Prozess: Unbezahlte Luxusreise

23. Juli 2012, 17:37
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51-Jährige verließ sich auf 21.000 Euro von Bekannten

Wien - Eine Seefahrt, die ist angeblich lustig und schön - vor allem, wenn man sie nicht bezahlen muss. Nur: Wenn man sie nicht bezahlen kann, dann steht der Verdacht des schweren Betruges im Raum, und daher sitzt Gerda P. am Montagvormittag vor Richterin Minou Aigner im Wiener Landesgericht.

Es war eine noble Kreuzfahrt, die P. unternommen hatte - die Wiener Philharmoniker gaben Konzerte an Bord. Günstig war sie allerdings nicht: Der angeklagte Gesamtschaden liegt bei knapp 21.000 Euro. Dass sie nicht gezahlt hat, gesteht die 51-Jährige. Nur: Schuld sei sie in dem Sinne nicht.

Denn es gäbe eine Vorgeschichte. Sie sei Opfer eines Betrügers geworden. Auch andere seien um ihr Geld gebracht worden, denen habe sie bei der Aufarbeitung geholfen. Was zwei Männer so gefreut hat, dass sie ihr als freundliche Geste eine Kreuzfahrt spendieren wollten, um die psychisch und physisch angeschlagene Frau aufzumuntern.

Zum Beweis legt P. zwei notariell beglaubigte Briefe vor. Einer stammt aus London, der andere von den Philippinen. Jener aus der britischen Hauptstadt macht Richterin Aigner nicht recht glücklich. "Das ist eine Themenverfehlung, da steht nicht dezidiert drinnen, dass er es ihnen versprochen hat." Das Schreiben des zweiten Bekannten ist da deutlich vorteilhafter: "Sie erwartete Geld von mir. Leider konnte ich aufgrund der Wirtschaftskrise nicht mehr zahlen", heißt es dort.

Aigner genügt das für einen, nicht rechtskräftigen, Freispruch. Die Angeklagte habe tatsächlich auf die Einladung vertraut.

2000 Euro hat P. mittlerweile zurückgezahlt. Im Hinausgehen verspricht sie der Anwältin der geschädigten Firma, ihre Schulden weiter abzubauen. " Ich habe einen großen Freundeskreis", merkt sie an. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 24.7.2012)

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