Verkleinerung der Eurozone kein Tabu mehr

23. Juli 2012, 22:12
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Deutsche Bundesbank schließt Schrumpfung nicht aus

Die deutsche Bundesbank hat mit einer Passage in ihrem jüngsten Monatsbericht unterschiedlichste Interpretationen hervorgerufen. Handelsblatt Online titelte unter Berufung auf den Bericht: "Bundesbank rüttelt an Größe der Euro-Zone."

Tatsächlich hielt die Notenbank fest, dass "die grundsätzliche strukturelle Eignung allein eine reibungslose Teilnahme an einer Währungsunion nicht sicherstellen" könne. "Vielmehr ist sie unter anderem um eine verantwortungsvolle Wirtschafts- und Finanzpolitik zu ergänzen, die den Erfordernissen einer gemeinsamen Währung und einer einheitlichen Geldpolitik im Euroraum hinreichend Rechnung trägt." Nur so könne die "zwingend gebotene Vermeidung übermäßiger Spannungen im gemeinsamen Währungsraum gewährleistet werden".

Schrumpfung

Ein Blick auf das Portal der Financial Times Deutschland bot ein völlig anderes Bild: "Bundesbank springt Griechen bei", wurde hier getitelt. Im Bericht heißt es nämlich auch, dass jedes der Euroländer in keinem anderen Währungsverbund besser aufgehoben sei.

Die Beispiele zeigen, dass das Thema Griechenland die Gemüter zusehends erregt. So entstammten Meldungen, wonach der Internationale Währungsfonds (IWF) aus der Hilfe für Athen aussteigen wolle, oder dass der Euro-Austritt bevorstehe, durchwegs deutschen Medienberichten. Die EU-Kommission stemmt sich vehement gegen diesen Fall. "Griechenland soll und wird in der Eurozone bleiben", sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Er sagte aber auch, dass es bei der Umsetzung der vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen "bedeutende Verzögerungen" gebe.

Nüchterner nehmen sich die Zahlen zum Schuldenstand in Europa aus, die von Eurostat am Montag präsentiert wurden. Er ist im ersten Quartal 2012 sowohl in der Eurozone als auch in der EU-27 gegenüber dem Gesamtjahr 2011 angestiegen. In der Währungsunion erhöhte er sich von 87,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Vorjahr auf 88,2 Prozent in den ersten drei Monaten 2012. In der EU-27 gab es einen Zuwachs von 82,5 auf 83,4 Prozent.

Österreich verschlechterte sich ebenfalls. Von 72,2 auf 73,5 Prozent. Das Land hat damit die zwölfthöchste öffentliche Verschuldung in der Union. (red, DER STANDARD, 24.7.2012)

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