen. Wie berichtet, hatten schwere Vermurungen fast den gesamt Ortskern der Triebener Kastralgemeinde im Bezirk Liezen verschüttet.

Rund 400 Angehörige von Feuerwehr und Bundesheer waren ebenfalls im Einsatz. Dabei herrschte vor allem Angst vor der nächsten Schlechwetterfront. Ab Dienstag sagt die Prognose wieder Starkregen und Gewitter voraus.

Wut und Verunsicherung

"Seit 2005 haben wir jedes Jahr zumindest eine schwere Naturkatastrophe vor allem im Bezirk Liezen", sagt der Chef des Katastrophenschutzes der Steiermark, Kurt Kalcher im STANDARD-Gespräch, "immer mit extremen Niederschlägen und Hangrutschungen. Heuer wurde Trieben schon im Juni einmal schwer getroffen."

Unter die Verzweiflung mischt sich bei einigen Bürgern des betroffenen großen Einzugsgebietes um Trieben auch Wut über Versicherungen und angeblich mangelnden Katastrophenschutz. Die Verantwortung zuschieben will Kalcher allerdings niemandem. In Gebieten wie das 2010 von ungewöhnlich schweren Vermurungen betroffene Kleinsölk oder auch in Trieben habe es "weder viele Rodungen gegeben, noch wurden viele Skipisten errichtet", sagt Kalcher, "es kommt entlang des Alpenhauptkammes seit einigen Jahren immer wieder zu solchen Extremsituationen".

Grüne Kritik

Der grüne Landtagsabgeordnete Lambert Schönleitner, selbst Obersteirer, sparte hingegen am Montag nicht mit Kritik an der Politik: Angesichts der verschärften Situation in der Steiermark gehöre "endlich ein Umdenken her. Statt immer wieder Geld in die Luftraumüberwachung oder neue Panzer zu stecken, muss endlich die Katastrophenhilfe und der Katastrophenschutz klar aufgestockt werden."

Schönleitner forderte schon zuvor die Errichtung eines österreichweiten Katastrophenzentrums in der betroffenen Region: "Gefahrenzonenplanung oder die Warnsysteme müssen neu gedacht werden", kritisiert er.

Der Triebener Bürgermeister Helmut Schöttl sieht seinen Handlungsspielraum auch begrenzt. Seine Gemeinde mache seit seiner Amtszeit, "seit zweieinhalb Jahren jährlich Wildbachbegehungen, wo wir Grundstücksbesitzer auf kleinere Verklausungen oder hineinhängende Bäume aufmerksam machen. Diese werden dann auch sofort beseitigt." Mehr könne vonseiten der Gemeinde nicht getan werden.

SPÖ will private Verluste "abfedern"

Landeshauptmann Franz Voves und Bundeskanzler Werner Faymann (beide SPÖ) sollen Schöttl im persönlichen Gespräch bereits zugesichert haben, dass die privaten Verluste der Betroffenen "weitgehend abgefedert werden". Trotzdem sitze "der Schock noch tief in den Knochen", so der Ortschef, " aber die Leute helfen sich auch alle wunderbar gegenseitig. Das ist bei aller Trauer ein gutes Gefühl."

Die Evakuierung für 140 Menschen blieb für Sankt Lorenzen nach einer Krisensitzung am Montagnachmittag - mit Schöttl, Umweltexperten und dem Bezirkshauptmann von Liezen - weiter aufrecht. Nur für den Triebener Ortsteil Schwarzenbach, wo 109 Menschen seit Tagen in Notunterkünften oder bei Verwandten untergebracht waren, wurde sie aufgehoben. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 24.7.2012)

Share if you care