Dianchi, der schmutzigste See Chinas

Blog24. Juli 2012, 09:00
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Der Dianchi-See im Süden Kunmings ist der See mit der schlimmsten Verschmutzung in ganz China - und eine traurige Berühmtheit in der Region

Bereits beim ersten Blick auf die Karte Yunnans machte uns der im Süden der Stadt gelegene See neugierig. Die Lage zwischen Großstadt und den Westbergen versprach einen lohnenden Ausflug, und wer weiß, vielleicht könnte man ja im Sommer sogar dort baden gehen. Diese Gedanken lösen sich aber sehr schnell in Luft auf, als wir selbst an den See kommen und feststellen, dass es sich dabei weniger um einen See als vielmehr um eine Brühe handelt, die man nicht einmal berühren, geschweige denn durchschwimmen möchte. Nur hartgesottene Fischerkinder baden noch immer darin, während ihre Eltern nebenan trotz strengen Angelverbots fischen.

Schwimmen? Nein danke!

Die chinesische Regierung bemüht sich schon seit langem, den größten See Yunnans im Süden Kunmings zu retten. Doch die schwere Verschmutzung durch industriellen Abfall hat den See so massiv mit Algen gefüllt, dass eine Rettung kaum noch möglich erscheint. Mit etwa acht Metern Tiefe war der relativ flache See die Hauptwasserquelle für Kunming und Umgebung. Ehemals stellte er fast die Hälfte der Trinkwasserversorgung der Stadt, doch mittlerweile ist die Lokalregierung aufgrund der schweren Verschmutzung auf andere Wasserquellen ausgewichen, etwa auf den Fuxianhu-See, der sich übrigens auch besser zum Schwimmen eignet.

Eine traurige, aber typische Geschichte

Wie konnte es so weit kommen? Schon seit Jahren wissen die Behörden von den hohen Verschmutzungsraten des Dianchi-Sees und probieren unterschiedliche Methoden aus, um ihn zu säubern. Er ist überwuchert mit blaugrünen Algenblüten, während in einigen Abschnitten des Sees noch immer ungeklärte Abwässer eingelassen werden. Düngemittel und Pestizide, die in der Umgebung exzessiv zum Einsatz kommen, werden in der Regenzeit in den See gespült. 1993 verabschiedete der Staatsrat einen Umweltschutzplan, um die wirtschaftlichen Verlusten zu bremsen, die durch die Verschmutzung entstehen. Weitreichende Projekte wurden ins Leben gerufen, um den überdüngten See vielleicht doch noch zu retten. Die Qinghua-Universität in Schanghai stellte ein Projekt zur Reduktion von Düngemittel- und Pestizidverschmutzung auf.

Doch wie immer zielen diese Projekte nicht auf den tatsächlichen Schutz der Umwelt ab, sondern vor allem auf die Begrenzung von wirtschaftlichen Verlusten. Und wie fast immer scheiterten diese Projekte aufgrund mangelnder Kontrolle und Korruption auf verschiedenen Ebenen des Managements und mangelnden Bewusstseins für die Ernsthaftigkeit des Problems. Die Idee etwa, Wasserpflanzen in den See zu setzen, die das Nitrat abbauen sollten, ging schief, denn die Pflanzen wucherten wie verrückt und sind nicht unter Kontrolle zu bringen. Ein Teil des Sees heißt mittlerweile "Grassee" - es ist tatsächlich ein See aus Gras.

Lieber kein Fisch in Kunming

Demnach gilt höchste Vorsicht bei allem, was aus dem See kommt. Wann immer es in Kunming Fisch oder Meeresfrüchte gibt, sollte man besonders aufpassen und am besten ganz abwinken - zu groß ist die Gefahr, dass diese Produkte aus der braunen Brühe im Süden der Stadt kommen. Vergangenes Jahr starb eine Frau an einer Schwermetallvergiftung - die Fische kamen aus dem Dianchi. Es ist eine traurige Geschichte, doch der See ist gleichzeitig ein Mahnmal für die Zukunft: Umweltschutz wird noch immer nicht ernst genommen. (An Yan, daStandard.at, 24.7.2012)

  • Das "Fischen verboten"-Schild hat nicht besonders viel Wirkung am Dianchi, obwohl es sehr angebracht ist.
    foto: an yan

    Das "Fischen verboten"-Schild hat nicht besonders viel Wirkung am Dianchi, obwohl es sehr angebracht ist.

  • Der Grassee: Ein See aus Gras ist alles, was in einigen Teilen vom Dianchi übrig blieb.
    foto: an yan

    Der Grassee: Ein See aus Gras ist alles, was in einigen Teilen vom Dianchi übrig blieb.

  • Der Dianchi von oben.
    foto: an yan

    Der Dianchi von oben.

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