Wie in Graz, so gegen Düdelingen

23. Juli 2012, 22:18
719 Postings

Red Bull Salzburg bleibt trotz des 0:1 im Hinspiel gegen Luxemburgs Meister Favorit auf den Aufstieg in die dritte Quali-Runde

Salzburg - Das 0:1 in Düdelingen hat nichts daran geändert: Salzburg geht am Dienstag (18.00 Uhr/live ORF1) als Favorit ins Heimrückspiel um den Aufstieg in die dritte Qualifikationsrunde der Fußball-Champions-League. Das ansehnliche 2:0 bei Sturm Graz zum Bundesligaauftakt am Samstag hat die prinzipielle Ausgangslage noch zusätzlich zementiert. Jener Mann, der dabei für beide Treffer verantwortlich zeichnete, fehlt allerdings: Jonathan Soriano handelte sich im Hinspiel wegen einer Schwalbe einen Ausschluss mit Gelb-Rot ein und ist gesperrt.

"Falsche Entscheidungen, einfache Fehler", für Trainer Roger Schmidt (Audio-Statement hier) gab es nach der Partie gegen die Luxemburger Halbprofis nichts zu beschönigen. Umso wichtiger schien dem Deutschen der Sieg in Graz, der ihm den Glauben an die Mannschaft - die erstmals in der Ära von Red Bull den Einzug in die Gruppenphase schaffen will - zurückgab. "Wir haben die richtige Reaktion gezeigt, nicht nur in spielerischer, sondern auch in mentaler Hinsicht", erklärte der Trainer. "Wir werden den Weg am Dienstag so fortsetzen."

So geht's

Das soll konkretisiert werden: "Schnell nach vorne und zielorientiert spielen und schnell umschalten. Wenn man das in Graz kann, kann man das auch hier zu Hause." Als Beispiel führte er das Zustandekommen des zweiten Treffers an. "Da haben wir den Ball in der gegnerischen Hälfte gewonnen und sind sofort ins Pressing gegangen. Solche Situationen müssen wir morgen provozieren."

Gegen Sturm, dem man sich aufgrund regenerativer Vorteile mit dem Aeroplan näherte, nahm Schmidt zahlreiche Änderungenin seiner Düdelingen-Formation  vor. Soriano, der dort noch von der Bank gekommen war, ersetzte Stefan Maierhofer, im offensiven Mittelfeld agierte zentral Stefan Hierländer flankiert von Jakob Jantscher und Georg Teigl, im defensiven Mittelfeld durfte erstmals Neuzugang Stefan Ilsanker werken. Für etablierte Leute Ibrahim Sekagya, Christoph Leitgeb oder Gonzalo Zarate war (zunächst) kein Platz.

Das könnte am Dienstag ähnlich sein. "Wir müssen nur zwei Tore mehr schießen als Düdelingen, ansonsten brauchen wir gar nicht viel ändern", meinte Schmidt. Punktuelle Änderungen wollte der 45-Jährige zwar nicht ausschließen, aber das Ziel sei Kontinuität. Soriano jedenfalls wird durch Maierhofer ("Er hat seine seine Qualitäten. Und wenn sich das Spiel weiter vorne abspielt, kann er sich gut einbringen.") ersetzt, am System ändert sich dadurch nichts.

Jakob Jantscher war in Luxemburg Krankheit nicht mit dabei und freut sich daher umso mehr auf die Revanche: "Wir müssen den Schwung von Samstag mitnehmen. Vor allem in der ersten Hälfte war das in Graz sehr gut. Wenn wir das am Dienstag auch so machen, mache ich mir keine Sorgen."

Rangnick: "Anfang einer neuen Zeitrechnung"

Das gilt auch für Sportdirektor Ralf Rangnick (Audio-Statement hier): "Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft gewinnt und weiterkommt. Ich bin keiner, der sich mit einem Worst-Case-Szenario befasst. Aber richtig was geschafft wäre, wenn wir in der Gruppenphase sind". Abgesehen vom Streben nach dem unmittelbaren Erfolg betonte er jedoch immer wieder die Nachhaltigkeit seines Projekts. "Wir sind erst am Anfang einer neuen Zeitrechnung. Das ist ein Prozess, der nicht mit Fingerschnippen von heute auf morgen geht", meinte der mit einem Dreijahres-Vertrag ausgestattete Rangnick. Dank einiger Umstellungen sind gegen Sturm sieben Österreicher in der Startelf eingelaufen, darunter vier junge. Das ist der Weg, den man gehen wolle.

Aktuell ist das Einkaufprogramm allerdings noch nicht abgeschlossen. Salzburg sucht Ersatz für den freigestellten Stürmer Leonardo und den schwer verletzten Flügelspieler Dusan Svento.

Düdelingen: euphorischer Realismus

Indes hat die Euphorie beim Luxemburger Serienmeister nach dem bisher wohl größten Erfolg in der relativ jungen Vereinshistorie (seit 1991) einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Doch der Blick durch den Türspalt auf die dritte Qualifikations-Runde hat die Luxemburger keineswegs dem Größenwahn anheimfallen lassen. "Wir haben den Tiger gereizt", erklärte Präsident Romain Schumacher im "Tagblatt" und sieht darin offenbar keinen Vorteil: "Wenn wir weiterkämen, wäre das keine Überraschung, sondern eine Sensation. Wenn wir die gleiche Leistung wie im ersten Spiel wiederholen können, ist aber etwas möglich. Es ist auch schwer einzuschätzen, welches Leistungsvermögen Red Bull wirklich hat. Ich denke nicht, dass sie am Limit waren. Jetzt steht der Gegner unter Druck und wenn es uns gelingt, ein Tor zu machen, haben die sicherlich die Hosen voll." (APA/red, derStandard.at, 23.7.2012)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen:

Red Bull Salzburg - F91 Düdelingen

Dienstag, 18 Uhr/live ORF eins, Stadion Wals-Siezenheim, SR Pavle Radovanovic/MNE

Hinspiel 0:1, Sieger des Duells in der dritten Quali-Runde (31.7./1.8. bzw. 7./8.8.) gegen Gewinner aus Zeljeznicar Sarajevo - NK Maribor (Hinspiel 1:4)

Salzburg: Walke - Schwegler, Hinteregger, Schiemer, Ulmer - Mendes, Ilsanker - Teigl, Hierländer, Jantscher - Maierhofer

Ersatz: Gustafsson - Douglas, Klein, Sekagya, Leitgeb, Zarate, Cristiano

Es fehlen: Soriano (gesperrt), Svento (verletzt), Alan (rekonvaleszent), Dibon (noch nicht fit), Savic, Boghossian, Lindgren

Düdelingen: Joubert - Prempeh, Caillet, Tournut, Melisse - Payal, Legros - Da Mota, Steimetz, Benzouien - Joachim

Ersatz: Menetrier - Martino, Kitenge, Gomez, Haddaji, Zeghdane, Beltorangal

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auf dem richtigen Weg soll Düdelingen für Roger Schmidts Salzburger kein unüberwindliches Hindernis darstellen.

Share if you care.