Die Liebe und die Psychiatrie

23. Juli 2012, 18:49
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"Zigeunerliebe" beim Lehár-Festival Bad Ischl

In einem Wahrtraum verfällt die Bojarentochter Zorika der Zigeunerliebe des vazierenden Geigers Jozsi - darum geht es in der gleichnamigen Operette Franz Lehárs, der ersten, die sein Grenzgängertum zum tragischen Opernschaffen kennzeichnet. Zugleich ist Zigeunerliebe Lehárs ungarischstes Stück und dabei musikalisch enorm ideen- und farbenreich.

Man muss es dem Lehár-Festival Bad Ischl also als Verdienst anrechnen, dieses selten gespielte und reizvolle Werk ausgegraben zu haben - diesfalls mit Miriam Portmann (als Zorika) und Jevgenij Taruntsov (als Jozsi) hervorragend besetzt und in einer Inszenierung von Leonard Prinsloo dargeboten. Der gebürtige Südafrikaner führt seit Jahren stets die Regie bei der jeweiligen zweiten Bad Ischler Festivalpremiere, und seinem Hang zum Schrillen und Outrierenden hat er diesmal erfreulich weniger nachgegeben als gewohnt.

Allerdings verundeutlicht er die Handlung durch die Einführung einer weiteren Meta-Ebene neben der des Traums, nämlich des Wahns - die gesamte Operette spielt in Prinsloos Deutung also in einer psychiatrischen Klinik, mit einem Wald aus kahlen Bäumen als Kulisse. Emotional berührt wird man als Zuschauer jedenfalls weniger vom manchmal ästhetischen, manchmal etwas penetranten Bühnengeschehen als vielmehr von der wunderbaren Musik. Und es ist zu sagen: Es erbringt Dirigent Marius Burkert dabei seine bisher reifste Leistung im Rahmen seiner Bad Ischler Engagements, die 2004 begannen. (kivi, DER STANARD, 23.7.2012)

Lehár-Festival Bad Ischl, Franz Lehár: "Zigeunerliebe", Vorstellungen bis 1. September.

www.leharfestival.at

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