Unwetter: "Pro Jahr zumindest eine Naturkatastrophe"

Colette M. Schmidt
23. Juli 2012, 17:56
  • Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe: In Sankt Lorenzen wurde am Montag weiter aufgeräumt - mit der Angst vor den nächsten Unwettern im Nacken.
    apa-foto: markus leodolter

    Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe: In Sankt Lorenzen wurde am Montag weiter aufgeräumt - mit der Angst vor den nächsten Unwettern im Nacken.

Die Aufräumarbeiten in Sankt Lorenzen im Paltental dauern noch Monate. Der Katastrophenschutz weist Kritik von Anrainern zurück, er hätte nicht genug getan, um die Muren zu verhindern

Graz/Liezen - Auch den gesamten Montag nach den schweren Unwetterkatastrophen am Wochenende war die Bevölkerung der Gemeinde Sankt Lorenzen im Paltental damit beschäftigt, Chaos und Zerstörung zu beseitigen. Wie berichtet, hatten schwere Vermurungen fast den gesamt Ortskern der Triebener Kastralgemeinde im Bezirk Liezen verschüttet.

Rund 400 Angehörige von Feuerwehr und Bundesheer waren ebenfalls im Einsatz. Dabei herrschte vor allem Angst vor der nächsten Schlechwetterfront. Ab Dienstag sagt die Prognose wieder Starkregen und Gewitter voraus.

Wut und Verunsicherung

"Seit 2005 haben wir jedes Jahr zumindest eine schwere Naturkatastrophe vor allem im Bezirk Liezen", sagt der Chef des Katastrophenschutzes der Steiermark, Kurt Kalcher im STANDARD-Gespräch, "immer mit extremen Niederschlägen und Hangrutschungen. Heuer wurde Trieben schon im Juni einmal schwer getroffen."

Unter die Verzweiflung mischt sich bei einigen Bürgern des betroffenen großen Einzugsgebietes um Trieben auch Wut über Versicherungen und angeblich mangelnden Katastrophenschutz. Die Verantwortung zuschieben will Kalcher allerdings niemandem. In Gebieten wie das 2010 von ungewöhnlich schweren Vermurungen betroffene Kleinsölk oder auch in Trieben habe es "weder viele Rodungen gegeben, noch wurden viele Skipisten errichtet", sagt Kalcher, "es kommt entlang des Alpenhauptkammes seit einigen Jahren immer wieder zu solchen Extremsituationen".

Grüne Kritik

Der grüne Landtagsabgeordnete Lambert Schönleitner, selbst Obersteirer, sparte hingegen am Montag nicht mit Kritik an der Politik: Angesichts der verschärften Situation in der Steiermark gehöre "endlich ein Umdenken her. Statt immer wieder Geld in die Luftraumüberwachung oder neue Panzer zu stecken, muss endlich die Katastrophenhilfe und der Katastrophenschutz klar aufgestockt werden."

Schönleitner forderte schon zuvor die Errichtung eines österreichweiten Katastrophenzentrums in der betroffenen Region: "Gefahrenzonenplanung oder die Warnsysteme müssen neu gedacht werden", kritisiert er.

Der Triebener Bürgermeister Helmut Schöttl sieht seinen Handlungsspielraum auch begrenzt. Seine Gemeinde mache seit seiner Amtszeit, "seit zweieinhalb Jahren jährlich Wildbachbegehungen, wo wir Grundstücksbesitzer auf kleinere Verklausungen oder hineinhängende Bäume aufmerksam machen. Diese werden dann auch sofort beseitigt." Mehr könne vonseiten der Gemeinde nicht getan werden.

SPÖ will private Verluste "abfedern"

Landeshauptmann Franz Voves und Bundeskanzler Werner Faymann (beide SPÖ) sollen Schöttl im persönlichen Gespräch bereits zugesichert haben, dass die privaten Verluste der Betroffenen "weitgehend abgefedert werden". Trotzdem sitze "der Schock noch tief in den Knochen", so der Ortschef, " aber die Leute helfen sich auch alle wunderbar gegenseitig. Das ist bei aller Trauer ein gutes Gefühl."

Die Evakuierung für 140 Menschen blieb für Sankt Lorenzen nach einer Krisensitzung am Montagnachmittag - mit Schöttl, Umweltexperten und dem Bezirkshauptmann von Liezen - weiter aufrecht. Nur für den Triebener Ortsteil Schwarzenbach, wo 109 Menschen seit Tagen in Notunterkünften oder bei Verwandten untergebracht waren, wurde sie aufgehoben. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 24.7.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 54
1 2

Ich bin so vermessen zu behaupten, dass es viele Orte in Österreich gibt die bei über 500mm regen in einem Monat zu Problemzohnen werden. Und sagen sie nicht, so etwas hats bei ihnen noch nicht gegeben- so etwas ist nie auszuschließen. Eines gilt ebenso zu bedenken: wenn Wohngebäude schon 150 Jahre dort stehen und vor 30-50 Jahren die rote Zohne ausgesprochen wird kann man den betroffenen nur bedingt schuld geben.

Und vor 2005 gab es 2 pro Jahr?

„Der wirksamste Schutz der Natur ist die Hinfälligkeit des Menschen, seiner Werke und seiner Handlungen, deren Auswirkungen ihn früher oder später selbst vernichten müssen, weil ein Großteil seiner heutigen Handlungen allem Natursinn entgegengerichtet ist.“

schauberger, 1933

ORF.at: "Unwetter: Viele Bauten in roter Zone"

http://steiermark.orf.at/news/stor... s/2542553/

Da geht einem dann irgendwann das Mitleid aus...

Ein Witz

Da wollen die Leute immer am Wasser bzw. am Berg wohnen – weil es dort so schön ist, ignorieren aber, dass in gewissen Abständen der Bach hochkommt bzw. der Berg runterkommt.

In gewissen Regionen wie Gebirgstälern bleibt einen nichts anderes übrig als am Berg bzw. am Wasser zu wohnen!
Entlang der Thermenlinie ist es in der Vergangenheit immer wieder zu stärkeren Erdbeben gekommen ......

Dort wo die Häuser vollständig

zerstört wurden, sollte man keine neuen Häuser errichten - sonst hat man das selbe in 20 Jahren wieder.

das ist leider das ergebnis wenn bürgermeister und gemeinderäte schwach werden,

und einer von den grundstückbesitzern (=wähler) jahrelang geforderten umwidmung von fast wertlosen land in bauland zustimmen.

ich dachte ich höre nicht richtig als in zib2 auf die frage vom wolf an kalcher- ob die häuser genau dort aufgebaut werden sollen- die antwort gehört habe:
müssen menschliche aspekte berücksichtigt werden, wer bauen will soll bauen können..
i

Zustimmung, jetzt wird Geld vom Land bzw. Bund gefordert, dabei sind die Fehler vor Ort zu verantworten.
Die Bürgermeister und Gemeinderäte haben da selbst mitgemacht bzw. selbst profitiert.

Politisches Kleingeld.

Natürlich, Österreich investiert jährlich Unsummen in die Luftraumüberwachung und in Panzer!

Der Versuch der Grünen aus einer Katastrophe politisches Kleingeld zu schlagen ist widerwärtig!

der baugrund

war halt nicht ohne grund so günstig.

17.000 Häuser illegal

17.000 Häuser stehen in der St. Eiermark im Hochwassergebiet.
Da kriegt der Bürgermeister, der auch das Bauamt ist, ein Kuvert.
Dann wird Grünland im Hochwassergebiet umgewidmet..... und alle sind froh.
Bis das Wasser kommt.

Da hat der Bgm schon lange nicht mehr das letzte Wort.

Wir sollten uns wohl damit abfinden

dass bestimme Regionen unseres Landes einfach nicht mehr besiedelbar sind!

Wie oft noch den Artikel !!! Gibt schlimmeres

"Einige betroffene Häuser stünden zudem in roten Zonen, also in ausgewiesenen Gefahrengebieten."

nothing more 2 say

null steuergeld als hilfe. abreissen, umwidmen != kein baugrund fertig

Mein Haus stand nachweislich nicht in einer Roten Zone (Hochwasser).
Dann stand mein Haus plötzlich in einer Roten Zone.
Jetzt steht es wieder nichtmehr drinnen.
Als alter Schneck trag ichs eh immer mit, odr?

da fragt man sich schon..
"Heinz Gabler etwa: Traktoren, Autos, landwirtschaftliches Gerät – alles weg. 4000 Euro bekommt er von der Versicherung, berichtet Armin Torgler, Schwiegersohn in spe. "Wir haben alles versichert gehabt. Aber man hat uns gesagt, das ist kein Elementarereignis, sondern eine Katastrophe – und da steigt die Versicherung aus.""
http://kurier.at/nachricht... nfront.php

deswegen sollte keine versicherung in einer gefahrenzone eine leistung anbieten dürfen, keine polizze, keine ausrede

Bedauerlich, aber ...

... was die Versicherung betrifft selber Schuld. Ein Versicherungsvertrag ist ein Vertrag in dem alle Ersatzleistungen mit Summen angegeben sind. Die € 4000 bei Hochwasser stehen dort exakt drinnen.

Gegen entsprechende Prämie kann man diese Summen auch bei Hochwasser nach oben setzen lassen, teilweise bis zu 50 % der Versicherungssumme, nur diese Summe wollte Herr Gabler wohl nicht zahlen.

Er hat wissentlich das Risiko getragen im Falle eines solchen Ereignisses nur € 4000 von der Versicherung zu bekommen, sich jetzt darüber aufzuregen gilt nicht.

Ich hoffe Herr Gabler erhält Unterstützung von anderer Seite und erhält nochmal die Gelegenheit sein neues Eigentum ordentlich zu versichern.

Verstecken's des!

War die Aufforderung, bei einer Baurechtsversammlung, die Bilder vom letzten Hochwasser betreffend…

schiefer

ich habe heute irgendwo gelesen, dass die gegend dort zum teil extrem rutschfähiges schiefergestein aufweist.
das müsste doch geologisch untersucht und daraus schlüsse gezugen werden können, die die situation verbessern sollten.

aber sicher.

ich kann ihnen auch sagen, was der geologe dann sagen wird. egal ob schiefer oder granit...

"das kommt runter". nur das "wann" ist das problem. das kann morgen sein, oder erst in 5000 jahren. da man das wetter maximal eine woche halbwegs vernünftig vorhersagen kann, machen prognosen wenig sinn. da lernt man mehr aus der geschichte der katastrophen eines ortes.

sry. so kaltschnäuzig das klingt. in diesem falle: weg vom romantischen bächlein! ist vermutlich auf dauer preiswerter.

Schlag nach bei Viktor Schauberger..., oder bei Masaru Emoto.

Ja, das Wesen des Wassers. Kann es sein, dass Wasser doch mehr als H2O, nämlich Leben ist, und dass es ein Wesen hat? Schlag nach bei Masaru Emoto.
Es entspringt im dichten Wald, gut geschützt vor dem prallen Sonnenlicht. Welche Mutter würde auch ihr Baby in die Sonne legen? In vielen Windungen geht der jungfräuliche Bach durch den Wald bis er groß genug für das Licht ist, und selbst da beugen sich die Bäume vom Ufer aus schützend über ihn.
Durch Begradigungen, Verbau und Rodungen verliert das Wasser sein Wesen, es fängt an zu reißen. Die Wissenschaft. Warum ist es im Wald bei sovielen Prozessen kühl und still? Warum wird das Wasser in den Flüssen nicht kochend heiß? Die Intelektuellen werden niemals das Wesen des Wassers entschlüsseln.

Posting 1 bis 25 von 54
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.