Heimische Bassfrequenzen für den Sommerkick

Karl Fluch, 23. Juli 2012, 22:15
  • Unter den 47 Bands des Wiener Popfests stechen Mopedrock!! mit ihren auf 
Französisch gesungenen Songs hervor. Live am Samstag um 17 Uhr auf der 
Seebühne auf dem Karlsplatz zu erleben.
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    foto: gaspard pralong

    Unter den 47 Bands des Wiener Popfests stechen Mopedrock!! mit ihren auf Französisch gesungenen Songs hervor. Live am Samstag um 17 Uhr auf der Seebühne auf dem Karlsplatz zu erleben.

47 heimische Bands präsentieren sich und ihre Kunst vier Tage und Nächte lang auf Bühnen auf dem und um den Karlsplatz

Wien - Welche Kultur in Wien wie viel gilt, illustriert der Termin des dritten Popfests auf dem Karlsplatz. Wurde es bisher im Frühjahr ausgetragen, verlegten es die Verantwortlichen heuer an das Juli-Ende, nachdem es im Vorjahr zu Protesten aus dem benachbarten Musikverein gekommen war. Dort irritierten die Bässe der auftretenden Bands das Vergnügen der Besucher - flugs wurde das Popfest ins Sommerloch verschoben. Von kommendem Donnerstag bis inklusive Sonntag bespielen heuer 47 heimische Bands das Popfest.

Die Terminverlegung nährte die von Beginn an herrschende Kritik am Austragungsort. Einerseits will das Popfest mit der Präsentation heimischer Popschaffender auf dem Karlsplatz inmitten der Stadt eine Aufmerksamkeit generieren, die kaum eine der auftretenden Bands sonst genießt. Andererseits erweist sich der Ort als nur eingeschränkt tauglich. Denn es herrschen Bestimmungen, die die Überzeugungskraft der Bands schon über die eingeschränkte Lautstärke beschneiden.

So fanden sich bei den bisherigen zwei Austragungen zwar zigtausende Besucher ein, wahres Konzertvergnügen empfanden nur wenige - zumindest bei den Konzerten, die auf der Seebühne stattfinden. Diese wird im Teich vor der Karlskirche errichtet. Die anderen Austragungsorte sind das Wien-Museum, der Ost-Klub, das Brut sowie der Prechtlsaal der Technischen Universität. Zusammengestellt hat das Programm zum letzten Mal Robert Rotifer. Der in England lebende Wiener Musikjournalist will damit eine Institutionalisierung der Programmierung des sich weitgehend der Alternative Music verschreibenden Festivals vermeiden.

Nischenuntermieter

Alternative Music - das ist ein tiefe Lade, dementsprechend vielfältig ist das Angebot. Es reicht von etablierten Bands wie dem Schlagzeug-und-Ziehharmonika-Duo Attwenger über die Hip-Hop-Veteranen Texta bis zu Nischenuntermietern wie A Thousand Fuegos und seiner Schlafzimmer-Elektronik mit Pop-Vision. Oder der in Wien lebenden Schweizerin Eloui, deren intime Songs oft wenig mehr als eine Ukulele verlangen, um zu erblühen.

Daneben sind Erneuerer des Wienerlieds zu erleben, die dieses zeitgenössisch deuten. Etwa Der Nino aus Wien, dessen Liedermacherei von André Heller sowie der Literatur von Edward Lear und James Joyce inspiriert ist. Oder Ernst Molden und seine Alltagssichtungen zwischen Dritter-Bezirk-Blues und Fernweh im Kopfkino. Und die wohl Originellsten in diesem Fach: 5/8erl in Ehr'n mit ihren zum Teil zart angejazzten Geschichten vom Branntweiner ihres Vertrauens.

Der Freitagabend widmet sich im Prechtlsaal der TU diversen Spielarten elektronischer Musik. Etwa dem technoiden Pop der nigerianisch-amerikanischen Musikerin G. Rizo. Elektro Guzzi werden mit traditionellen Instrumenten Techno spielen und ihm die Verve menschlichen Blutes angedeihen lassen, dazu gibt es einen Auftritt von Patrick Pulsinger, der so etwas wie der kleinste gemeinsame Nenner dieses Programmschwerpunkts ist, hat er doch mit Rizo ebenso gearbeitet wie mit Elektro Guzzi. Die Nacht beschließt anschließend der international bekannte Wolfram mit einem DJ-Set.

Im Bereich des Gitarrenrock sind neben Bands wie Kreisky oder den das Fest eröffnenden The Beth Edges die famosen Mopedrock!! zu erleben. Der meist auf Französisch singende Vierer erfreute auf seinem im Vorjahr erschienenen Debüt "Vasistas" mit einer Dringlichkeit, der Lebensgefühl ebenso innewohnt wie das umstürzlerische Potenzial denkender Menschen. Samstag und Sonntag gibt es im Project Space musikaffine Gesprächsrunden unter dem Titel "Wortschwall". (Karl Fluch, DER STANDARD, 24.7.2012)

Volles Programm, alle Orte und Beginnzeiten finden Sie unter popfest.at

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20 Postings
"auf der Seebühne auf dem Karlsplatz"

Die Sprache ist ein Werkzeug.
In einem See kann viel Sprache untergehen.
In diesem Blatt passiert das auf diesen Seiten so oft, dass das Wasser zumindest vielen LeserInnen schon bis zur Nase steht.

Sixtus Preiss mit Kompost 3 ist wirklich sehr zu empfehlen!
http://vimeo.com/44869390

@robert rotifer /teil2

@robert rotifer /teil2

so einen gratis-werbeauftritt bekommen diese firmen selten. eine bitte an die neuen kuratorInnen für 2013,14,15,... lasst euch von diesem wiener sumpf, bestehend aus eitelkeiten und wirtschaftlichen interessen, nicht beeindrucken, geht euren eigenen weg, schaut in die proberäume rein, geht auf konzerte in den arena-dreiraum, ins fluc, ins rhiz und die 2,3 anderen plätze wo zeitgemäß und cool programmiert wird.

ich bin ja mit der lokalen alternativszene nicht so vertraut, aber ich hätte schon angenommen dass da einiges an unbekanntem vorkommt. oder kenn nur ich die alle nicht?
und ein paar zugpferde von der schuhgröße attwenger oder nino braucht es schon, damit auch jemand hinkommt. ein reines freakfest mit selbst entdecktem aus arenabeisl, cafe carina und co wär sicher auch interessant, und ein toller impuls für die lokale musikszene, aber bleiben wir halt mal am boden.

@robert rotifer

@robert rotifer

sie haben Ihren job als repräsentant des popfest grundsätzlich sehr gut und souverän gemacht. danke dafür! dass die programmierung über die drei jahre betrachtet trotzdem nur ein gefälliges best-of aus fm4-hausen wurde, ist wirklich schade. in wien (und vielmehr in den bundesländern) passieren gerade echt spannende projekte. sehen wir die dann erst 2016 am popfest?? ich erwarte mir von einem kurator und seinem team (r.reutner, c. möderndorfer, ..) am puls der zeit zu sein, was wohl nur schwer geht, wenn man einen großteil seiner zeit auf der britannischen insel verbringt. an der programmierung kann man gut erkennen, wie sehr wirtschaftliche interessengruppen (hoanzl, eben fm4 und seine firmen-partner, monkey, ..) involviert

sicherwieMilch

Äh, und wo genau erkennt man nun die wirtschaftlichen Gruppeninteressen der wirtschaftlichen Interessengruppe monkey.?

Beefheart? (der Nickname) - was gibt es denn derzeit für spannende Projekte?

das line-up ist aus meiner sicht wesentlich besser als jenes vom heurigen donauinselfest. und da ich annehme, daß das budget des popfestes weitaus geringer ist, frag ich mich, was das donauinselfest da falsch macht.

was ist das für ein blöder vergleich bitte?

yo, .. so machts schon mehr sinn.

o.k., damit's fairer ist, kann ich den vergleich auch auf popfest vs. dif/fm4-bühne beschränken.

ähm

das liegt wohl daran, dass sich das eine event der alternativ music verschrieben hat, während das andere auch die servaspfiatgooodundaufwiedersehns von der gackbraunen kunstledinger abholen will.

und die fm4-leute - also die alternative (naja) fraktion vom DIF - schicken halt darüber hinaus auch noch so HipHopHansln auf die bretter, die man, wenns nach mir ginge, eher irgendwo zwischen habakuk und werbasteltmit im tv platzieren sollte.

ausnehmend schön gesagt (grün für die vornehme zurückhaltung!)

hab seit wochen kein posting bewertet, aber dafür gibt's von mir grün :-)

;-)

muchas!!!

gibts denn

keine noch kleineren veranstaltungsräume als den prechtlsaal?

...viel spass am freitag, dem promilleanteil jener die es in den prechtlsaal schaffen..

eine aufmerksamkeit zu generieren von männern die einem seit zig jahren vorgesetzt werden (attwenger, pulsinger, "molden") und günstlinger die, einmal den fuss drinnen nicht mehr rausnehmen wollen (nino, eder, m185) - ok, bands wollen naturgemäß so oft wie möglich spielen aber hr. rotifer (im 3ten jahr) sollte bei seinen radiosendungen bleiben - das kann er wohl am besten.

was wär ein wiener popfest ohne nörgler

das wird halt in weiten teilen mehr gemütlich als spannend, aber besser als nichts im populärmusikkulturellen niemandsland, und ein paar interessante gigs sollten dennoch für jeden dabei sein.

Ist doch schön Konzerte von Attwenger, Patrick Pulsinger oder Ernst Molden zu sehen ohne Geld dafür zu bezahlen, außerdem lässt es sich dabei hervorragend Vorurteile überdenken.

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