Papstvertraute unter Verdacht

23. Juli 2012, 17:16
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Die interne Untersuchungskommission des Vatikans verdächtige drei der engsten Papstvertrauten, in die Vatileaks-Affäre verwickelt zu sein, berichten mehrere Medien. Der Vatikan dementierte umgehend.

Neue Turbulenzen im Vatikan. Zwei Zeitungen legen den Verdacht nahe, drei enge Papstvertraute seien in die Vatileaks-Affäre verwickelt. Laut der Tageszeitung La Repubblica verdächtigt die aus drei betagten Kardinälen bestehende Vatileaks-Untersuchungskommission drei der engsten Vertrauten des Papstes des Zusammenspiels mit dem Kammerdiener Paolo Gabriele.

Es geht um den deutschen Kurienbischof Josef Clemens, der 19 Jahre Joseph Ratzingers Privatsekretär war und dessen gestörtes Verhältnis zum jetzigen Papstsekretär Georg Gänswein bekannt ist. Die deutsche Musikwissenschafterin Ingrid Stampa, die viele Jahre Ratzingers Haushalt führte und die als eine der wenigen Frauen gilt, auf die der Papst hört. Und um Kurienkardinal Paolo Sardi, Ghostwriter des Papstes und für dessen Ansprachen zuständig.

Auch der deutsche Vatikan-Kenner Paul Badde nennt die Namen der drei Papstvertrauten. In einem ausführlichen Hintergrundbericht der Tageszeitung Die Welt führt er die Affäre auf einen "Abgrund von Neid und Eifersucht" zurück. Die Deutsche Ingrid Stampa, die Joseph Ratzinger bis zu dessen Papstwahl als Haushälterin gedient habe, wohne im selben Haus wie Gabriele, zu dessen Familien sie ein herzliches Verhältnis habe.

Die 62-Jährige, die im Vatikan auch als "Papessa" bezeichnet wird, könne des Papstes winzige Kritzelschrift fast blind entziffern. Über Jahre habe sie sich "im Labyrinth der Tapetentüren ungehindert Zugang zum Papst verschafft" und sich ihm als "selbstermächtigte Beraterin" angeboten. Längst sei im Vatikan ihre Eifersucht auf jeden bekannt, dem das Kirchenoberhaupt mehr vertraue als ihr.

Auch der deutsche Kurienbischof Josef Clemens hat einen guten Draht zu Joseph Ratzinger, dem er 19 Jahre lang als Privatsekretär diente. Dass er seinen Nachfolger Georg Gänswein für unfähig hält, wisse im Vatikan jeder: "In seiner Eifersucht fand der Bischof aus Deutschland in der ehrgeizigen Ingrid Stampa eine zuverlässige Gleichgesinnte", so Badde.

Ein Gegner Ratzingers

Die ehemalige Papsthaushälterin pflege beste Beziehungen zum Kurienkardinal Paolo Sardi, der Paolo Gabriele den Aufstieg zum päpstlichen Kammerdiener ermöglichte. Der 78-Jährige, der für die Papstansprachen zuständig war, gilt als Gegner Ratzingers.

Vatikan-Specher Federico Lombardi dementierte die Zeitungsberichte umgehend. Das Vorgehen der Journalisten sei "unkorrekt" und " unverantwortlich". Entschieden dementierte er die Republica-Behauptung, die drei "Verdächtigen" seien aus dem Umfeld des Papstes entfernt worden. Sardis Rücktrittsgesuch als Vizekämmerer sei bereits vor Monaten angenommen worden, Stampa arbeite im Staatssekretariat, und Clemens sei weiterhin Sekretär des Päpstlichen Rates für Laien. Doch solange der Bericht der internen Untersuchungskommission geheim bleibt, wird der Vatikan weiter mit Spekulationen leben müssen. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 24.7.2012)

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    Der Papst, hier beim Predigen in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo, ist weiter um Beruhigung in der Vatileaks-Affäre bemüht.

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