"FIFA 13" angespielt: Realistischer mit Schiri-Beschimpfung

Der GameStandard hat EAs authentischstem Fußballspiel bisher auf den Zahn gefühlt

"One of the great things about football is that it is unpredictable." Jose Mourinho hat es auf den Punkt gebracht: Die Unvorhersehbarkeit macht einen großen Teil der Spannung eines Fußballmatsches aus. Und sie ist der Grund, weshalb man es als Zuschauer nicht wagt, vor dem Schlusspfiff abzudrehen. Diese Unvorhersehbarkeit hat sich das Team von EA Sports zur zentralen Aufgabe für die diesjährige Ausgabe ihres Fußballspiels gemacht. "FIFA 13" soll sich dadurch realistischer anfühlen und die Starrheit des virtuellen Fußballspiels auflockern.

Dynamische Ballannahme

Dies bewerkstelligen soll eine neues Gameplay-Feature namens "First-Touch Control". In "FIFA 13" klebt der Ball erstmals nicht mehr wie eine schwer abschüttelbare Fliege am Fuß des Spielers, sondern wird dynamisch angenommen und weiterverarbeitet. Wie am realen Leben kann der Ball schon einmal abspringen oder aus der Luft mit der Brust übernommen werden. Das kann sich sowohl zum Vorteil auswirken, wenn man so glücklicherweise einen hereingrätschenden Kontrahenten überlupfen kann oder zum Nachteil, wenn ein stark geschossener Ball vom Schienbein zum Gegner springt.

Das mag neben Neuerungen wie einem umfangreicheren Karrieremodus oder komplett neuen Skill-Games wie eine kleinere Änderung klingen. Doch im Spiel wirkt sich diese vermeintlich winzige Injektion Zufall dramatisch aus. Nach wie vor hat man das Gefühl, die Kontrolle über seine Mannschaft zu haben, doch Zweikämpfe werden interessanter und der Spielaufbau spontaner. Es erschwert routinierten Spielern stur ihre Taktiken abzuarbeiten und eröffnet Anfängern auch bei überlegenen Gegnern die ein oder andere Chance.

Vorausdenker

Der Federstrich Zufall geht einher mit intelligenteren Computer-Spielern. Um komplexere Spielzüge antizipieren zu können, sollen die Mitstreiter den Entwicklern nach nun einige Pässe vorausdenken. Wie viele Pässe das wirklich sind, ließ sich nach einigen Probematches nur schwer ausmachen. Aber tatsächlich zeigen Teamkameraden nun öfters Freiräume für Steilpässe an und stellen sich besser frei. Dennoch gibt es weiterhin Situationen, in denen man flankierend verzweifelt nach Anspielstationen im 16er sucht. Unter dem Strich bewirken aber allein diese zwei genannten Gameplay-Änderungen eines: Tore können in "FIFA 13" aus unterschiedlichsten Situationen fallen.

Trainingsspiele

Um die vielen Tricks und Feinheiten der digitalen Ballbeherrschung zu erlernen, hat sich EA für diese Saison Segas "Virtua Tennis"-Serie zum Vorbild genommen und so genannte Skill Games implementiert. In diesen Bewerben lernt man Freistöße an Mauern vorbeizuzirkeln, präzise Flanken zu schießen oder auf engstem Raum zu dribbeln. Drei Schwierigkeitsgrade für jede der unzähligen Aufgaben sorgen dafür, dass auch Fortgeschrittene auf längere Sicht etwas zum Nagen haben. Die Mini-Games schaffen es, einem die Komplexität spielend beizubringen, ohne einen zu verspielten Eindruck zu machen. Gigantische Badeenten und Obst muss man in "FIFA" auch künftig nicht besiegen.

Internationale Karriere

Sein neu erlerntes Können am besten auf die Probe stellen kann man entweder gegen menschliche Gegner oder im ausgeweiteten Karrieremodus. Dieser umfasst nun neben den Liga- und Club-Bewerben auch internationale Veranstaltungen wie Europameisterschaft, Weltmeisterschaft, Confederations Cup, Qualifikationsrunden und Freundschaftsspiele. In Summe wurden 500 Teams und 15.000 Spieler lizenziert.

Das ganze darf man wahlweise auch ganz nah als aufsteigender Spieler oder Manager erleben. Durchlebt man die Karriere eines Rookies, muss man vertraglich vereinbarte Ziele erfüllen und sich an der Seite der Stars behaupten. Um das Ganze etwas authentischer zu gestalten, lässt ein Club nun keinen Messi oder Rooney mehr für einen Neuling auf der Bank sitzen, sondern können unerfahrene Spieler nun an kleinere Clubs ausleihen. So sammelt man Spielerfahrung und kehrt irgendwann gestählt zur Heimmannschaft zurück. Team-Manager haben ebenfalls Vertragsziele zu erfüllen und werden mit einer realistischeren Transferlogik konfrontiert. Der Marktwert eines Spielers wird nun anhand mehrere Faktoren wie Verfassung oder Erfahrung berechnet und man kann auch Gegenangebote stellen. Hat man einen Spieler eingekauft, muss man wiederum mit diesem Gehaltsverhandlungen führen.

Die Präsentation der Spieler und der Mannschaften wurde TV-ähnlicher gestaltet, um einerseits das Gefühl zu vermitteln, man sei vor Ort und andererseits, um die eigene Mannschaft mehr ins Rampenlicht zu rücken. Keine große Erwartungen sollte man für die Stadionatmosphäre haben. Die Schlachtgesänge und Jubelschreie ertönen zwar abermals imposant, in den Rängen sitzen aber nach wie vor einheitliche Lego-Männchen.

Schiedsrichterbeschimpfung

Überlegungen hat sich EA zur Integration von Motion-Controllern gemacht. PS3-Spieler werden PlayStation Move nutzen können - in welchem Maße wurde bisher jedoch noch nicht verraten. Xbox 360-Besitzer dürfen Kinect für Sprachkommandos einsetzen, die Gestensteuerung wird nicht unterstützt. Zu diesen Sprachkommandos zählt etwa der Aufruf zum Spielertausch oder taktische Befehle.

Nicht ausgelassen wurde der verbale Umgang mit Schiedsrichtern. Zwar kann man diesen nicht direkt die Meinung sagen, doch über das Mikrofon registriert das Spiel, wann man sich über Entscheidungen beschwert und wann man den Schiri beschimpft. Sollte man einmal gar zu oft über die Stränge schlagen, muss man zwar keine rote Karte befürchten, doch mit einer strengeren Behandlung seines Teams rechnen.

Versionsbesonderheiten

Neben der Implementierung von Move und Kinect in PS3 und Xbox 360 hält EA auch für PC und Wii U einige Besonderheiten bereit. PC-Spieler mit dem nötigen Kleingeld für High-End-Hardware dürfen "FIFA 13" auf bis zu drei Bildschirmen zocken. Das Besondere daran: So kann man erstmals das gesamte Spielfeld auf einmal ins Auge fassen. Zur Präsentation setzte EA einen Rechner mit Intel Core i7-Prozessor, zwei im Verbund arbeitende AMD Radeon HD 7870-Grafikkarten und drei 30 Zoll LCDs mit jeweils 1.920 x 1.080 Bildpunkten ein.

Die Wii U-Version nutzt hingegen den Tablet-Controller der für Ende des Jahres erwarteten Nintendo-Konsole aus. Der GameStandard durfte "FIFA" für Wii U zwar bereits ausführlich probespielen, aufgrund eines Embargos dürfen Medien bis Anfang August aber keine Details veröffentlichen.

"FIFA 13" wird am 28. September für PC, PS3 und Xbox 360 erscheinen. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 24.7.2012)

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