Das britische Team ist ohne Beckham nicht wirklich vereint

23. Juli 2012, 17:23
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Die Inselfußballer sollen sich in London liebhaben, doch Schotten und Nordiren verweigern sich

London - Das Trikot sagt alles. Ein halber Union Jack ist drauf. Der Union Jack, das ist die Fahne des "Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland". Es ist also nur logisch, dass die britische Mannschaft mit einem entsprechenden Jersey aufläuft. Doch es geht um Fußball. Und deswegen ist die Sache kompliziert. England, Schottland, Wales und eben Nordirland besitzen im Fußball ihre eigene Identität, sie haben eigene Nationalteams. Und nun, beim olympischen Turnier, das am Mittwoch mit den Spielen der Frauen beginnt, sollen sie erstmals so tun, als hätten sie sich lieb.

Der halbe Union Jack hat mittlerweile Symbolkraft. In der Mannschaft der Briten, die vom Engländer Stuart Pearce trainiert und aufgestellt wird, fehlt nicht nur David Beckham, was an sich schon ein Politikum ist: Beckham hat die Spiele nach London geholt - nicht alleine selbstverständlich, aber ohne ihn hätte es vielleicht nicht geklappt. Und schließlich hat Pearce nach heiklen und schier endlosen Diskussionen, ob nun überhaupt und wenn ja, wie diese britische Olympia-Auswahl zusammengestellt werden könnte oder sollte, nur eine halbe Sache gemacht: Er hat keinen Schotten und keinen Nordiren nominiert. Er konnte auch nicht. Denn mit dem "Team GB" wollten die Verbände von Schottland und Nordirland nichts zu tun haben - aus Angst um ihren Sonderstatus.

Ob es nun an der fehlenden Strahlkraft von Beckham liegt oder am Verzicht auf halb Britannien: Das Turnier ist nicht der große Bringer. Von den ursprünglich gedruckten 2,3 Millionen Tickets wurden 500.000 wieder vom Markt genommen.

Falls überhaupt, interessieren nur die beiden britischen Teams. Bei den Frauen, die erstmals bei Olympia dabei sind, stehen zwei Schottinnen im Aufgebot, ansonsten nur Engländerinnen. Unter den 18 Männern (sie unterlagen zuletzt in einem Test den favorisierten Brasilianern 0:2) sind fünf Spieler aus Wales, darunter der 38-jährige Ryan Giggs, der auch gleich zum Kapitän ernannt wurde.

Ein Desaster war der Verzicht auf Beckham. Gary Lineker nannte die Entscheidung seines einstigen Mannschaftskollegen Pearce "schrecklich" und "planlos". Beckham sei, vorsichtig formuliert, an der Nase herumgeführt worden. (red, sid - DER STANDARD, 24.7. 2012)

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    Ryan Giggs ist der erste Kapitän einer britischen Auswahl.

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